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Papa Matthias trainiert in Großkrotzenburg seine Söhne

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Familienbande: Trainer Matthias Filbrich hat bei Germania Großkrotzenburg seine Söhne Mario (links) und Patrick (rechts) unter den Fittichen. Foto: Frank Schneider
Familienbande: Trainer Matthias Filbrich hat bei Germania Großkrotzenburg seine Söhne Mario (links) und Patrick (rechts) unter den Fittichen. Foto: Frank Schneider

Fußball. Wenn der Vater Trainer ist und seine drei Söhne von klein auf vom runden Leder fasziniert sind, dann sind die Gesprächsthemen beispielsweise am Essenstisch vorprogrammiert. Aktuell sind die Filbrichs bei Germania Großkrotzenburg vereint.

Von Frank Schneider

Vater Matthias hat im vergangenen Sommer im Oberwaldstadion Christian Schönig auf der Trainerbank abgelöst und seinen Sohn Mario gleich von Ex-Verein Eintracht-Sportfreunde Windecken mitgebracht. Jetzt in der Winterpause hat sich auch Bruder Patrick dem Tabellenzweiten der Gruppenliga Frankfurt Ost angeschlossen. Der mittlere der drei Filbrich-Buben hatte zuletzt an einem Kreuzbandriss laboriert. Fehlt eigentlich nur noch der älteste Sprössling der Familie. Allerdings hat der 24-jährige Timo Filbrich seine Fußballschuhe schon an den Nagel gehängt.

Fußballerische Schnittstellen waren im Hause Filbrich immer vorhanden. Matthias Filbrich wirkte jahrelang bei den Offenbacher Kickers als Jugendtrainer und Sportlicher Leiter des Nachwuchsbereichs und förderte das Talent seiner Jungs am Bieberer Berg. Als Filbrich schließlich mit vielen ehemaligen Jugendspielern in den Seniorenbereich zu den Eintracht-Sportfreunden Windecken wechselte, waren Patrick und Mario im Schlepptau. Mit dem Aufstieg in die Kreisoberliga Hanau wurde ein gemeinsamer Erfolg gefeiert, doch mittlerweile ist das ambitioniert ausgelegte Projekt des Vereins schon wieder Geschichte. Die Nidderauer backen sportlich wie finanziell wieder kleinere Brötchen und haben sich zur Konsolidierung für einen freiwilligen Rückzug in die B-Liga entschieden.

Überwiegend einheimische Akteure

Matthias Filbrich hat den Wechsel als Trainer zum FC Germania Großkrotzenburg nicht bereut. Dass dort im recht familiär geführten Verein innerhalb des Spielerkaders die Kameradschaft und weniger monetäre Anreize im Vordergrund stehen, gefällt ihm gut. „Spieler bleiben dem Verein treu, obwohl sie teilweise verlockende Angebote vorliegen haben. Das passiert natürlich nicht, wenn der Kader ein zusammengewürfelter Haufen ist“, lobt der Übungsleiter die über Jahre geschaffene Struktur.

Die Germania setzt überwiegend auf einheimische Akteure – und ist mit diesem Kurs in den vergangenen Jahren gut gefahren. Natürlich auch, weil höherklassig erfahrene Akteure wie Robin Prey oder André Althaus den Weg zu ihrem Heimatverein zurückgefunden haben.

Bei aller Lust am gemeinsamen Feiern sind die Kicker des Tabellenzweiten ehrgeizig genug, den Aufstieg in die Verbandsliga Süd anzustreben. Aufstiegsdruck herrscht indes in Großkrotzenburg nicht. Sollte der Topfavorit die Rückkehr in die Verbandsliga verpassen, so gibt es eben einen neuen Anlauf.

„Man hinterfragt sich schon und denkt“

Ob in der kommenden Saison dann die Filbrichs noch bei der Germania vereint sind, ist derzeit noch offen. Sohn Mario fühlt sich bei seinem neuen Verein pudelwohl, Bruder Patrick muss das neue Umfeld erst noch richtig kennenlernen. Ob Matthias Filbrich über das Saisonende hinaus Trainer bleibt, ist noch nicht entschieden. Sollte er nicht verlängern, dürfte aber eher eine Fußballpause als ein Wechsel zu einem anderen anstehen. Vater und Söhne machen ihre Entscheidungen auch nicht voneinander abhängig, auch wenn sie die gemeinsame Zusammenarbeit gewohnt sind und zu schätzen wissen.

Meistens zumindest. „Jeder denkt, dass es ein Vorteil ist, wenn der Vater der Trainer ist, doch ich sehe das nicht so“, meint Mario. Hin und wieder hat er in der Vergangenheit das Gefühl gehabt, dass er vom eigenen Vater besonders kritisch beäugt worden ist. Dieser widerspricht nicht. „Vielleicht habe ich wirklich von meinen Söhnen immer etwas mehr verlangt“, sagt er.

Familienintern war das gemeinsame Hobby auch schon Zerreißproben ausgesetzt. Sowohl Mario als auch Patrick haben in ihrer Zeit als Juniorenspieler in Offenbach ihre Laufbahn zwischenzeitlich unterbrochen, als der Aufwand immer größer wurde. „Plötzlich hatte man auch andere Sachen im Kopf. Die Ausbildung, Freunde, die erste feste Freundin und so weiter“, erzählt der 22-jährige Patrick. Sein zwei Jahre jüngerer Bruder Mario ergänzt: „Man hinterfragt sich schon und denkt, dass es zum Profi wahrscheinlich eh nicht reichen wird.“

Höhere Ambitionen

Die Zeit bei den Kickers bereuen die Brüder jedoch nicht. Mario Filbrich steht voll hinter seiner Entscheidung, weiter Fußball zu spielen, aber eben nicht mit den Anforderungen des Leistungsbereichs. „Ich finde, ich habe den Bogen rechtzeitig bekommen“, sagt der Student. In Großkrotzenburg macht ihm Fußballspielen richtig Spaß und das Kicken behindert dort keine beruflichen und privaten Pläne.

Als reinen Hobbyspieler ohne Ehrgeiz betrachtet er sich aber nicht. „Ich verspüre schon ein wenig Lust, dass es wieder ein bisschen höher geht.“ Der Aufstieg in die Verbandsliga wäre für ihn daher reizvoll. Sein Trainer sieht die Aufstiegschancen als intakt an. „Wenn wir gut aus der Vorbereitung kommen, haben wir gute Chancen, Meister zu werden“, meint Matthias Filbrich.

„Ich habe meine Jungs da schon ein bisschen erzogen“

In Sachen Profifußball sprechen Vater und Söhne unterdessen fast immer die gleiche Sprache. Das Herz der vier Filbrich-Männer schlägt durchweg für Rekordmeister Bayern München. „Ich habe meine Jungs da schon ein bisschen erzogen, weil ich zu Hause einfach keinen Ärger haben wollte“, meint der 51-Jährige lachend.

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