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Rückblick: Starke HSG-Abwehr macht den Unterschied

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Marc Strohl, Marius Brüggemann und Yaron Pillmann brachten in der Abwehr den ein oder anderen Gegner zum Verzweifeln. Die HSG Hanau stellte die viertbeste Defensive der 3. Liga Ost. Archivfoto: TAP
Marc Strohl, Marius Brüggemann und Yaron Pillmann brachten in der Abwehr den ein oder anderen Gegner zum Verzweifeln. Die HSG Hanau stellte die viertbeste Defensive der 3. Liga Ost. Archivfoto: TAP

Handball. Die erste Spielzeit in der 3. Liga Ost hat die HSG Hanau mit Bravur gemeistert und den Klassenerhalt sogar schon vorzeitig perfekt gemacht: Wir werfen einen Blick zurück auf eine Saison, die von Verletzungspech, einer beinahe unheimlichen Heimstärke und einer gewaltigen Euphorie im Umfeld geprägt war.

Von Robert GieseDabei erhielt die Euphorie nach dem Aufstieg in die 3. Liga Ost zunächst einen erheblichen Dämpfer, denn einerseits fielen in Jan-Eric Ritter und Eric Schaeffter schon zu Saisonbeginn zwei Schlüsselspieler aus der Aufstiegssaison lange aus, andererseits bekamen die Hanauer vor allem auswärts anfangs deutlich die Grenzen aufgezeigt.

Obwohl wir in der Vorbereitung viel im athletischen Bereich gearbeitet hatten und physisch noch mal stärker geworden waren, war die 3. Liga eine ganz andere Welt“, schildert HSG-Coach Patrick Beer die Eindrücke der ersten Wochen.Nur einen Zähler auswärts geholtNeben der sehr körperlichen Spielweise der Kontrahenten und dem Verletzungspech stellten auch die weiten Auswärtsfahrten die HSG zu Saisonbeginn vor eine große Herausforderung, entsprechend erfolglos blieb der Aufsteiger bei Auswärtsspielen zunächst: Lediglich einen Zähler sammelten die Grimmstädter in der Hinrunde in fremden Hallen.

„Allerdings mussten wir 2016 aber auch ausnahmslos weite Anreisen zurücklegen oder gegen starke Gegner spielen“, relativiert Beer die Auswärtsschwäche seines Teams in der ersten Saisonhälfte.Mehr als 500 Zuschauer im SchnittIn der Main-Kinzig-Halle stimmte die Bilanz hingegen, denn nur ein einziges Mal blieben die Hanauer in der Hinrunde zu Hause ohne Punkte. Das lag auch daran, dass die Handballfans der Region in Scharen in die Halle strömten und der HSG einen Zuschauerschnitt von mehr als 500 Zuschauern pro Partie bescherten – damit lag Hanau über dem Durchschnitt in der 3. Liga Ost.

Besonders die im „Blauen Block“ organisierten Fans der Grimmstädter trieben ihr Team auch in schwierigen Phasen immer wieder nach vorn. „Diese Rieseneuphorie auf den Rängen war natürlich überragend, das hat uns ein tolles Gefühl gegeben und war ein wichtiger Grund für unsere Heimstärke“, weiß Beer die Unterstützung durch die Fans sehr zu schätzen.Sieg gegen Großwallstadt als absolutes HighlightDas zeigte sich besonders in der Rückrunde, in die Hanau schlecht gestartet war und gegen die HSG Burgwedel unglücklich einen bereits sicher geglaubten Sieg verspielt hatte. Dann aber verwandelten die Grimmstädter die Main-Kinzig-Halle in eine regelrechte Festung, in der sogar die Spitzenteams der Liga mächtig Federn ließen. Absolutes Highlight war dabei der denkwürdige 20:14-Sieg über den TV Großwallstadt, der gegen die verbissen verteidigenden Grimmstädter im ersten Durchgang gerade einmal drei Treffer erzielte.

Die HSG profitierte in der Rückrunde allgemein davon, auf eine starke Abwehr – am Saisonende hatten nur drei Teams weniger Gegentore als der Aufsteiger – zu setzen, denn die stabile Defensive der HSG machte in vielen Partien den Unterschied aus. Mit Neuzugang Marc Strohl hatten die Grimmstädter einen Defensivspezialisten hinzugewonnen, der seine Abwehrstärke zunehmend ausspielte, zudem entwickelte sich Marius Brüggemann zum Schrecken einiger gegnerischer Rückraumspieler, die er immer wieder offensiv anging und damit gekonnt kaltstellte.Mit einen Königstransfer in die RückrundeDoch auch anderen Spielern bescheinigt Beer eine starke Saison: Yaron Pillmann, der nicht nur der beste Torschütze der Hanauer war, sondern zusammen mit Strohl einen meist gut harmonierenden und schwer zu überwindenden Mittelblock stellte, habe „eine überragende Hinrunde gespielt“, der Rechtshalbe Tilman Werner gar „die beste Saison überhaupt für die HSG“. Neben Werner spielte sich auch Maximilian Bergold zunehmend in den Vordergrund: Der Youngster entwickelte sich dank seiner Abschlussstärke aus der Distanz zu einem der gefürchtetsten Rückraumschützen der Liga.

„Als die ersten Verletzten zurückkehrten, hatten wir auch personell mehr Alternativen – das hat unserem Spiel sehr gut getan“, so Beer. In der Rückrunde gelang den Hanauern mit der Verpflichtung von Philipp Reuter dann noch der Königstransfer, denn trotz seiner Verletzungsanfälligkeit entwickelte sich der Spielmacher schnell zum Dreh- und Angelpunkt der Hanauer Offensive.„Das Zweite Jahr ist immer das schwerste“In der nächsten Saison will Beer vor allem im Angriff flexibler werden – bisher war das Spiel der HSG nämlich sehr rückraumlastig. „Wir wollen zum Beispiel noch mehr über den Kreis spielen, und da haben wir mit Lucas Lorenz einen sehr guten Kreisläufer verpflichtet“, freut sich Beer über den Neuzugang von der MSG Groß-Bieberau/Modau. Auch über die Außen und die Erste und Zweite Welle wollen die Grimmstädter gefährlicher werden: „Diese Saison haben wir nicht so viele gute Pässe auf die Außen gespielt, das wollen wir verbessern, und auch im Umschaltspiel wollen wir besser werden.“

Dass die Hanauer sich weiter verbessern, sei bitter nötig. „Das zweite Jahr“, betont Beer, „ist immer das schwerste. Darum wollen wir wieder so früh wie möglich den Klassenerhalt sichern und dann versuchen, uns mittelfristig in der 3. Liga zu etablieren.“Auswärts noch Luft nach obenAuf den neunten Platz gleich in der Premierensaison sei er sehr stolz, „aber daran müssen wir uns auch messen lassen. Wir haben uns den Respekt der anderen Mannschaften erarbeitet und werden ernst genommen“, ist der HSG-Coach hochzufrieden mit der bisherigen Leistung, „aber wir müssen uns weiter ins Zeug legen, um zu punkten“.

Gerade auswärts sieht Beer noch viel Luft nach oben, auch wenn sein Team am Saisonende auch in fremden Hallen fleißig punktete. „Da hat es uns sehr geholfen, dass uns teilweise Hunderte Fans begleitet haben.“ In der kommenden Saison können sich die Hanauer Schlachtenbummler dann auch über ein weiteres Derby freuen, denn durch den Aufstieg der SG Bruchköbel wirft ein weiterer Lokalrivale seinen Hut in den Ring. „Auf solche Derbys“, versichert Beer, „freuen wir uns immer ganz besonders.“

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