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Auf dem Main am Hassia-Gelände ist seit Wochen wenig los. Der Sportvorsitzende des Ruderclubs, Stefan Buschbeck, und seine Mitstreiter im Vorstand warten gebannt, welche Lockerung es in Hessen für die Ruderer dieser Tage geben wird.

Ruderer trainieren Zuhause mit dem Ergometer

Warten auf das Startsignal: Hassia-Sportvorstand über Ruder-Sehnsucht und Corona-Heimtrainingsprogramm

  • Thorsten Jung
    vonThorsten Jung
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Stefan Buschbeck steht am Bootssteg der Hassia und schaut auf den Main. Es scheint, als würde er den Moment der Ruhe genießen. Es ist Dienstagnachmittag. Normalerweise würde hier reges Treiben herrschen.

„Normalerweise bin ich dienstags um diese Zeit auch auf dem Wasser“, sagt der Sportvorsitzende des Ruderclubs. Während der 36-Jährige und seine Vereinskollegen allerdings ihren Sport nicht ausüben können, laufen in seinem Rücken Jogger und fahren Radler vorbei. Diese Art von sportlicher Betätigung ist auch während des Corona-Lockdowns erlaubt, Rudern nicht.

Nur Profis und Athleten aus dem Bundeskader dürfen trainieren

Stefan Buschbecks Blick auf den Main wird sehnsuchtsvoller. Beim Ruderclub Hassia wartet man auf das Startsignal aus der Politik. Seit dem 18. März ist der Übungsbetrieb eingestellt. Derzeit dürfen lediglich Profisportler und Bundeskaderathleten rudern. Beim RC Hassia darf nur die 19-jährige Lisa Holbrook im Ruderboot trainieren

 „Für unsere Wettkampfsportler hat unser Cheftrainer Volker Lechtenberg ein Corona-Heimtrainingsprogramm erstellt“, erzählt Stefan Buschbeck, als er sich in der Sonne auf den Bootssteg gesetzt hat. Hier ist gerade Lisa Holbrook aus dem Wasser gestiegen, als sie ihr Training beendet hat. Ihr Boot hat sie im Hassia-Bootshaus verstaut.

Verein stellt Ruderern Ergometer zur Verfügung

Die anderen Hassia-Wettkampfsportler trainieren zu Hause auf dem Ergometer. Der Verein hat leihweise jedem einen zur Verfügung gestellt. Für die Sportler stehen neben Laufen, Kraftübungen und Ergometertraining auch täglich Videokonferenzen mit dem Trainer an. Werte und Daten aus dem Trainingsbetrieb werden ebenso besprochen wie die weitere Vorgehensweise im Hometraining.

„Das Trainingsverbot geht schon in die achte Woche“, meint der Sportvorsitzende, der in Kesselstadt aufgewachsen ist. Wie seine Vorstandskollegen hofft er diese Tage auf ein Signal aus der Politik. Am Freitag steht wieder eine virtuelle Vorstandssitzung im Kalender von Stefan Buschbeck. „Wir werden uns dann kurzfristig überlegen, wie wir das hier bei uns umsetzen“, meint er mit Blick auf eine neue Verordnung der hessischen Landesregierung, die heute oder morgen erlassen werden könnte.

Hoffen auf mögliches Training in Kleingruppen

Zumindest Training in Kleinbooten sollte zeitnah wieder möglich sein. Davon geht auch der 36-Jährige aus. Einer sowieso, vielleicht auch der Doppelzweier oder der Vierer. Auf Training in Kleingruppen bis zu fünf Personen hoffen sie bei der Hassia. An Regatten und Meisterschaften denken sie dabei noch gar nicht. „Welche noch stattfinden können, ist äußerst fraglich“, denkt Stefan Buschbeck.

Ob die deutsche Jahrgangsmeisterschaft im Herbst nachgeholt wird? Zukunftsmusik! Immerhin haben die Sportler der Hassia von dort in den vergangenen Jahren immer Medaillen mit nach Hanau gebracht – zwei goldene und vier silberne waren es 2019. Im Bootshaus der Hassia ist es an diesem Nachmittag genauso ruhig wie auf dem Main. „Die Renovierung der Umkleideräume konnte während des Lockdowns überwiegend abgeschlossen werden“, berichtet Stefan Buschbeck. Mit Fördermitteln von Stadt, Kreis und Land sei das Projekt unterstützt worden.

Hohe finanzielle Einbußen für die Hassia

Die coronabedingte Wettkampfpause und die geschlossene Gastronomie auf dem Vereinsgelände sorgen auch bei der Hassia für finanzielle Einbußen. „Wir müssen nun erst einmal schauen, welche Regatten noch möglich sind“, sagt Stefan Buschbeck“, erst dann kann man sagen, wie es wirtschaftlich aussieht.“

Durch die Absage des Bürgerfestes, wo der Verein traditionell mit einem Stand vertreten ist, fällt eine weitere Einnahmequelle weg. Bis eine Entscheidung der Politik bekannt ist, kann auch Stefan Buschbeck nur abwarten. So lange genießt der Unfallchirurg die kurze Atempause am Hassia-Bootssteg, schaut noch einmal auf den Main: „Schon komisch, dass bei diesem Sonnenschein hier nichts los ist.“

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