Hat immer einen guten Rat für „seinen“ FC Hanau 93: Oberbürgermeister Claus Kaminsky im März 2018 beim Festakt zum 125-jährigen Jubiläum des Vereins.  
Archivfoto: Roland Adrian
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Hat immer einen guten Rat für „seinen“ FC Hanau 93: Oberbürgermeister Claus Kaminsky im März 2018 beim Festakt zum 125-jährigen Jubiläum des Vereins.

Negativ-Schlagzeilen

Oberbürgermeister Kaminsky über Hanau 93: „Da blutet das Herz“

  • Thorsten Jung
    vonThorsten Jung
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Claus Kaminsky spielte als Bub beim FC Hanau 93, bezeichnet sich selbst seit seiner frühen Jugend als Anhänger. In den 70er- und 80er-Jahren verpasste er kaum ein Spiel, ob daheim oder auswärts. Oft machte er sich mit seiner Clique aus der Tischtennisabteilung des TV Kesselstadt auf den Weg zu Auswärtsspielen.

Den aktuellen sportlichen Aufschwung des Tabellenvierten der Fußball-Hessenliga kann Hanaus Oberbürgermeister allerdings nicht vollends genießen. Kaminsky bedrücken die negativen Schlagzeilen, die Hessens ältester Fußballverein schreibt. Im Interview schildert er nach dem vorläufigen Insolvenzantrag, der schnell zurückgenommen wurde, seine Eindrücke. Der OB spricht über die finanzielle Situation und die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen seines Herzensklubs.

Herr Kaminsky, blutet Ihnen das Herz, wenn Sie solche Nachrichten wie dieser Tage von Hanau 93 hören?

Da blutet einem das Herz, das trifft es sehr gut. Bei manchen Dingen in den vergangenen Jahren hat das auch zu Blutdrucksteigerung geführt, wenn ich mich mit Hanau 93 auseinandergesetzt habe.

Seit über dreieinhalb Jahren hat bei Hanau 93 keine Mitgliederversammlung stattgefunden. Ist das für Sie besorgniserregend?

So etwas geht gar nicht! Ich kenne die Satzungslage nicht genau, kann mir aber keine Vereinssatzung vorstellen, die solche Zeiträume akzeptiert. Das ist ein sehr bedenklicher Umstand.

Kennen Sie die Hintergründe, warum die Versammlung immer weiter aufgeschoben wurde?

Im Zusammenhang mit Hanau 93 ist es für mich schwer, von Wissen zu sprechen. Ich habe in den vergangenen Jahren immer mal wieder Diskussionen mit den Verantwortlichen geführt. Ich will ihnen abnehmen, dass sie versuchen, alles in Ordnung zu bringen. Dass einiges finanziell im Argen liegt, ist jetzt ja offensichtlich geworden. Dass Entlastungen und alles, was damit verbunden ist, ausstehen, ist für mich ein besonders bemerkenswertes Warnsignal. Ebenso, dass die Gemeinnützigkeit über einen langen Zeitraum nicht gegeben war. Darüber habe ich viele Gespräche mit den Verantwortlichen geführt. Ohne Gemeinnützigkeit war die Tür zu, sich vonseiten der Stadt stärker zu engagieren.

Noch immer sind den Mitgliedern die Bilanzen sogar aus den Jahren 2013 und 2014 nicht vorgelegt worden. Das Finanzamt beschäftigt sich mit Hanau 93. Was könnte den 93ern noch blühen?

Da will ich nicht spekulieren. Klar ist, das gilt für Hanau 93 wie für jeden anderen Verein: Du musst deine Finanzen in Ordnung haben und halten. Das ist die Voraussetzung, auch für jede sportliche Zielsetzung. Ich habe aber keinen Einblick, ob die Dinge in Ordnung gebracht wurden. Die Beitragsrückstände bei der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See, obschon jetzt von Hanau 93 beglichen, sind aber alles Umstände, die dürfen nicht vorkommen.

Aus dem Vereinsumfeld ist zu hören, die Stadt würde den Klub nicht ausreichend unterstützen. Wie sehen Sie das?

Hanau 93 wird genauso unterstützt wie jeder andere Verein in der Stadt. Diesen Vorwurf Richtung Rathaus finde ich im Kern unfair. In den vergangenen Jahren wurden zwischendurch Zusagen seitens des Vereins nicht eingehalten, auch dass er die Gemeinnützigkeit wieder bekomme. Diese Gebaren lassen die Bereitschaft vonseiten der Stadt und auch von mir persönlich zurückhaltender werden, sich da zu engagieren.

Das Gelände an der Kastanienallee ist alles andere als Hessenliga-tauglich. Ziehen sie sich diesen Schuh an?

Dort gibt es einiges zu tun, keine Frage. In Sachen Sportplatzumbau war lange Zeit geplant, dass Hanau 93 investiert und wir das mit einer Bürgschaft begleiten. Jetzt läuft alles anders. Die Stadt hat es auf den Weg gebracht, dass eine Flutlichtanlage geschaffen wird. Die Baugenehmigung ist beantragt und auf einem guten Weg, das Angebotsverfahren läuft. Wir investieren in die Flutlichtanlage übrigens schätzungsweise 80 000 Euro.

Schon vor Jahren hat die Stadt dem Verein eine Bürgschaft in Höhe von 750 000 Euro für den Sportplatzumbau in Aussicht gestellt. Stimmt es, dass eine Bedingung war, dass der Verein dafür seine Mitgliedsbeiträge verdoppelt?

Daran kann ich mich erinnern. Aber der Begriff Bedingung ist mir zu scharf. Als die 93er diese Investitionen selber schultern wollten, bin ich 2016 unterstützend zu einer Mitgliederversammlung gegangen. Damals haben wir auch geholfen, was Gesprächstermine betrifft, um Landesförderungen zu bekommen. Klar war: Wenn sie das anpacken, entsteht ein Gegenwert, ergo kann die Stadt mit der Bürgschaft unterstützen. Ziel aller Bürgschaften ist ja, dass die Vereine maximal günstige Darlehen bekommen. So war es bei der TG Hanau, dem SVG Steinheim oder dem 1. Hanauer THC auch. Bei den 93ern gab es damals schon Lücken in der Transparenz, was die Finanzen angeht. Es gab den Vorschlag, das mit einer Erhöhung der Beiträge zu unterstützen. Diese Erhöhung war aber nur ein kleiner Weg. Wohin das Geld der erhöhten Beiträge geflossen ist, weiß ich aber auch nicht.

Würden Sie sich unter den heutigen Umständen noch einmal für die Zusage zu einer solchen Bürgschaft durchringen können?

Es gab noch mal eine Anfrage, als die Dinge beim Finanzamt beglichen werden sollten. Dafür schließe ich eine städtische Bürgschaft kategorisch aus. Eine städtische Bürgschaft kann nicht dazu dienen, offene Rechnungen wie beispielsweise beim Finanzamt auszugleichen. Bürgschaften haben immer etwas mit Vermögensbildung auf der anderen Seite zu tun. Jetzt ist das Thema mit den Investitionen ja nicht mehr aktuell. Wir machen die Flutlichtanlage jetzt von der Stadt aus.

Bei all den Turbulenzen spricht man bei Hanau 93 dennoch von der Regionalliga. Rudi Völler sagt auch immer, dass das bei einer Stadt von 100 000 Einwohnern machbar sein müsse. Sehen Sie das auch so wie Hanaus Ehrenbürger?

Selbstverständlich. Ich habe die 93er, wenn auch nur ein Jahr, in der 2. Liga spielen sehen. Ich habe den Weg dahin auch ganz persönlich begleitet und mitbekommen, was das für eine Euphorie in der Stadt auslöste. Das Ziel ist daher trotz der Turbulenzen richtig. Aber: Erst einmal die Finanzen stocksolide klären und von dann auf den Weg machen. Die sportliche Situation folgt der wirtschaftlichen Konsolidierung.

Ihr Rat an die Macher der 93er?

Wenn der vorläufige Insolvenzantrag diese Woche nicht zurückgenommen worden wäre, hätte ich eine geordnete Insolvenz wie einst bei Kickers Offenbach vorgeschlagen. Ich kann mir nur wünschen, dass die Verantwortlichen die Dinge wieder in Ordnung bringen und auf solide Füße stellen. Die Schlagzeilen der vergangenen Tage sind ein öffentliches Desaster für Hanau 93 und bei der Sponsorenwerbung maximal schädlich.

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