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Halten den Stall Eger auf dem Fasanenhof am Laufen: Ralph mit „Baptistt“, Elke und Sohn Moritz Eger versorgen die bei ihnen untergebrachten Pferde. Aufgrund der Corona-Maßnahmen dürfen die Pferdebesitzer nur sehr eingeschränkt zu ihren Tieren auf dem Hof in Klein-Auheim.

Manchen Pferden ist langweilig

Reiter dürfen wegen Verbot zur Nutzung von Sportstätten nur eingeschränkt zu ihren Tieren

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Statt Dressur-, Springtraining oder gar entspannten Ausritten stehen bei den Reitern nur noch kurze Besuche bei den eigenen Pferden an. Putzen, kurz für Bewegung sorgen und zurück in den Stall.

Die Corona-Pandemie hat auch den Reitsport fest im Griff. Denn das Verbot zur Nutzung von Sportstätten betrifft auch die Pferdehöfe, die seit dem 17. März gesperrt sind. „Wir haben aber eine kleine Sonderstellung, weil die Notversorgung der Pferde gewährleistet sein muss“, erklärt Elke Eger vom Stall Eger auf dem Fasanenhof in Klein-Auheim. 

In diesem speziellen Fall greift nämlich das Tierschutzgesetz, schließlich können die Pferde nicht sich selbst überlassen werden und brauchen Bewegung. Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ist aber nur noch eine Notversorgung der Pferde erlaubt, was bei vielen Reitern für Kopfschütteln sorgt. Immerhin gibt es beim Training kaum Kontakt zu anderen Reitern. Und das Coaching findet auf Distanz statt, denn der Trainer steht an der Seite des Reitplatzes und gibt Tipps und Anweisungen. Anders stellt sich die Situation beim Reitunterricht für Kinder mit Schulpferden dar, wie Elke Eger einräumt. Dass Unterricht in Gruppen nicht stattfinden kann, ist logisch. Denn es müsste nach jedem Kind Sattel- und Saumzeug desinfiziert werden. Aber auch wer sein eigenes Pferd und natürlich auch eigenes Sattel- und Saumzeug besitzt, darf ebenfalls nicht trainieren. 

Hof ist seit 1972 im Familienbesitz

„Das sorgt bei vielen für Unverständnis. Wahrscheinlich ist es aus Solidarität zu anderen Sportarten verboten“, mutmaßt Elke Eger. Daher herrscht auch auf dem Fasanenhof trotz besten Wetters eine ungewöhnliche Stille, unterbrochen vom Wiehern der Pferde und vereinzeltem Klappern der Hufe. Ungewöhnlich, denn sonst herrscht auf dem Hof bei 45 Pferden reger Betrieb. „Wir haben unseren Hof direkt am 17. März für den Publikumsverkehr gesperrt. Weil die Pferde aber bewegt werden müssen, ist der Stall für die Pferdebesitzer geöffnet“, erklärt Elke Eger, die den Hof gemeinsam mit ihrem Mann Ralph (51) und Sohn Moritz (26) betreibt, die beide gelernte Pferdewirte sind. 

Seit 1972 ist der drei Hektar große Hof im Besitz der Familie und mit Moritz steht bereits die dritte Generation in der Verantwortung. In diesen Zeiten ist auf dem Hof aber alles anders. Ein willkürliches Kommen und Gehen ist aufgrund der Corona-Maßnahmen nicht möglich, die Familie muss die Anzahl der Anwesenden auf dem Gelände – in Abhängigkeit von dessen Größe – auf zehn minimieren. „Wir halten uns dabei an die Richtlinien und Maßnahmen der FN“, erklärt die 54-Jährige. Hinter der Abkürzung FN verbirgt sich die internationale Bezeichnung Fédération Equestre Nationale oder auch Deutsche Reiterliche Vereinigung. Ein pfiffiger Pferdebesitzer vom Stall Eger hat zu Beginn der Maßnahmen reagiert und ein Programm geschrieben, in das sich die Reiter eintragen können – jeweils 1,5 Stunden pro Tag sind pro Besitzer erlaubt. Mehr Zeit ist bei 45 Pferden nicht verfügbar, wobei das nach Ralph Eger auch gleichzeitig das Minimum an Zeit ist, was ein Reiter benötigt. Sind zehn eingetragen, darf in dieser Zeit niemand mehr auf den Hof. 

Hoffnung auf die Lockerung des Trainingsverbot

Dort ist nur noch ein Eingang geöffnet, neben dem ein Magnetschild aufgestellt wurde, um den Überblick über die Anwesenden zu behalten. Wer da ist, muss seinen Namen anpinnen. Dann geht es direkt auf die Toiletten zum Händewaschen und Desinfizieren. Erst dann dürfen die Reiter in den Keller gehen und Sattel-, Saum- und Putzzeug holen. Dann heißt es sputen, denn Pferd putzen, kurz reiten in einer der beiden Hallen oder dem Außenreitplatz und ab zurück in den Stall. Und danach heißt es wieder Händewaschen und Desinfizieren – ein straffer Zeitplan für Mensch und Tier. Für die morgendliche und abendliche Versorgung der Pferde mit Futter und das Ausmisten ist Familie Eger verantwortlich. Genauso wie für etwas Bewegung auf der Koppel. Und weil die Tiere im Moment mehr alleine sind, „schauen wir dabei natürlich, ob alles in Ordnung ist“. Außerdem haben sich die Pferdebesitzer an die Abstandsregeln zu halten, was laut Elke Eger sehr gut funktioniere. 

„Meine Leute sind klasse“, lobt sie die Besitzer. Die Reiter führen ihre Pferde in großen Bögen aneinander vorbei oder halten bei einem kurzen Plausch den nötigen Abstand. Es ist nicht nur die fehlende Zeit mit dem eigenen Pferd, die den Reitern im Moment zusetzt. Auch das gesellige Zusammensein in der Stallgemeinschaft fällt aus, genauso wie das regelmäßige gemeinsame Grillen. Nicht nur die Umsetzung und Einhaltung der Corona-Maßnahmen machen Familie Eger zu schaffen. Auch die fehlenden Einnahmen durch den Reitunterricht machen sich bemerkbar, die Familie muss ans Gesparte gehen. Und auch das große Sommerturnier der Reitsportgemeinschaft Fasanenhof musste abgesagt werden. Hoffnung setzen Familie Eger und die Reiter auf die nächste Woche. Denn dann könnten das Trainingsverbot gelockert und Einzelunterricht ermöglicht werden. Und das kommt auch den Pferden zugute, denn auch denen fehlen die sozialen Kontakte, wie Elke Eger sagt. „Ja, ich glaube, manchen Pferden ist langweilig.“

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