Traurig verlässt Niklas Sagorski die Sporthalle am Spitzenweg in Großauheim. Der 18-Jährige von der HSG Preagberg wurde um sein letztes A-Jugend-Jahr gebracht.
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Traurig verlässt Niklas Sagorski die Sporthalle am Spitzenweg in Großauheim. Der 18-Jährige von der HSG Preagberg wurde um sein letztes A-Jugend-Jahr gebracht.

Saisonabbruch Handball: Abruptes Ende der Jugendzeit

Niklas Sagorski und zahlreiche Jugendhandballer gehen ohne Abschied zu den Senioren

  • vonRobert Giese
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Inzwischen ist es offiziell: Wegen der Corona-Pandemie hat der Hessische Handball-Verband die Saison im Jugendhandball auf Hessenebene abgesagt. Diese Absage trifft nicht nur die jüngeren Spieler hart, sondern auch die A-Jugendlichen, die damit um ihre letzte Saison im Jugendbereich gebracht werden – so wie Niklas Sagorski von der HSG Preagberg, der mit seiner Mannschaft gerne die Titelverteidigung in der hessischen Oberliga angegangen wäre.

Hanau/Großkrotzenburg – Seit rund drei Monaten ruht bereits der Trainingsbetrieb bei nahezu allen Vereinen in der Region, so auch bei der HSG Preagberg. Nun haben Sagorski und seine Mitstreiter die Gewissheit, dass sie in dieser Spielzeit kein Pflichtspiel bestreiten werden – gerade für den Mannschaftskapitän eine bittere Nachricht. „Ich habe mich sehr auf mein letztes Jahr in der A-Jugend gefreut“, so der 18-Jährige, „wir hätten gerne versucht, unseren Titel zu verteidigen, daher war die Nachricht, dass die Saison abgesagt wird, wie ein Schlag ins Gesicht.“

Gute Erinnerung an erstes A-Jugend-Jahr

Der Kontrast zu Sagorskis erstem Jahr in der A-Jugend könnte nicht größer sein, denn in der Vorsaison spielte sich seine Mannschaft in einen Rausch – allen Widrigkeiten zum Trotz. Denn die Preagberger Mannschaft, die später die Oberliga-Meisterschaft holte, war eigentlich ein zusammengewürfelter Außenseiter, vier Spieler aus Maintal stießen erst kurz vor den Qualifikationsspielen zum Team. „Wir waren anfangs sehr skeptisch, ob das funktioniert“, erinnert sich Sagorski, „schließlich hatten wir davor nur ein gemeinsames Training.“

Allerdings harmonierten die Spieler super, setzten sich in den Qualifikationsspielen durch und durften somit in der Oberliga spielen. „Das kam mir vor wie ein Traum“, so der 18-Jährige, dessen Team als absoluter Außenseiter in die Saison startete. Doch die Preagberger überraschten alle, eilten von Sieg zu Sieg und sicherten sich schließlich sensationell die Meisterschaft. „Bei uns hat einfach die Chemie gestimmt, wir haben uns gegenseitig angefeuert, da wäre einer für den anderen durchs Feuer gegangen“, so der Kapitän zu den Gründen für die Erfolgsserie, „das war eine tolle Zeit!“

Zum sportlichen Erfolg trug auch der 18-Jährige, der als Spielmacher bei der HSG die Fäden zieht, erheblich bei – und erwies sich insbesondere bei den Strafwürfen als treffsicherer Vollstrecker, denn von 54 Versuchen fanden nicht weniger als 50 den Weg ins gegnerische Tor. „In der B-Jugend hatte ich noch eine eher schlechte Quote, aber dann“, erzählt Sagorski, „hat mir mein Trainer eine spezielle Technik gezeigt, die ich noch ein bisschen angepasst habe.“

Einsatz bei Männermannschaft noch möglich

In der A-Jugend wird der Rückraumspieler seine Stärke von der Siebenmeterlinie nun nicht mehr demonstrieren können, auf einen Pflichtspieleinsatz könnte er in dieser Spielzeit trotzdem noch kommen: Schon in der vergangenen Saison half Sagorski hin und wieder bei der Männermannschaft aus, und deren Saison ist offiziell noch nicht abgesagt. „Falls es da losgehen sollte, würde ich dort auch auf jeden Fall spielen“, versichert der 18-Jährige, „aber ehrlich gesagt rechne ich nicht damit, dass die Saison noch startet.“

Sagorski wird sich also wohl mindestens bis in den Herbst hinein gedulden müssen, bis er wieder bei einem Pflichtspiel auf dem Feld steht, und will noch mindestens eine Spielzeit bei der HSG Preagberg auflaufen. „Ich hatte auch schon Anfragen von höherklassigen Vereinen, und diese Angebote sind prickelnd“, verrät der 18-Jährige, „aber ich bin hier seit 15 Jahren und der Verein ist wie eine Familie, deshalb bleibe ich erst mal bei Preagberg und sehe dann weiter.“

Auch privat fährt der Rückraumspieler derzeit auf Sicht: Aktuell absolviert Sagorski ein Freiwilliges Soziales Jahr an einer Grundschule, was angesichts der Corona-Pandemie derzeit eine besondere Herausforderung darstellt. Für die Zeit danach ist der 18-Jährige auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz – doch auch das gestaltet sich in Zeiten von Corona schwierig. (Robert Giese)

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