Till-Joscha Jönke soll die White Wings anführen. Archivfoto: TAP

Hanau

ProB: White Wings setzen auf kleinen Kader

Basketball. Nach ihrem Abstieg in die ProB haben die Ebbecke White Wings die Enttäuschung verdaut und den Blick nach vorne gerichtet.

Von Dominik Sharaf

Wie es sechs Wochen vor dem Saisonstart heißt, hätten die Verantwortlichen die Lehren aus der Seuchenspielzeit 2018/2019 gezogen und an vielen Stellschrauben gedreht, um zu alter Stärke zurückzufinden. Dazu zählt nicht die Philosophie von Cheftrainer Simon Cote, auf einen kleinen Kader zu setzen.

Der neue White-Wings-Geschäftsführer Sebastian Lübeck meint, dass das aktuell sechs Spieler umfassende Aufgebot nur noch um zwei oder drei Neuzugänge ergänzt würde. „Natürlich ist es auch eine Budgetfrage, aber wir bleiben bewusst klein und kompakt. Im Training integrieren wir mehr Perspektivspieler und führen sie an das ProB-Team heran.“ Dass fehlende Tiefe im Kader in Kombination mit Verletzungsproblemen einer der Gründe für den Abstieg aus der ProA war, ist Lübeck klar.

Jönke als zentrale Figur

Simon Cote bevorzugt aber eine übersichtliche Rotation, um Spielzüge perfekt einzustudieren, taktisch variabel zu bleiben und weniger unzufriedene Spieler in den Reihen zu haben. Eine riskante Variante. Umso wichtiger ist es, dass die Leistungsträger fit bleiben – besonders Kapitän Till-Joscha Jönke, der in der neuen Saison die zentrale Figur im Spiel der White Wings sein wird.

Sein Verbleib – trotz Offerten aus höheren Ligen und einer winkenden Ablöse – überraschte einige Beobachter, nicht aber Lübeck: „Er konnte unser Projekt so nicht verlassen. Den jüngsten 'Betriebsunfall' geradezubiegen, war für ihn schon Motivation genug, weiterhin in Hanau zu spielen.“

Favoritenrolle im Aufstiegskampf

Jönke hat sich intern zu den White Wings bekannt. Umgekehrt wird es auch keinen Last-Minute-Transfer geben, um die Kasse aufzufüllen. Schon deshalb, weil der Ex-BBL-Profi nach den Abgängen der US-Profis und deutscher Führungsspieler wie Alexander Angerer oder Kalidou Diouf einer der wenigen Routiniers im Aufgebot ist. Außer ihm sind nur Josef Eichler und – mit Abstrichen – Benedikt Nicolay erfahren.

Ein Spieler von Jönkes Format bedeutet für die White Wings auch, in eine Favoritenrolle im Kampf um den Aufstieg zu rutschen. Schließlich ist er vielleicht der beste Basketballer in der gesamten Südgruppe der ProB. „So viel ändert sich deshalb bei uns allerdings nicht“, findet Lübeck mit Blick auf die vergangenen Jahre, in denen der Nicht-Abstieg immer das erste Ziel war.

Kein Maulkorb

„Till kann und will die Mannschaft anführen, aber die anderen Jungs haben schon in der ProB gespielt. Sie wissen, wie sie mit der Situation umzugehen haben“, so Lübeck. Sollte sich Jönke erneut verletzen, müssten die Youngster das auf dem Court beweisen, möglicherweise in einer Drucksituation.

Eine der Lehren aus der vergangenen Saison ist auch, dass Simon Cote für Journalisten telefonisch nicht mehr erreichbar ist. Obwohl der US-Amerikaner in der Vergangenheit stets auskunftsfreudig war und Medienanfragen gut gelaunt beantwortete, vereinbarte er mit seinen Chefs im Sommer neue Regeln. „Simon möchte sich mehr auf seinen Job konzentrieren“, erklärt Sebastian Lübeck. „Simon wollte früher allem und jedem gerecht werden.

Deshalb war es an der Zeit, ihm etwas abzunehmen. Wir verpassen ihm auf keinen Fall einen Maulkorb.“ Nach vorheriger Terminvereinbarung mit der Geschäftsführung stünde Cote für Fragen zum sportlichen Geschehen weiter zur Verfügung, heißt es.

Das könnte Sie auch interessieren