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Temporeich: Wie anstrengend und abwechslungsreich Prellball ist, beweisen Mike Geschinski und Fabrizio Klein (BSV Langenselbold). Die beiden Youngster sind in ihrer Altersklasse Hessenmeister geworden.

Prellball: Die Hessenmeister Mike Geschinski und Fabrizio Klein möchten ihren Sport populärer machen

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Es war ein großer Erfolg für die Jugendlichen Mike Geschinski und Fabrizio Klein in einer kaum beachteten Sportart: Prellball. Das Gespann gewann, noch vor den Corona-Absagen, in der Jugendliga, also der Altersklasse der 15- bis 18-Jährigen, für den BSV Langenselbold den Hessenmeistertitel und blieb dabei ungeschlagen.

Schon seit 2009 spielt der 18 Jahre alte Mike Geschinski Prellball. Auch er weiß, dass seine Sportart kaum Aufmerksamkeit bekommt. Dennoch liebt er seinen Sport: „Prellball ist nicht wie jeder Sport. Früher kannte ich den Sport selbst nicht so gut. Ich wurde damals von einem Freund mit ins Training genommen. Sofort hat mir das Tempo des Spiels gefallen.“ 

Beide können nur müde lächeln, wenn sie mit dem Vorurteil konfrontiert werden, dass Prellball doch ein „Rentnersport“ sei. Wer ihnen bei einem Spiel zuschaut, dem wird klar: „Rentnersport“ ist das sicher nicht. „Jeder, der Prellball spielt, weiß, wie anstrengend der Sport ist. Nach zehn Minuten auf dem Feld freut man sich dann auf jeden Fall über eine Pause. Körperliche Fitness und Reflexe sind das Wichtigste“, erzählt der 15-Jährige. 

Möchten Randsportart populärer machen

Die beiden finden es schade, dass der Sport so wenig Aufmerksamkeit erhält: „Es wird einfach wenig über Prellball berichtet, kaum Werbung gemacht. Es ist leider eine Randsportart.“ Fabrizio Klein besucht die zehnte Klasse der Kopernikusschule in Freigericht. Auch unter seinen Klassenkameraden kannte kaum jemand den Sport, den er so erfolgreich betreibt. 

Das änderte sich, als er in der Schule eine Sportstunde gestalten durfte. Schnell war ihm klar, dass er seinen Mitschülern Prellball vorstellen will. „Das war echt lustig. Hinterher haben sie mir auch gesagt, dass es ihnen Spaß gemacht hat. Und jetzt kennen natürlich auch alle Prellball“, erklärt der Schüler stolz. 

Gute Fitness und schnelle Reflexe sind gefragt

Wie beim Volleyball stehen sich zwei Mannschaften in einem Feld, das durch ein Netz getrennt ist, gegenüber. Mit dem Unterschied: Das Netz beim Prellball ist lediglich 40 Zentimeter hoch. Ziel ist es, den Ball mit der Faust oder dem Unterarm so auf den Boden des eigenen Felds zu prellen, dass er über das Netz in das Feld des Gegners springt und dieser den Ball nicht verarbeiten kann. Schafft das gegnerische Team es nicht, den Ball zu kontrollieren, und macht einen Fehler, erhält das andere Team einen Punkt.

Cool präsentieren Fabrizio Klein und Mike Geschinski (rechts) ihre Urkunde und Medaillen.

Schnelle Ballwechsel prägen also das Spiel. „Die Höchstgeschwindigkeit, mit der ich den Ball auf die andere Seite gespielt habe, liegt bei 85 Stundenkilometern“, sagt Fabrizio Klein und macht deutlich, wie temporeich das Spiel ist. Die Hessenmeisterschaft wurde an zwei Spieltagen ausgetragen. Das klingt zunächst wenig. Doch ein Spieltag hat es in sich. Früh morgens geht es los. Über den Tag verteilt spielt das Duo bis zu zehn Runden à zehn Minuten. Umso beeindruckender ist das Resultat der beiden: ungeschlagener Hessenmeister.

Nächstes Jahr treten die beiden dann zusammen in der Verbandsliga an, da Mike Geschinski alterstechnisch nicht mehr in der Jugendliga spielen darf. „Nächstes Jahr wird es dann definitiv schwerer. Die Gegner in der Verbandsliga sind größtenteils älter, schneller und besser“, weiß er. Trotzdem sind sich die beiden sicher, einen Vorteil zu haben: „Wir sind ein gutes Team.

Ziel: Mit Teams aus ganz Deutschland messen

Auch außerhalb der Halle sind wir gute Freunde. Kommunikation ist in unserem Sport sehr wichtig und die stimmt bei uns einfach.“ Auch für die Zukunft haben die beiden Ziele, und zwar nicht nur sportliche. „Ich mache zurzeit meine Ausbildung zum Maler und Lackierer und bin dort im zweiten Lehrjahr. Die Ausbildung will ich gut beenden“, zeigt sich der 18-Jährige entschlossen. Sein Teamkollege Fabrizio Klein weiß auch schon, wo es sportlich noch etwas zu holen gibt: „Alle vier Jahre findet in Deutschland das Turnfest statt. Das Turnier dort zu gewinnen, wäre für mich definitiv noch ein großes Ziel. 

Immerhin treten dort Mannschaften aus ganz Deutschland an. Das ist schon etwas Besonderes.“ Für die Zukunft wünschen sich die beiden Sportler mehr Aufmerksamkeit für ihren Sport: „Ich hoffe einfach, dass sich mehr Menschen finden, die sich für Prellball begeistern können. Da stecken so viel Adrenalin und Abwechslung drin. Man sollte es einfach mal ausprobieren.“

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