Die Nerven nicht im Griff: 1960-Co-Trainer Berkan Güngör (Dritter von links) und zwei Spieler sahen in Wald-Michelbach die Rote Karte, ein Zuschauer hat den Schiri geschlagen. Güngör bekam vom Sportgericht eine Geldstrafe aufgebrummt, der Verein Punkte abgezogen. Sportchef Okan Sari (rechts) spricht von einem „großen Imageschaden“. Archivfoto: TAP

Fußball

Schlag gegen Schiedsrichter: Herber Imageverlust für 1960 Hanau

Fußball. Das Sportgericht hat den SC 1960 Hanau am Dienstagabend bestraft: drei Punkte Abzug und 500 Euro Geldstrafe. Der Verlust der Verbandsliga-Tabellenführung tut dem Verein wahrscheinlich am wenigsten weh. „Das ist ein großer Imageschaden für uns“, kommentierte HSC-Sportchef Okan Sari das Urteil.

Von Gert Bechert

Immerhin: Das zwischenzeitlich gegen den HSC verhängte Spielverbot wurde aufgehoben, die Sperre gegen Ilker Bicakci verkürzt. Eine Geldstrafe bekam hingegen der Co-Trainer aufgebrummt.

Hanauer verzichten auf Einspruch

Die Befürchtungen waren vor dem Urteilsspruch bei den Verantwortlichen des SC 1960 Hanau sehr groß. Nach Bekanntgabe des Urteils durch den Vorsitzenden des Sportgerichts der Verbandsligen Rainer Lach wich die Anspannung einer gewissen Erleichterung, was sich auch darin äußerte, dass der Verbandsligist auf einen Einspruch verzichtete.

Die Vorkommnisse beim Spiel in Wald-Michelbach – ein vermeintlicher HSC-Anhänger schlug den Schiedsrichter in der Halbzeitpause auf den Oberarm – bestrafte das Sportgericht mit dem Abzug von drei Punkten und einer Geldstrafe von 500 Euro.

Gleichzeitig wurde das zwischenzeitlich verhängte Spielverbot aufgehoben, die davon betroffene Partie gegen den SV der Bosnier wird neu angesetzt. „Wir müssen das Urteil so hinnehmen. Mir tut die Mannschaft leid, die unter dem Abzug von drei Punkten leidet, obwohl sie nichts dafür kann“, meinte Sari.

Schläger bleibt unbekannt

Das Sportgericht nahm sich am Dienstagabend in den Räumlichkeiten des Landessportbundes bei der Aufklärung des Falles viel Zeit. Die Beweisaufnahme dauerte fast drei Stunden. Dass ein Schlag von einem vermeintlichen Anhänger des HSC erfolgte, war unstrittig, wer der Übeltäter war, konnte dagegen nicht ermittelt werden.

Schiedsrichter Ehsan Amiri (Hünstetten) bedauerte im Nachhinein, das Spiel in der Halbzeitpause nicht abgebrochen zu haben. „Ich war in einem Zwiespalt, wollte andererseits aber auch das Spiel über die Runden bringen.“

Platzverweise schaukeln Emotionen hoch

Nach einer halben Stunde hatten sich die Emotionen im Gästelager aufgeschaukelt, wozu auch eine Gelb-Rote Karte für Özcan Aydin und eine Rote Karte für Ilker Bicakci beitrugen. Auch Co-Trainer Berkan Güngör hatte sein Gemüt nicht im Zaum und sah die Rote Karte.

Obwohl die Gastgeber glaubhaft versicherten, alles für die Sicherheit des Unparteiischen getan zu haben, konnte der Schlag nicht verhindert werden. Nach Wiederanpfiff kehrte wieder Ruhe ein, wozu auch das kurzfristige Erscheinen von zwei Polizeibeamten beitrug, die der Schiedsrichter angefordert hatte.

Verein haftet für Verhalten seiner Fans

In seinem Plädoyer bemängelte Rechtsanwalt Oktay Uzun, der den HSC vertrat, trotzdem die seiner Ansicht nach mangelhafte Platzaufsicht. Zudem hielt er das zunächst ausgesprochene Spielverbot für überzogen, die Verhältnismäßigkeit sei nicht mehr gewahrt worden.

Da der Verein durch die Negativpresse schon genügend bestraft worden sei, plädierte Uzun für eine Geldstrafe. Lach wies in seiner Begründung des Urteilsspruchs daraufhin, dass ein Verein für das Verhalten seiner Anhänger haftet. Die Verantwortlichen des HSC hätten es versäumt, rechtzeitig deeskalierend auf ihre Fans einzuwirken. Da es aber keine Ausschreitungen gab, sei nur ein Einzelner für sein unsportliches Verhalten zu bestrafen.

In diesem Zusammenhang wies er die Forderung Uzuns, nur eine Geldstrafe zu verhängen, zurück. „Eine Tätlichkeit gegen den Schiedsrichter ist grundsätzlich mit einem Punktabzug und einer Geldstrafe zu sanktionieren“, belehrte Lach den HSC-Anwalt.

Bicakci-Sperre halbiert

Neben der Tätlichkeit gegen den Referee stand auch der Einspruch des HSC gegen die Sperre von vier Spielen für Ilker Bicakci auf der Tagesordnung. Bei der Beweisaufnahme widersprach sich der Schiedsrichter mehrfach, sodass das Sportgericht sich veranlasst sah, die Sperre, wie von Uzun gefordert, auf zwei Spiele zu reduzieren.

Auch die verbalen Ausraster Güngörs wurden behandelt. Güngör räumte ein, in der Hitze des Gefechts gegenüber dem Schiedsrichterassistenten geäußert zu haben, dass man sich benachteiligt fühlte. Rassistische Äußerungen, wie vom Unparteiischen in seinem Sonderbericht behauptet, hätte es von ihm nicht gegeben. Lach forderte Güngör auf, die Entscheidungen des Schiedsrichters „einfach zu akzeptieren“.

Co-Trainer muss Geldstrafe zahlen

Sicher spielte bei der Urteilsfindung eine Rolle, dass sich Güngör später beim Schiedsrichter entschuldigte. Mit einer Geldstrafe von 150 Euro kam er gut weg, zumal er kein „unbeschriebenes Blatt“ ist. Auf den HSC kommen noch die Verhandlungskosten zu, die sich in einem mittleren dreistelligen Betrag bewegen dürften.

„Wir müssen sehen, unseren Weg weiter zu gehen und der heißt Meisterschaft und Kreispokalsieg“, richtete Sari den Blick dann auch wieder nach vorne.

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