Drückt der Türkei und Deutschland die Daumen: Burak Tok, Keeper von Türk Gücü Hanau.
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Drückt der Türkei und Deutschland die Daumen: Burak Tok, Keeper von Türk Gücü Hanau.

EM-Serie

Reise durch Europa: Der türkische Torwart

  • Julia Meiss
    vonJulia Meiss
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Burak Tok ist über die Grenzen des Fußballkreises Hanau als Stürmer-Schreck bekannt, denn der Torwart von Gruppenligist Türk Gücü Hanau fischt auch mal einen eigentlich unhaltbaren Ball aus der Luft. Der Türke freut sich schon sehr auf die Europameisterschaft und hofft, dass die Türkei nicht auf Deutschland treffen wird.

Hanau – Burak Tok nimmt sich etwas Zeit, um die Frage zu beantworten. Nach einigem Grübeln und Überlegen sowie mehreren gemurmelten „Mmmmhh“ hat sich der 26-jährige Hanauer festgelegt: „Adana Kebab ist meine türkische Lieblingsspeise.“ Die Wahl ist dem Bauingenieur schwergefallen, denn der Torwart von Türk Gücü Hanau ist ein großer Fan der türkischen Küche: „Die türkische Küche ist sehr breit aufgestellt. Es gibt zum Beispiel unzählige Kebab-Arten. Der Cag-Kebab ist auch noch sehr lecker. Es gibt einfach sehr viele Sachen, die sehr gut schmecken.“

Burak Tok: In der dritten Generation in Deutschland

Vor allen Dingen muss es scharf sein, was auch auf den Adana-Kebap zutrifft. Dabei handelt es sich um eine Spezialität aus der Provinz Adana. „Das ist ein Hackfleischspieß, der direkt über Feuer gegrillt wird. Dazu gibt es Brot, Reis und Salat“, erzählt der Hanauer über seine scharfe Leibspeise, die er besonders bei Besuchen in der Türkei genießt. „Ich versuche, jedes Jahr einmal in die Türkei zu fliegen“, wohnt schließlich ein Teil seiner Verwandtschaft in dem Land, das sich geografisch über die Kontinente Europa und Asien erstreckt.

Die EM-Serie des HA

Bis zum Eröffnungsspiel stellen wir alle teilnehmenden Nationen vor. Bereits erschienen sind Schottland mit Philip Monteith aus Maintal und Ungarn mit Tibor Földvari aus Büdingen. Kommende Woche folgt Belgien mit dem Schönecker Dimitri van den Broeck.

Burak Tok ist bereits in der dritten Generation in Deutschland: „Meine Großeltern sind in den 1970er Jahren nach Deutschland ausgewandert. Meine Mutter und dann auch ich sind schon in Deutschland geboren“, erzählt der 26-jährige Bauingenieur. Mittlerweile leben seine Großeltern aber wieder in der Türkei und Burak Tok besucht sie regelmäßig. „Meine Großeltern pendeln, sie sind im Sommer in Izmir am Meer und im Winter in Istanbul. Ich versuche, im Sommer dort zu sein, damit ich im Warmen sein kann“, erzählt Burak Tok, der für Land und Leute schwärmt. Die Menschen seien sehr freundlich. Von der Natur her sei die Türkei ähnlich wie Deutschland und besonders das Meer übe natürlich eine gewisse Anziehungskraft aus – immerhin hat die Türkei eine etwa 7200 Kilometer lange Küstenlinie und grenzt an das Ägäische Meer, Mittelmeer und Schwarze Meer.

Burak Tok: Grillen eine große Leidenschaft

Der 26-Jährige, der mit seiner Frau in Hanau lebt, hat schon mehrere Orte in der Türkei besucht und ist auch prinzipiell sehr reisefreudig, war schon in Südamerika und mehreren europäischen Ländern. Wenn Burak Tok zu Besuch in der Türkei ist, stehen eher der klassische Hotelurlaub und viele Spaziergänge auf dem Programm, um die Region zu erkunden.

Ist der Hanauer zu Hause, widmet er einen Teil seiner Freizeit dem Sport und einer weiteren Leidenschaft: dem Grillen. „Ich bin ein Steak-Liebhaber, grille gerne Rib-Eye-Steak, Entrecôte oder Porterhouse-Steak, wobei Wurst natürlich auch nicht fehlen darf“, verrät Burak Tok, der aber auch leidenschaftlicher Sportler ist.

VfB Großauheim der erste Verein

Wenn er nicht für Türk Gücü Hanau auf dem Platz steht, geht er auch gerne ins Fitnessstudio oder joggen. Mit dem Fußballspielen hat Burak Tok mit fünf Jahren beim VfB Großauheim begonnen. Nachdem er ein Jahr im Feld gespielt hat, ist er ins Tor gewechselt. „Aus Mangel an Alternativen“, sagt Burak Tok und kann sich ein lautes Lachen nicht verkneifen.

„Der Trainer hatte einen Torwart gesucht und ich war interessiert. Mir hat es direkt Spaß gemacht.“ Besonders die große Verantwortung macht für ihn den Reiz an der Position aus: „Ein Torwart hat sehr viel Verantwortung und ist auf sich alleine gestellt. Wenn er einen Fehler macht, wird der in der Regel sofort bestraft. Die gute Seite ist, dass du Spiele entscheiden kannst.“ Vehement spricht sich Türk Gücüs Nummer eins gegen das Vorurteil aus, dass ein Torwart „nur rumstehe“. „Das stimmt nicht. Torwartsein wird oft unterbewertet“, bricht er eine Lanze für diese eigentlich zentrale Position im Fußball.

Burak Tok traut der Türkei das Halbfinale zu

Der Kicker freut sich schon sehr auf die Europameisterschaft vom 11. bis 21. Juli 2021 – schließlich ist die Türkei kein Dauerteilnehmer. Erstmals hatte sich die türkische Nationalmannschaft 1996 für die EM in England qualifiziert, scheiterte aber in der Vorrunde. 2000 in Belgien und der Niederlande war dann erst im Viertelfinale gegen Portugal Schluss, 2004 in Portugal war das Team nicht qualifiziert.

Starke Quali: Die Türkei um Okay Yokuslu (im Duell mit Antoine Griezmann) hat gegen Frankreich einmal gewonnen und einmal unentschieden gespielt.

Die EM 2008 in Österreich und der Schweiz sollte das bisher beste Endrundenturnier für die Türkei werden. Unter Coach Fatih Terim kam die Türkei bis ins Halbfinale, scheiterte dann aber an Deutschland. Auf den Höhenflug folgte ein Tief, denn 2012 (Polen und Ukraine) löste die türkische Nationalmannschaft nicht das Endrunden-Ticket. In Frankreich 2016 war wiederum nach der Vorrunde Schluss. „Die Türkei ist endlich mal wieder dabei und es liegt mir am Herzen, dass sie weit kommen. Die türkische Mannschaft ist eine Turniermannschaft und kann von der Qualität her bis ins Halbfinale kommen“, traut Burak Tok der eher jungen Truppe um Trainer Senol Günes einiges zu.

Immerhin führte er das Team zum bisher größten Erfolg, dem dritten Platz bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea. „Er ist ein guter Trainer, der die jungen Spieler führen kann. Ich habe Hoffnung“, sagt der Torwart, der es gutheißt, dass viele türkische Nationalspieler in ihren Vereinen internationale Erfahrung sammeln können.

Türkei bestreitet das Eröffnungsspiel

Als Gruppenzweiter hinter Frankreich hat sich die Türkei für die auf 2021 verschobene EM qualifiziert und sich gegen Island, Albanien, Andorra und Moldau durchgesetzt – mit sieben Siegen, zwei Unentschieden und einer Niederlage. Diese setzte es beim 1:2 gegen Island. Gegen den Favoriten aus Frankreich siegte die Türkei im Hinspiel mit 2:0 und holte beim 1:1 im Rückspiel ebenfalls einen Punkt – ein Fingerzeig für die kommende Europameisterschaft?

Ein Highlight ist der türkischen Nationalmannschaft auf jeden Fall sicher, denn sie bestreitet am Freitag, 11. Juni, das Eröffnungsspiel gegen Italien (21 Uhr). Dann wird auch Burak Tok in gemütlicher Runde vor dem Fernseher sitzen. Sehr gute Erinnerungen hat der Keeper an die Europameisterschaften 2002 und besonders 2008. „Da haben wir mit der ganzen Familie mitgefiebert. Damals ist die Türkei bis ins Halbfinale gekommen, das war das beste Ergebnis bisher.“

Ähnliches wünscht sich Burak Tok auch für diese EM, allerdings hofft er, dass Deutschland und die Türkei nicht gegeneinander spielen müssen. „Dann weiß ich nicht, zu wem ich halten soll. Mein Umfeld aus der deutsch-türkischen Community ist zweigeteilt, wir sind für beide“, gibt der Deutsch-Türke einen Einblick in seine Fußballer-Seele und ergänzt: „Ich glaube, das wird dann ein entspannter Fußballabend auf der Couch.“

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