Volleyball und Fußball: Der Halb-Schweizer Maximilian Bieri ist Feuer und Flamme für beide Sportarten.
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Volleyball und Fußball: Der Halb-Schweizer Maximilian Bieri ist Feuer und Flamme für beide Sportarten.

EM-Serie

Reise durch Europa: Der schweizer Volleyballer

  • Julia Meiss
    VonJulia Meiss
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Maximilian Bieri ist Vollblut-Volleyballer, Hobby-Fußballer und Lokalpolitiker. Der Hanauer mit schweizer Wurzeln hat aber auch ein Faible für Aktivitäten in den Bergen. Wenn in gut einer Woche die Europameisterschaft angepfiffen wird, drückt der Halb-Schweizer den Eidgenossen die Daumen.

Hanau – Maximilian Bieri ist zwar ein erfolgreicher Volleyballer, er spielt mit der TG Hanau in der Regionalliga, aber eigentlich ist er ein gelernter Fußballer. Bis er zwölf Jahre alt war, hat der Halb-Schweizer beim SV Germania Steinheim gekickt. „Dann, nach einem Schulwechsel, hat sich die Mannschaft aufgelöst und ich habe aufgehört“, erzählt der 30-Jährige. Kicken macht ihm nach wie vor Spaß, aber eher in einer Hobbymannschaft mit Freunden und wenn es auf dem Platz auch mal „eher unkoordiniert“ zugehen darf, wie er lachend sagt. Im Verein war er Rechtsverteidiger, in der Hobbymannschaft fühlt sich der Eidgenosse auf der rechten Außenbahn am wohlsten.

Als Jugendlicher ist es für den Hanauer, dessen Papa Schweizer ist und im Alter von 30 Jahren die Heimat verlassen hat, nicht infrage gekommen, keinen Sport zu machen. Etwa zwei Jahre nach dem Ende der Fußball-Karriere hat der Mathematiker schließlich eine neue Leidenschaft gefunden – Volleyball bei der TG Hanau. Dazu aufgefordert, die beiden Mannschafts- und Ballsportarten miteinander zu vergleichen, kommt der Steinheimer ins Schwärmen und Reden: „Volleyball ist ein sehr dynamischer Sport und fordert einen anderen Bewegungsablauf als Fußball. Wegen der koordinativen Anforderungen erfolgt der Einstieg in Volleyball meistens erst mit 13 oder 14 Jahren. Außerdem benötigen Volleyballer mehr Schnellkraft und es passiert mehr. Ein Spielzug dauert nämlich etwa 30 Sekunden.“

Sehnsucht nach Rückkehr ans Volleyball-Netz ist groß

Ganz klar, der Zuspieler der TG Hanau bricht eine Lanze für seine Sportart, die weit im Schatten des Fußballs steht. Während nämlich Regionalliga-Fußballer auch während des Corona-Lockdowns als Profis eingestuft wurden und trainieren sowie spielen durften, mussten die Regionalliga-Volleyballer pausieren. Sie sind keine Profis, sondern Amateure. Entsprechend groß ist die Sehnsucht nach der Rückkehr auf das Feld, denn seit Oktober 2020 findet für Maximilian Bieri und sein Team gar nichts mehr statt. „Mir fehlt das Zusammensein im Training und danach das Zusammensitzen. Einfach die Kombination von gesellig und sportlich.“

Daher kann es der Hanauer kaum erwarten, wenn auch die Amateure wieder ihren Sport mit der gesamten Mannschaft ausüben dürfen. Und den TGH-Volleyballern kommt dabei zugute, dass sie über einen Platz an der frischen Luft verfügen. Daher soll die Beachanlage bald aus dem Winterschlaf geweckt und bereit für die Rückkehr in den Trainingsbetrieb gemacht werden.

Nach der abgebrochenen Saison 2020/21 – die für die TG Hanau bis dahin die erfolgreichste war – hofft Maximilian Bieri, dass in der Spielzeit 2021/22 „einfach irgendwas geht“. „Vielleicht wird in einem Turniermodus gespielt oder der Spielplan wird sonst irgendwie entzerrt. Der Fokus liegt aber erst mal darauf, überhaupt wieder gemeinsam trainieren zu können“, blickt der Halb-Schweizer aufgrund der Unwägbarkeit der Corona-Pandemie realistisch auf die neue Saison, die im Volleyball traditionell im September beginnt.

Schweizer Nationalspieler bei Eintracht Frankfurt

Bis Maximilian Bieri wieder am Netz stehen kann, vertreibt sich der Softwareentwickler im Bereich Frequenz die Zeit gerne damit, die Eidgenossen bei der EM anzufeuern. Dabei freut es ihn besonders, dass es zwischen dem schweizer Nationalkader und seinem Lieblingsklub Eintracht Frankfurt Überschneidungen gibt: „Im Moment sind das Steven Zuber und Djibril Sow, die schweizer Nationalspieler sind und für Eintracht Frankfurt spielen.“

Der „Nati“, wie die schweizer Elf genannt wird, attestiert der Fußball-Fan eine gute Qualifikation. Dänemark, Irland, Georgien und Gibraltar wurden auf die Plätze verwiesen. „Aber: Wir sind keine Turniermannschaft. Wenn wir ins Viertelfinale kommen, wäre das sensationell“, dämpft Maximilian Bieri sogleich die Erwartungen.

Das wird ihn aber nicht davon abhalten, während der EM mit einer großen Flagge seine Sympathien zu einem Teil seiner Herkunft gut sichtbar beispielsweise am Haus kundzutun. „Bei der WM 2006 in Deutschland gab es hier zum ersten Mal ein richtiges Fahnenmeer. Also habe ich mir eine schweizer Flagge gekauft und rausgehängt. Ich glaube, es war die einzige schweizer Flagge in Steinheim.“ Besonders ist dem SPD-Fraktionsvorsitzenden das dramatische Achtelfinale 2006 gegen die Ukraine in Erinnerung geblieben – immerhin hat die Schweiz dabei Geschichte geschrieben. Mit 0:3 musste sich die „Nati“ der Ukraine nach Elfmeterschießen geschlagen geben und hat dabei zwei Rekorde aufgestellt. Die Schweiz ist seitdem die Mannschaft in der WM-Geschichte, die ausgeschieden ist, ohne einen einzigen Gegentreffer in der regulären Spielzeit kassiert zu haben.

Schweizer Torjubel mit Frankfurter Note: Remo Freuler (Mitte) feiert einen Treffer mit Eintracht-Mittelfeldspieler Steven Zuber.

In der Gruppenphase gab es gegen den späteren Weltmeister Frankreich ein 0:0 und jeweils einen 2:0-Sieg über Südkorea und Togo. „Außerdem ist die Schweiz die einzige Mannschaft, die in einem Elfmeterschießen kein einziges Tor erzielt hat“, sagt Maximilian Bieri durchaus mit einem Hauch Stolz und erinnert sich an die bangen Minuten des nervenaufreibenden Achtelfinals zurück. Heute kann der Steinheimer darüber lachen, damals vor dem Fernseher lagen die Nerven des 30-Jährigen aber komplett blank.

Besonders angetan hat dem Mathematiker auch die beeindruckende Bergwelt der Heimat seines Vaters, der aus Zollikofen bei Bern stammt. Als Kind hat Maximilian Bieri das Wandern keinen Spaß gemacht. Aber während eines Auslandssemesters in Marseille hat er seine große Freude daran entdeckt und geht nun regelmäßig in Deutschland, Österreich und der Schweiz wandern. „Es ist das schönste Gefühl, bei Sonnenaufgang über einen Gletscher zu wandern.“

Maximilian Bieri liegen also nicht nur die Berge im Blut, sondern auch die Leidenschaft für Volleyball und Fußball. Einen Kommentar zum Abschneiden seiner Eintracht kann sich der Lokalpolitiker zum Schluss nicht verkneifen: „Das Abrutschen von einem Champions League-Platz hätte nicht passieren müssen.“ (Von Julia Meiss)

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