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Niklas Krause bringt die Halle zum Beben: White Wings schaffen Klassenerhalt in letzter Sekunde

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Von: Jörn Polzin

Wasserdusche für den Matchwinner: Kapitän Philip Hecker (Mitte) begießt Niklas Krause, zur Freude von Victor Demetrio (links).
Wasserdusche für den Matchwinner: Kapitän Philip Hecker (Mitte) begießt Niklas Krause, zur Freude von Victor Demetrio (links). © scheiber

In den letzten fünf Sekunden dieses an Dramatik kaum zu toppenden „Endspiels“ spitzte sich alles auf ein ungleiches Duell zu: Niklas Krause, 19-jähriger Spielmacher der Hanau White Wings, gegen Johannes Lischka, 34 Jahre alter Ex-Nationalspieler der Gießen 46ers Rackelos. Krause also dribbelte, stoppte, fintierte und setzte nach weiterem Dribbling zum Wurf an.

Hanau – Aus einem fast unmöglichen Winkel über die ausgestreckten Arme des 2,03 Meter großen Lischkas hinweg. Warten. Bange Blicke. Totale Stille. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit senkte sich der Basketball, begleitet von der Schlusssirene, in den Korb. Sieg. Klassenerhalt.

Wer den Matchwinner der White Wings danach ausfindig machen wollte, musste unter dem Jubel-Knäuel genau hinsehen. Teamkollege „JD“ Tisdale riss Krause im Überschwang fast zu Boden, die Halle bebte.

„Gänsehautmomente“, die Sebastian Lübeck auch mit etwas Abstand unter die Haut gehen. „Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich mir die Sequenz aus allen möglichen Kameraperspektiven angeschaut habe“, betont der Geschäftsführer der White Wings. „Das ist der Grund, warum ich den Job mache.“

Und die „kleine Sensation“ ist auch der Grund, warum seine Mannschaft für eine weitere Saison in der Pro B planen kann und nun in der ersten Play-off-Runde ab Samstag (19.30 Uhr) den Nord-Spitzenreiter WWU Baskets Münster fordert, während die Gießener den Gang in die Abstiegsrunde antreten müssen. Bitter für die Gäste: Der Korb zum 76:74-Endstand bedeutete die erste Führung der Hanauer, die zur Pause mit 26:36 und selbst 2:40 Minuten vor dem Ende noch mit 63:73 in Rückstand gelegen hatten.

„Wir haben als Team die kompletten 40 Minuten zusammengehalten und immer daran geglaubt, dass wir es noch schaffen können. Wir sind alle sehr happy, dass wir es noch in die Play-offs geschafft haben, weil uns vor drei Wochen viele Leute schon abgeschrieben haben“, sagte Matchwinner Niklas Krause. Seine Heldentat in letzter Sekunde wollte der Guard nicht überbewerten, verteilte das Lob lieber weiter: „Ich freue mich natürlich über den letzten Wurf, weil es etwas sehr Besonderes ist, aber das war eine komplette Teamleistung. Unser Coach hat viel frischen Wind reingebracht. Außerdem haben die Fans eine unfassbar gute Stimmung gemacht.“

Die 500 Zuschauer – mit Ausnahme der mitgereisten Gießener Fans – trieben die Hanauer unermüdlich an und trugen auch zur einen oder anderen Unsicherheit der Gäste bei. So vergab ausgerechnet Routinier Lischka zwei Freiwürfe zum möglichen 76:72, was zunächst Dion Braimoh mit dem 74:74 bestrafte, ehe Krause den finalen Wurf ins Glück setzte.

Vergessen waren in diesem Moment auch die Schwächephasen der Gastgeber, die Trainer Marti Zamora in seiner Gesamtbetrachtung aber miteinbezog: „Wir haben sicher nicht unseren besten Basketball gezeigt und zu wenige Rebounds geholt. Aber wir haben gezeigt, dass unser Teamspirit stimmt und uns nie aus der Ruhe bringen lassen. Vor dieser Kulisse zu gewinnen war für uns das Highlight der Saison.“

Da konnte der erleichterte Geschäftsführer, der in den nächsten Tagen die ersten Vertragsverlängerungen verkünden will, nur beipflichten: „Das war beste Werbung für den Basketball und ein rundum perfekter Tag“. Dazu trug auch die Aktion „FarbeSpieltKeineRolle“ bei. Beide Teams liefen in den Clubfarben des Gegners auf, um Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Die Gießener traten in schwarzen Trikots an, die Hanauer in Rot. Eine Farbe, die sie seit Samstagabend sicher als ihre Glücksfarbe bezeichnen werden.

Hanau: Tisdale (21), Braimoh (16), Hecker (4), Krause (12), Stenger, Yildiz, Vasovic, Walz (11), Demetrio (6), Eibelshäuser, Loh (4), Fichtner (2)

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