Mit neun schon eine Größe am Schachbrett: Alexis Buchinger aus Langenselbold wurde bei der deutschen U10-Meisterschaft Dritter.
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Mit neun schon eine Größe am Schachbrett: Alexis Buchinger aus Langenselbold wurde bei der deutschen U10-Meisterschaft Dritter.

Alexis Buchinger (9) entwickelt sich im Eiltempo

Neubergs größtes Schachtalent seit 20 Jahren

  • vonDavid Lindenfeld
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Weit in der Vergangenheit liegt der Anfang noch nicht. Sieben Jahre war Alexis Buchinger alt, als er seinem Vater erstmals über die Schulter schaute, während dieser die schwarzen oder weißen Schachfiguren online über das Brett mit dem karierten Muster bewegte. Das königliche Spiel fesselte den Sohn. Inzwischen ist Alexis neun Jahre alt. Und laut seinem ehemaligen Jugendtrainer Norbert Heck das größte Talent bei den Schachfreunden Neuberg seit zwanzig Jahren.

Neuberg – Eine Übertreibung ist das wohl kaum. Zwischen seinen ersten Zügen und den großen Worten des einstigen Jugendleiters liegen gerade einmal rund zwei Jahre, in denen Buchinger vieles gewonnen hat. 2019 wurde er mit acht Jahren Bezirksmeister in der Altersklasse U14. Das vorläufige Highlight gab es Ende Oktober 2020. Bei der deutschen Jugendmeisterschaft in Willingen wurde der Langenselbolder in der U10 Dritter. Das Besondere: Er darf auch 2021 noch in dieser Altersklasse antreten.

Entwicklung im Eiltempo

Seine Entwicklung verlief in den vergangenen beiden Jahren im Eiltempo, nachdem sein Vater ihm die Regeln erklärt und Alexis online losgelegt hatte. Vieles brachte sich das Talent anfangs selbst bei. „Er war ziemlich schnell besser als der Papa“, erinnert sich Mama Susanne. Ein paar Monate lang spielte ihr Sohn virtuell gegen Gegner, verbesserte sich vor allem aufgrund seiner raschen Auffassungsgabe und seinem für ein Kind seines Alters überraschend ausgeprägten Verständnis für das Spiel.

Dann trat er auf eigenen Wunsch den Schachfreunden Neuberg bei und belegte beim Weihnachtsturnier in der Anfängergruppe direkt Platz eins. „Sieben aus sieben“, sagt Alexis stolz, als er am Telefon über seine Anfänge spricht. Will heißen: Keine Niederlage bei seinem ersten Auftritt im Klub. Und das, obwohl er erst wenige Monate spielte und zuvor im Gegensatz zu den anderen Kindern nie trainiert wurde. „Das war auffällig“, sagt seine Mutter. Früh konnte der Filius schon mit Älteren mithalten. Alexis gewann in der Altersklasse U8 den Hessenmeistertitel. Inzwischen ist er Teil des Landeskaders.

Seine Partien können schon einmal dreieinhalb oder vier Stunden dauern. Der Neunjährige ist jemand, der gerne taktiert und von sich selbst sagt, dass er am liebsten angreift. Am Anfang habe er noch viel zu schnell gespielt, berichtet seine Mutter. Doch Alexis lernt mit jeder Partie dazu, wird immer geduldiger – eine Eigenschaft, die im Schach von großer Bedeutung ist, um dem Gegner nicht in die Falle zu tappen.

Training mit einem Großmeister

Neben zwei Trainingseinheiten, die jede Woche bei den Schachfreunden stattfinden, wenn nicht Corona-Beschränkungen die Übungseinheiten vor Ort unmöglich machen, nimmt Alexis auch private Trainerstunden. Zweimal pro Woche wird er 45 Minuten lang von Ilja Zaragatski gecoacht.

„Großmeister“, fügt Alexis schnell hinzu, als er davon erzählt. Ein Mann vom Fach also, der schon bewiesen hat, dass er viel vom strategischen Brettspiel versteht, und das Nachwuchstalent Woche für Woche bewusst mit komplexen Inhalten fordert. Auch deshalb ist die Trainingseinheit auf 45 Minuten begrenzt. Irgendwann lässt beim Neunjährigen die Konzentration nach, was in seinem Alter normal ist.

Gespielt wird viel online

Und dann mache es wenig Sinn, weiter anspruchsvolle Stellungen zu besprechen oder Eröffnungen zu trainieren. Gespielt wird wegen der aktuellen Corona-Situation viel online. „Jeden Tag eigentlich“, sagt Alexis: Mal länger, mal kürzer, je nachdem, wie viel Lust er hat. Das sei in Ordnung, so hat er ja auch angefangen: „Aber ich spiele trotzdem lieber am Brett“, so der aufgeweckte Neunjährige.

Wie gut Alexis ist, zeigt sich auch darin, dass er schon in der U14 im Neuberger Nachwuchs seinen festen Platz hat und mit den anderen, viel älteren Talenten aus der Republik mithalten kann. Bei der mitteldeutschen Vereinsmeisterschaft belegte das Team mit ihm und seinem sieben Jahre alten Bruder Aris, der kurzfristig für einen ausgefallenen Stammspieler eingesprungen war, im vergangenen Jahr den zweiten Platz und qualifizierte sich für die deutsche Meisterschaft 2021.

Schach-Boom im Hause Buchinger

Der nächste Wettbewerb auf Bundesebene steht also in diesem Jahr an. Und es ist nicht der einzige: Nach Platz drei bei der deutschen Jugendmeisterschaft in der U10 würde er in diesem Jahr gerne noch weiter nach vorn kommen. „Zweiter oder Erster wäre schön, es muss aber nicht sein“, sagt Alexis und klingt dabei sehr reif für sein Alter. „Wichtig ist, dass es ihm weiterhin Spaß macht und kein Druck entsteht“, ergänzt seine Mutter.

Zu Hause hat Alexis jedenfalls einen kleinen Schach-Boom ausgelöst. Zuvor war das Brettspiel für den Papa nur hin und wieder ein Zeitvertreib gewesen. „Jetzt spielen wir alle ziemlich viel“, erzählt Susanne Buchinger. Nur gegen Alexis, der noch drei jüngere Geschwister hat, tritt niemand wirklich gern an. „Wir spielen meistens online. Das ist ein bisschen angenehmer“, meint die Mutter und lacht. Dort trifft jeder auf Gegner, die seiner eigenen Spielstärke entsprechen. „Das macht allen mehr Spaß“ – auch Alexis.

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