E-Sports F1 Formel 1 2019,
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Echtes Fahrgefühl: Patrick Scheiber hat sich für seine virtuellen Formel-1-Rennen einen Rennsitz und ein Lenkrad für rund 2000 Euro angeschafft. Die Rennen können auch während der Corona-Krise ausgetragen werden.

Fast wie selbst auf der Strecke: HA-Fotograf Patrick Scheiber fährt Formel-1-Rennen online

  • vonNils Moock
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Patrick Scheiber fährt virtuelle Formel-1-Rennen. Der 36-Jährige hat in seinem Büro einen voll ausgestatteten Rennsitz mit Lenkrad und allem drum und dran, auf dem er alle zwei Wochen Rennen fährt.

Auch die Formel 1 bleibt in der Corona-Krise nicht von der Absagen-Flut im Sport verschont. Bis einschließlich des Rennens am 7. Juni in Aserbaidschan sind alle Grand-Prix bereits abgesagt. Und dennoch sind am vergangenen Sonntag einige der Fahrer in Bahrain an den Start gegangen. Nur nicht auf der Strecke, sondern online. Die Formel 1 kündigte an, die ausgefallenen Rennen virtuell durchführen zu wollen. Einfluss auf die offizielle WM-Wertung haben die Rennen jedoch nicht.

Virtuelle Formel-1-Rennen fährt auch Patrick Scheiber. Dem freiberuflichen Fotografen des HANAUER ANZEIGER ist Sport wichtig. Früher hat der 36-Jährige selbst aktiv Fußball gespielt. Heute ist er Trainer der Frauenmannschaft von Wiking Offenbach. Zudem spielt er Inlinehockey bei der TG Hanau. Seit drei Jahren geht Scheiber in der virtuellen Welt in den Wettbewerb. Jeden zweiten Donnerstag sitzt er in seinem Büro in einem Rennsitz mit Lenkrad in den Händen vor einem Bildschirm und fährt in einer Formel-1-Liga um das Podest mit.

Mit anderen Spielern eine eigene Liga gegründet

„Schon zu Schumacher-Zeiten habe ich Computer gespielt. Lange Zeit war ich dann nicht mehr aktiv. Erst vor einigen Jahren habe ich mir dann mal wieder die neueste Formel-1-Version für die Playstation geholt. Irgendwie hatte ich aber nicht so Bock drauf, nur gegen den Computer zu fahren. Also habe ich gemeinsam mit anderen Spielern, die ich beim Online-Spielen kennen gelernt habe, eine Liga gegründet“, erklärt der Offenbacher.

Herzstück der Liga ist der Streamer „Garekk´s Racing Academy“. „Garekk macht sich richtig Arbeit und investiert sehr viel Zeit. Das macht natürlich auch uns dann viel Spaß, weil alles sehr professionell wirkt“, ist Scheiber dankbar. An einem Rennabend sitzt jeder der Spieler bei sich zu Hause. Die Fahrer kommen aus Deutschland und Österreich. Persönlich sind sie sich noch nicht begegnet, doch man versteht sich. Immerhin telefonieren einige Fahrer auch während der Rennen miteinander und tauschen sich aus.

20 Fahrer sind in der Liga unterwegs

Meistens sind alle 20 Fahrer dabei. Und sollte einer ausfallen, springt einer der Ersatzfahrer ein. Zunächst gibt es ein 18-minütiges Qualifikationstraining, bevor die volle Renndistanz gefahren wird. Ein Abend dauert zwischen zwei und drei Stunden, abhängig davon, ob die Jungs gerade auf der Strecke in Bahrain, Australien oder vielleicht Brasilien unterwegs sind. Wie bei einem richtigen Rennen eben.

Aber es wird noch besser: Jedes Rennen wird von „Garekk“ kommentiert und kann auf Twitch, einem unter Gamern bekannten Live-Streaming-Videoportal, mitverfolgt werden. Nach dem Rennen schreibt er dann noch einen Bericht und veröffentlicht diesen auf seiner Homepage www.onlinef1.de.

Videoanalyse bei Unfällen: Bedingungen wie in der echten Formel 1

Auch die Rennbedingungen sollen möglichst real sein: „Die Autostärke ist aus Fairnessgründen bei allen Fahrern identisch. Allerdings ist für die Autoeinstellungen jeder selbst verantwortlich. Das gibt uns natürlich viel Spielraum. Auch die Reifenabnutzung ist total real.“ Wie auch bei Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Co. gibt es Strafen für Regelverstöße, wie das Schneiden von Kurven oder das Verursachen von Unfällen.

Verfügbares Videomaterial wird überprüft, um zu entscheiden, wer den Unfall zu verantworten hat. Denn auch hier können Unfälle entscheidend für den Ausgang eines Rennens sein: „In unseren virtuellen Rennen bedeutet Totalschaden gleich das sofortige Aus. Das Rennen kann also nach wenigen Sekunden für einen Fahrer beendet sein.“ 

Patrick Scheiber in der virtuellen Welt: Jeden zweiten Donnerstag fährt der 36-Jährige Formel-1-Rennen. In jedem Rennen duelliert er sich mit 19 anderen Fahrern.

Das alles klingt hoch professionell. Doch der 36-Jährige betont das alles auf freiwilliger Basis beruht: „Wir haben Spaß. Für mich ist das einfach ein Hobby.“ Mitfahren darf bei ihnen jeder: „Egal ob Profi oder Anfänger. Hauptsache der Fahrer hat eine Playstation, einen Controller und das aktuelle Formel-1-Spiel. Aber auch wir haben unsere Richtlinien, wie wir miteinander umgehen. Wer sich nicht daran hält, fliegt raus.“

Ausrüstung mit Rennsitz und Lenkrad kostet 2000 Euro

Scheiber selbst will die Bedingungen möglichst echt gestalten und den maximalen Fahrspaß herausholen. Das hat er sich auch einiges kosten lassen: 2000 Euro hat er für seinen Rennsitz und das Lenkrad gezahlt. Er ist sich sicher, dass die E-Sports-Szene im Kommen ist und es in einigen Jahren auch Wettbewerbe auf Kreisebene geben wird: „Ich werde dafür zwar von vielen belächelt. Doch ich bin mir da ziemlich sicher. Die jüngeren Generationen wachsen mit Computern auf und es entstehen in den Fußballvereinen immer mehr E-Sports Abteilungen.“

Schmunzelnd fragt er, was er als Fotograf dann eigentlich noch zu fotografieren habe. Trotzdem ist auch er bei der Frage, ob E-Sport denn tatsächlich auch Sport ist unentschlossen. „Natürlich ist es so, dass auch das Zocken hoch professionell betrieben werden kann. Es erfordert Konzentrationsfähigkeit und Reaktionsschnelligkeit. Aber ich glaube mit dem Sport draußen oder in der Halle kann man das nicht vergleichen. Der ist vor allem für die Gesundheit sehr wichtig“, meint Scheiber.

E-Sport ist perfekt für die Corona-Krise

Was ihn an den Rennen Woche für Woche reizt, ist das „Messen untereinander“, und zwar „mit menschlichen Gegnern und nicht irgendeinem Computer.“ Eines steht fest: In Zeiten von Corona kann ihnen niemand ihren E-Sport nehmen. Und so werden sich Scheiber und seine Kollegen auch diesen Donnerstagabend wieder zum Kräftemessen auf der Strecke in Mexiko messen, wenn auch virtuell.

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