Fußball

Repp traut seiner SGB noch viel zu - auch wenn ein Torjäger fehlt

Fußball. Seit gut einem Jahr ist Albert Repp nun Trainer bei der SG Bruchköbel. Den sich abzeichnenden Abstieg aus der Verbandsliga Süd konnte er nicht mehr verhindern, doch der Neustart in der Gruppenliga Frankfurt Ost kann in einer ersten Zwischenbilanz als gelungen bezeichnet werden.

Als Tabellenvierter ist die SGB in der Spitzengruppe vertreten, der Rückstand auf Spitzenreiter VfB Oberndorf beträgt gerade mal vier Punkte. Im Interview blickt Repp auf die am kommenden Sonntag für sein Team mit einem Auswärtsspiel bei Kickers Obertshausen beginnende Restrunde und verrät, welcher Spielertyp seinem Team fehlt.

Herr Repp, hätten Sie geglaubt, dass nach dem erfolglosen Jahr in der Verbandsliga mit dem Abstieg der Übergang in die neue Spielklasse so gut gelingen wird?

Wir wollten nach dem Verbandsliga-Abstieg den freien Fall stoppen und haben den Kader entsprechend zusammengestellt. Die Neuzugänge haben wir auf meine Initiative geholt und ich habe mir schon gedacht, dass es fußballerisch wie menschlich mit dem neuen Team passen kann. Dass es so gut läuft, war nicht unbedingt zu erwarten. Da steckt aber auch eine Menge Arbeit dahinter. Die Mannschaft zieht aber sensationell gut mit, ich habe selten solch ein Team mit derart gutem Charakter betreut.

Die Mehrzahl der Spiele in der Vorrunde beendete Ihr Team ohne Gegentor. Was sind die Gründe?

In erster Linie die mannschaftliche Geschlossenheit und die Tatsache, dass jeder Spieler bereit ist, für andere mitzuarbeiten. Wenn man einen Torhüter wie Yannik Dauth im Kasten hat, der auch mal ein, zwei unhaltbare Bälle hält, dann ist das natürlich klasse. Zu Null spielt man aber nur, wenn alle Spieler gut funktionieren.

Bei Ihnen als ehemaligem Mittelfeldregisseur mag es verwundern, dass Sie als Trainer so gesteigerten Weg auf eine stabile Defensive legen . ..

Ich muss mich als Trainer nach dem vorhandenen Kader richten. Wir haben keine Spieler, die 20 oder 30 Tore die Saison schießen, als müssen wir über eine kompakte Grundformation zum Erfolg kommen. In der Lage, ein oder zwei Tore zu schießen, sind wir zudem immer.

Andere Vereine in der Liga haben in der Winterpause ihre Kader verstärkt. Die SGB nicht. Es gab keine Neuzugänge, dafür mit Falk van Haaren und Kaan Ceribas zwei Abgänge. War die Reduzierung des Aufgebots geplant, oder gibt es dadurch Probleme?

Kaan Ceribas hat ja kaum gespielt. Dass Falk van Haaren auch mit nach Büdingen gegangen ist, tat mir sehr leid. Aus ihm wäre fußballerisch noch einiges rauszuholen gewesen. Der Kader ist jetzt kleiner, damit müssen wir leben. Wir wollten Spieler dazu holen, doch es hat sich nicht realisieren lassen, da die finanziellen Vorstellungen möglicher Neuzugänge nicht zu unseren beziehungsweise unserem Budget gepasst haben.

Wie waren Sie mit der Vorbereitung zufrieden?

Dank der Möglichkeit auf dem Kunstrasen zu trainieren, war es eine gute Vorbereitung. Im Verhältnis 80:20 war ich zufrieden. Es hat zwar in einigen Testspielen gehapert, doch wir haben auch viel ausprobiert. Positiv waren die guten Auftritte gegen die Spitzenteams Bayern Alzenau und Hanau 93, als wir jeweils sehr gut dagegen gehalten haben und beide Male ein Unentschieden erzielt haben.

Wenn Sie an die zurückliegende Vorrunde denken, wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?

Unser Manko ist das Tore schießen. Wir spielen uns immer viele Chancen heraus, machen die Dinger aber oftmals einfach nicht rein. Bei uns im Kader sind viele Spieler mit guten Offensivqualitäten, doch ein typischer Torjäger fehlt uns wie bereits erwähnt.

Am Sonntag geht es mit einem Auswärtsspiel bei Kickers Obertshausen los. Wie bewerten Sie diese Aufgabe?

Wir müssen gut aus der Pause kommen. Es sind ja nur noch zwölf Spieltage, da darf man sich keinen Fehlstart erlauben. Ich bin zuversichtlich, denn im letzten Testspiel beim 4:2 gegen Dietesheim hat meine Mannschaft ein gutes Spiel gemacht. Die Jungs werden motiviert sein, doch Obertshausen ist ein guter Gegner mit einer klaren Spielstruktur.

Bruchköbel spielte jahrelang in der Verbandsliga Süd. Spüren Sie im Umfeld des Vereins eine Sehnsucht, in diese Klasse zurückzukehren?

Ich habe das Gefühl, dass der Verein durch den Abstieg enger zusammengerückt ist. Im Hintergrund arbeiten viel mehr Leute mit und das ist für mich das Allerwichtigste. Ich stehe mit dem Sportlichen Leiter Oliver Gust im ständigen Austausch, doch ansonsten hält sich der Vorstand aus dem sportlichen Bereich raus. Das Umfeld ist sehr ruhig, das Arbeiten bei der SG Bruchköbel ist für mich als Trainer sehr angenehm.

Wie stufen Sie denn die Aufstiegschancen in dieser Saison ein?

Wenn meine Mannschaft an die Spielweise der ersten Saisonwochen anknüpfen kann, dann zähle ich uns schon zum Kreis der Mitfavoriten. Allerdings darf bei einem Kader von 16 Feldspielern kein großes Verletzungspech passieren. Aktuell müssen wir nach dessen Verletzung in der Hinrunde noch auf Marius Dickerhoff verzichten.

Wer sind für Sie die Topfavoriten und wo sind diese Mannschaften stärker als Ihr Team?

Eines mal vorneweg: Andere Mannschaften sind nicht besser als wir. Auch wenn unsere Niederlage vor der Winterpause in Oberndorf unnötig war und das 0:0 gegen Wenings gar nicht ging, so bleibt festzuhalten, dass wir total konkurrenzfähig sind, um vorne mitzuspielen. Dass andere Mannschaften Torjäger in ihren Reihen haben, uns eben ein solcher Spieler fehlt, ist ja unbestritten. Unter dem Strich fehlen uns 20 Treffer. Das zeigt auch der Blick auf unser Torverhältnis. Favoriten sind für mich jene Teams, die aktuell vorne dabei sind, also Großkrotzenburg, Rodgau und Oberndorf.

Das Interview führte Frank Schneider.

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