Patrick Beers größter Erfolg: Ein Auswärtssieg beim großen Lokalrivalen SG Bruchköbel brachte 2016 die Vorentscheidung im Rennen um die Oberliga-Meisterschaft und den Aufstieg in die 3. Liga. Archivfoto: TAP

Hanau

Patrick Beer im Interview: "Der Abschied fällt sehr schwer"

Handball. Die HSG Hanau ohne Patrick Beer? Eigentlich unvorstellbar, denn der 39-Jährige hat als Trainer der ersten Männermannschaft der Hanauer in den vergangenen Jahren maßgeblich zum Handball-Boom in der Brüder-Grimm-Stadt beigetragen.

Im Sommer wird er seinen Trainerposten beim Drittligisten dennoch aufgeben und erst mal eine Handball-Pause einlegen.

Unser Mitarbeiter Robert Giese hat mit Patrick Beer über seine schönsten Erlebnisse in über fünf Jahren bei der HSG Hanau sowie seine Pläne für die freien Wochenenden gesprochen und erfahren, warum er sich nach seinem Abschied erst einmal nicht in den „Blauen Block“ stellen wird.

Herr Beer, nach über fünf sehr erfolgreichen Jahren in Hanau wirkten Sie und die HSG mittlerweile eigentlich unzertrennlich. Weshalb nehmen Sie im Sommer dennoch Ihren Abschied?„Diese Entscheidung ist mir wirklich unglaublich schwergefallen, aber auf Dauer ist es sehr schwierig, zwischen Familie, Beruf und Handball vernünftige Kompromisse zu finden, das kostet sehr viel Kraft. Manchmal kommt man sich vor wie eine Batterie, an der alle ziehen und die kaum die Gelegenheit hat, sich selbst wieder aufzuladen. Im Moment ist zwar noch alles in Ordnung, aber ich wollte jetzt im Sommer nicht noch einmal eine Saisonvorbereitung durchmachen, sondern mir stattdessen erst einmal eine komplette Auszeit vom Handball nehmen.“

In Ihrer Zeit in Hanau haben Sie mit der HSG viel erlebt, unter anderem den Aufstieg in die 3. Liga Ost oder die Qualifikation für den DHB-Pokal. Gibt es Momente, an die Sie sich besonders gerne erinnern?„Da gibt es wirklich viele Ereignisse, die mir sehr gut im Gedächtnis geblieben sind. Einerseits selbstverständlich das entscheidende Spiel um den Drittliga-Aufstieg gegen den TV Hüttenberg II, als wir am letzten Spieltag der Saison in der Doorner Halle den Aufstieg perfekt gemacht haben. Auch die Oberliga-Derbys in der gleichen Saison gegen Bruchköbel vor jeweils über 1000 Zuschauern waren absolute Höhepunkte, ebenso wie unser Heimspiel in unserer ersten Drittliga-Saison gegen den TV Großwallstadt, als wir zur Pause sensationell mit 10:3 geführt haben.“

Sie haben viel bewegt, Spieler lange begleitet . . .„Am schönsten war, dass ich mitverfolgen konnte, wie sich hier in Hanau eine große Euphorie und tolle Fankultur entwickelt haben: Zu Oberliga-Zeiten hatten wir vielleicht 200 Zuschauer, jetzt sind es im Schnitt über 500, und der 'Blaue Block' sorgt jedes Mal für eine Wahnsinnsstimmung. Über die Jahre hinweg habe ich außerdem mit vielen Hanauer Eigengewächsen zusammengearbeitet, die jetzt Leistungsträger sind, zum Beispiel Yaron Pillmann und Jan-Eric Ritter. Solche Spieler habe ich praktisch über ihre gesamte Zeit in der ersten Mannschaft begleitet, daher habe ich auch sehr lange mit mir gerungen, bis ich die Entscheidung zum Abschied getroffen habe. Letztlich ist aber alles endlich, und als ich die Entscheidung schließlich getroffen hatte, war ich sehr erleichtert. Für die Spieler ist es zudem vermutlich auch ganz gut, wenn ab der nächsten Saison sie von der Trainerbank neue Impulse bekommen.“

Zukünftig werden Sie viele freie Wochenenden haben, was sind Ihre Pläne?„Das wird eine ungewohnte Situation für mich, mit der ich nach insgesamt acht Jahren als Trainer – ich habe vor meiner Zeit in Hanau zweieinhalb Jahre die HSG Dietzenbach trainiert – erst einmal umgehen muss. Meine Frau hat mir schon gesagt, dass ich mir unbedingt ein Hobby zulegen muss (lacht). Pläne haben wir schon reichlich, unter anderem wollen wir nächstes Jahr über Weihnachten für drei Wochen nach Australien, wo mein Schwager lebt. Generell werden wir die Wochenenden häufiger für kleinere und größere Reisen nutzen, das ging bei den ganzen Terminen am Wochenende bisher ja kaum. Bis dahin werde ich aber selbstverständlich weiter alles für die HSG geben und will die Saison so gut wie möglich abschließen.“

Wie sieht es mit dem Handball aus, ist Ihr Abschied von der Trainerbank der HSG Hanau auch ein Abschied vom Handball oder bleiben Sie dem Sport verbunden?„Ganz zu Beginn will ich unbedingt Abstand halten und werde mich daher etwas rar machen, auch wenn ich gespannt bin, wie lange ich es letztendlich ohne Handball aushalte – vielleicht vermisse ich ihn auch gar nicht, wer weiß. Verfolgen werde ich insbesondere die Ergebnisse der HSG aber weiterhin und mich nach einer gewissen Zeit sicher auch wieder in der Main-Kinzig-Halle blicken lassen, vor allem, wenn ein interessantes Derby ansteht. Für die Zukunft kann ich mir auch gut vorstellen, wieder als Trainer oder in anderer Funktion zum Handball zurückzukehren, fürs Erste will ich aber definitiv eine Pause einlegen und werde zur neuen Saison sicherlich nicht irgendwo anders anheuern.“

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