Fussball Verbandsliga, SC 1960 Hanau - 1. FC Hanau 93
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Bald Hessenliga-Fußball im Herbert-Dröse-Stadion? Der SC 1960 Hanau hat sich an einer Interessengemeinschaft mit 45 Vereinen beteiligt. Diese will allen Zweitplatzierten den Aufstieg ermöglichen.

Aufstieg oder nicht?

Tabellenzweite wollen aufsteigen - 45 Vereine schreiben Brief an HFV-Präsidium

  • vonFrank Schneider
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Die Diskussion um die Aufstiegsregelung im Amateurfußball in Hessen nimmt Fahrt auf. 45 Vereine haben eine Interessengemeinschaft gegründet und erhöhen den Druck auf den Verband.

  • Aufstiegsregelung nach Saisonabbruch wegen Corona-Pandemie
  • Vereine erhöhen Druck auf Hessischen Fußball-Verband
  • Kritik an unfairer Regelung

Die Frage, ob in Hessen die Fußballteams auf den Relegations- und Aufstiegsrundenplätzen im Falle eines durch die Corona-Pandemie wahrscheinlich gewordenen Saisonabbruchs ebenso wie die Teams auf den durch eine Quotienten-Regelung ermittelten direkten Aufstiegsplätzen aufsteigen dürfen, wird immer heißer diskutiert. Vor der für Samstag (6. Juni) angesetzten Vorstandssitzung wächst der Druck auf den Hessischen Fußball-Verband.

Fußballvereine fordern Aufstieg

In einem an das Präsidium und alle Kreisfußballwarte gerichteten dreiseitigen Schreiben haben immerhin 45 zu einer Interessensgemeinschaft formierte V ereine ihren Standpunkt nochmals deutlich gemacht: Aus Fairnessgründen sollen alle Teams auf den Aufstiegsplätzen aufsteigen dürfen. Unterzeichnet wurde die Stellungnahme von 45 Vereinsvertretern, unter ihnen der Vorsitzende des SC 1960 Hanau, Durdu Sakalikaba und von Sven Kittler, dem Vereinschef der auf Tabellenplatz zwei der Gruppenliga Frankfurt Ost rangierenden Sportfreunde Seligenstadt.

Interessant: Selbst der bereits feststehende Regionalliga-Aufsteiger KSV Hessen Kassel unterstützt das Ansinnen der Vereine.

Fußball: Vereine diskutieren über WhatsApp

Bislang hatten die betroffenen Klubs ihre Interessen beziehungsweise ihre Klagemöglichkeiten lediglich in einer lose zusammengestellten, aber ständig wachsenden WhatsApp-Gruppe diskutiert. Durch den an das Präsidium gerichtete Schreiben bekommt die Diskussion nun einen offiziellen Touch. Zudem hat eine vom SV Dersim Rüsselsheim gestartete Online-Petition zum gleichen Thema mittlerweile über 600 Unterstützer gefunden.

Eine abschließende Entscheidung über die Wertung der Saison 2019/20 wird es erst am virtuellen außerordentlichen Verbandstag geben, der am 20. Juni stattfinden wird. An diesem Samstag wird der Verbandsvorstand die abzustimmenden Anträge nochmals besprechen.

Fußballvereine prüfen: Gibt es Recht auf Aufstieg?

Die Tatsache, dass Hessen Kassel als Hessenliga-Vizemeister dank des besseren Quotienten im Vergleich zu den Zweiten der Oberligen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz/Saar in die Regionalliga Südwest aufsteigen darf, hat die Aufstiegsbegehrlichkeiten der Tabellenzweiten in verschiedenen Ligen bestärkt. Doch besteht auch ein Rechtsanspruch?

Der Verband hat diesbezüglich ein Gutachten eingeholt und wird dieses den Vorstandsmitgliedern am Samstag präsentieren. „Wir haben uns wirklich sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt, doch es war von vornherein klar, dass wir nicht den Ansprüchen von allen Vereinen gerecht werden können“, erklärt HFV-Vizepräsident Torsten Becker.

Fußballvereine auf Relegationsplätzen wollen alle aufsteigen

Das Präsidium könne die Aufstiegswilligkeit der Vereine verstehen und favorisiert, so Becker, jene Variante, nach der bei Aufstiegsrunden oder Relegationen mit mehreren Vereinen, das Team mit dem besten Quotient ein Aufstiegsrecht erhält. Dies werde als sportlich sinnvollster Weg angesehen.

Wie zu hören ist, präferieren einige Kreisfußballwarte ein Modell, nachdem wie jetzt auch von der Interessengemeinschaft gefordert, keine Quotienten im Ligen-Quervergleich ermittelt werden, sondern alle Vereine auf diesen Plätzen hoch dürfen.

Kritik von Fußballvereinen an Präsidium

„Wir dürfen aber die Klassen auch nicht zu groß werden lassen und müssen die Saison 2020/21, von der ja noch niemand weiß, wann sie überhaupt starten kann, auch vernünftig durchführen können“, entgegnet Becker. Die Interessengemeinschaft kritisiert indes das Vorgehen des Verbandes, bei den Befragungen der Vereine in den Kreiskonferenzen das Thema Relegationsplätze außen vor gelassen zu haben.

 „Aus unserer Sicht waren die Meinungsbildung, Befragung in den Kreisen und die durchgeführten Videokonferenzen mit den Vereinsvertretern über die vorgestellten Optionen so ausgelegt, dass das Abstimmungsergebnis von vornherein nicht repräsentativ, objektiv und umfassend gewesen ist. Die vorgestellten Szenarien bevorteilen strukturell alle Mannschaften in den hinteren Tabellenregionen und benachteiligen jene Mannschaften, die auf einem zweiten Platz stehen, obwohl sich diese Mannschaften zum Zeitpunkt des Abbruchs gemäß der Verbandsstatuten das Recht erworben hatten, um den Aufstieg via Relegation anzutreten. Dabei hätten sie als Verantwortliche für den Spielbetrieb sich eigentlich um diese Vereine ganz besonders kümmern müssen“, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme.

Vereine finden Regelung ungerecht

Die betroffenen Vereine fordern nur eine aus ihrer Sicht faire Lösung, die Aufstieg heißt. Es wird auf gleichlautende Regelungen in anderen Landesverbänden verwiesen und unterschwellig auch mit Klagen gedroht. „Wir sind der Meinung, dass der HFV auch bei den Tabellenzweiten sein Belohnungsprinzip für seine positive Gesamtlösung weiterführen muss“, geht aus dem der Redaktion vorliegenden Schreiben hervor.

Tenor: Es sei ungerecht, potenzielle Absteiger mit dem Klassenerhalt zu belohnen und auf der anderen Seite Teams zu bestrafen, die noch die Möglichkeit gehabt hätten, sich für die nächsthöhere Spielklasse zu qualifizieren.

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