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Pauline Heil von der TS Großauheim trainiert für den perfekten Sprung

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Von: Theresa Ricke

Mit Hang zum Perfektionismus trainiert Pauline Heil von der TS Großauheim den Spagatsprung auf dem Schwebebalken. „Ich bin manchmal zu perfektionistisch. Dann bin ich sauer auf mich selbst.“
Mit Hang zum Perfektionismus trainiert Pauline Heil von der TS Großauheim den Spagatsprung auf dem Schwebebalken. „Ich bin manchmal zu perfektionistisch. Dann bin ich sauer auf mich selbst.“ © Theresa Ricke

Die Turnerschaft Großauheim ist Ausrichter der Gaueinzelmeisterschaften der Gerätturnerinnen. In der August-Schärttner-Halle ermitteln am Samstag und Sonntag ab 10 Uhr rund 230 Turnerinnen die Sieger des Turngaus Offenbach-Hanau. 2019, beim letzten Wettkampf vor der Corona-Pandemie, waren es über 300. Mit viel Perfektion bereitet sich Pauline Heil vom Gastgeber-Verein auf den Wettkampf vor.

Hanau – Für den Aufgang auf den Balken zieht sich Pauline Heil ein Sprungbrett ans Gerät. Konzentriert turnt sie ihre Übung durch. Sie kommt ohne Abgang und größeren Wackler durch. Dafür gibt es Lob von ihrer Trainerin. Wenn Pauline Heil so eine Leistung auch am Wochenende bei den Gaueinzelmeisterschaften im Gerätturnen, die ihr Verein TS Großauheim in der August-Schärttner-Halle ausrichtet, abruft, könne sie zufrieden sein. Doch eine Anmerkung hat sie noch: Beim Spagatsprung seien die Beine noch nicht perfekt horizontal zum Boden. Das nimmt Pauline als Anlass, besonders diesen Sprung weiter zu trainieren.

Pauline Heil ist Jahrgang 2009. Mit dem Turnen hat sie mit acht Jahren angefangen - vergleichsweise spät. Deshalb - und wegen Corona - hat sie erst an drei Meisterschaften teilgenommen. „Um bei großen Ereignissen wie Olympia mitmachen zu können, hätte ich wahrscheinlich früher anfangen müssen.“ Aber auch, wenn es nicht die ganz große Bühne wird, hat sie Ziele. Wenn sie bei den Gaueinzelmeisterschaften unter die besten Zwei in ihrem Feld kommt, darf sie bei den hessischen Meisterschaften turnen. „Das ist mein Ziel, aber ich glaube, das werde ich nicht schaffen.“ Denn die Konkurrenz ist groß. Es sind Mädchen gemeldet, die ein Jahr älter sind als Pauline Heil. „Es treten viele sehr gute Turnerinnen an“, ist sie sich bewusst.

Um sich gegen das starke Teilnehmerfeld durchzusetzen, hilft nur Training. Vor Wettkämpfen trainiert sie dreimal pro Woche für je zweieinhalb Stunden. Dabei feilt sie an einzelnen Elementen - etwa dem Spagatsprung. Unterstützt wird sie nicht nur von ihren Trainerinnen, sondern auch von ihren Vereinskameradinnen. Insgesamt üben sieben Mädchen aus unterschiedlichen Kür-Klassen zusammen. Während Pauline Heil wieder und wieder versucht, ihre Beine noch weiter in die Höhe zu schleudern, wird sie von einer anderen Turnerin gefilmt. Gemeinsam schauen sich die beiden Mädchen das Ergebnis an.

Zufrieden ist Pauline Heil noch nicht. Sie sagt, dass Turnerinnen dazu neigen, perfektionistisch zu sein. Über sich sagt sie: „Ich bin manchmal zu perfektionistisch. Das ist dann ein Problem. Dann bin ich sauer auf mich selbst.“ Dafür freut sie sich aber auch, wenn alles klappt: „Wenn am Balken ein Teil klappt und ich falle nicht runter, bin ich auch stolz auf mich.“ Bis eine der Übungen an den vier Geräten Boden, Schwebebalken, Barren und Sprung perfekt ist, übe sie ein bis zwei Jahre.

Neben dem Turnen spielt Pauline Heil, die in die sechste Klasse des Einhard-Gymnasiums in Seligenstadt geht und in Hainburg wohnt, auch noch Handball. Aktuell habe sie noch nicht so lange Unterricht, dass sie es schafft, zusätzlich zum Turntraining auch noch einmal die Woche Handball zu trainieren. Das zweite Training ist freitags. Zur selben Zeit wie das Turnen. Und auch an den Wochenenden können sich Meisterschaften und Spiele schon mal überschneiden. Sich für eine Sportart entscheiden, will sich Pauline Heil derzeit nicht: „Hätte ich jetzt die Wahl, könnte ich mich nicht entscheiden. Beide Mannschaften liegen mir sehr am Herzen. Es wäre echt schade, wenn ich nicht mehr beides machen könnte.“

Seit sie zwei Jahre alt ist, ist Pauline Heil im Handballverein. Aktuell spielt sie in der C-Jugend der HSG Preagberg. Ihre Mutter habe früher Handball gespielt und sie zu den Spielen oft mitgenommen. Am Handball mag sie besonders, Teil einer Mannschaft zu sein. Das schätzt sie aber genauso beim Turnen. Ihr Opa habe sie auf das Turnen gebracht. Auch wenn es ein Einzelsport ist, sei die Unterstützung untereinander groß: „Auch am Wochenende bei den Meisterschaften werden wir uns wieder gegenseitig anfeuern.“

Wenn sie an den Wettkampf denkt, ist Pauline Heil sehr aufgeregt. Sie hat sich gut vorbereitet, kennt die Geräte in der Heimhalle und will gut abschneiden. Sie ist aber auch zufrieden, wenn es nicht bis nach ganz vorne reicht. Sie freut sich auf den Wettkampf und besonders auf den Moment, wenn sie ihre Übungen geschafft hat: „Dann kann ich stolz auf mich sein.“

Von Theresa Ricke

Viele Vereine aus der Region am Start

Rund 170 Turnerinnen starten in den Pflichtstufen (P-Stufen), gut 60 im Bereich Kür modifiziert (LK-Stufen). Die Turnerinnen kommen aus 23 verschiedenen Vereinen. Von der TS Großauheim gehen 16 Turnerinnen an den Start, der MTV Urberach hat die meisten Turnerinnen gemeldet (25). Auch dabei sind diese Vereine: SG Bruchköbel, TG Hanau, TV Langenselbold, TV Roßdorf und TV Windecken. tj

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