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Keine Titelverteidigung: Für Kim Naidzinavicius (Nummer 15) und die SG BBM Bietigheim gibt es durch den Abbruch der Bundesliga-Saison keine Möglichkeit, den Meistertitel zu verteidigen. Ungewissheit herrscht für die Langenselbolderin bezüglich der EM. 

Ungewissheit bei Spitzensportlern

Kim Naidzinavicius und Nico Büdel sprechen über die sportliche Hängepartie

  • vonRobert Giese
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Der Coronavirus lähmt das öffentliche Leben und neben dem Amateurhandball in der Region liegt auch der Spielbetrieb in den Bundesligen auf Eis.

Wir haben mit der gebürtigen Langenselbolderin Kim Naidzinavicius und mit Nico Büdel, der in der Jugend für die TS Steinheim auflief, über die Ausnahmesituation durch das grassierende Virus gesprochen. 

Spielzeit für beendet erklärt

Klar ist die Lage zumindest im Hinblick auf die restliche Bundesligasaison für Naidzinavicius, denn dort ist die Spielzeit bereits für beendet erklärt worden. Die Nationalspielerin aus Langenselbold hat dadurch also keine Chance, den Meistertitel aus dem Vorjahr zu verteidigen, denn aktuell liegt ihr Verein SG BBM Bietigheim einen Punkt hinter dem Spitzenreiter aus Dortmund. „Aus sportlicher Sicht ist das natürlich sehr schade, denn wir hätten es noch selbst in der Hand gehabt, erneut die Meisterschaft zu holen“, bedauert Naidzinavicius den vorzeitigen Abbruch der Saison, „aber die Entscheidung ist selbstverständlich vollkommen nachvollziehbar.“ 

Da Mannschaftstraining nicht mehr möglich sei, seien alle Spielerinnen nach Hause zurückgekehrt – auch ihre Teamkolleginnen aus dem Ausland hätten es zum größten Teil zurück in die Heimat geschafft. Dort halte sich jeder individuell fit: „Wir haben zwar keine speziellen Trainingspläne erhalten, aber jede Spielerin weiß selbst, was sie machen muss und was ihr gerade gut tut.“ 

Unklar ist noch, wie sich die Beschränkungen durch das Coronavirus auf die kommende Europameisterschaft und die Qualifikation dafür auswirkt – hier hätten Ende März Qualifikationsspiele auf dem Plan gestanden, die nun aber erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben wurden. „Wir wissen nicht, wie es da weiter geht“, tappt auch die Kapitänin der Nationalmannschaft aktuell im Dunkeln, die Ungewissheit sei groß: „Wir müssen schließlich im Vorfeld unser Training anpassen, je nachdem, wann diese Spiele denn stattfinden sollen.“ 

Normaler Rhythmus aus den Angeln gehoben

Der normale Rhythmus von Naidzinavicius und Co. ist dabei völlig aus den Angeln gehoben worden: „Eigentlich stehen in dieser Phase der Saison immer die entscheidenden Spiele an, stattdessen sind wir nun zu Hause“, erklärt die Rückraumspielerin. „Die ersten Tage ist das auch in Ordnung und tut dem Körper mal ganz gut, aber ich bin mal gespannt, wie lange es dauert, bis das nicht mehr so ist und ich mich wieder nach der Halle sehne“, sagt Naidzinavicius. 

Den üblichen Rhythmus zurück wünscht sich auch Nico Büdel, der für den Bundesligisten HC Erlangen aufläuft. „Das ist eine ganz merkwürdige Situation, wir wissen nicht, wie es weiter geht und stündlich kann sich alles ändern“, beschreibt der Rückraumspieler seine aktuelle Gefühlslage. Anders als bei den Frauen ist bei den Männern noch offen, ob die Saison fortgesetzt wird, Büdel und Co. hängen also in der Luft. „Aus sportlicher Sicht hätte ich die Saison am liebsten normal zu Ende gespielt und habe mich auf die Pause im Sommer gefreut“, verweist Büdel auf die körperliche Belastung in der Bundesliga, nun könne sich dieser Zeitplan gravierend ändern. 

Maßnahmen werden unterstützt

Die aktuellen Maßnahmen unterstützt Büdel dennoch nachdrücklich: „Wir müssen die Sache so gut wie möglich eindämmen und uns an die Vorgaben halten. Ich persönlich habe vor Corona zwar keine große Angst, aber auf Grund der Auswirkungen auf andere Personen selbstverständlich den nötigen Respekt.“ In der Bundesliga gab es auch bereits erste Corona-Fälle, die vor allem die Rhein-Neckar Löwen betreffen – gegen jenes Team hätten Büdel und Co. am vergangenen Spieltag eigentlich antreten müssen. 

Der Rückraumspieler und seine Teamkollegen harren nun erst einmal der Dinge, die da noch kommen, und halten sich in der Zwischenzeit mit individuellen Trainingsplänen fit. Rein rechnerisch hätte der HC Erlangen noch absteigen können und würde daher von einem vorzeitigen Saisonende profitieren, darauf hofft Büdel aber nicht: „Wir haben genug Qualität im Kader und wären sicher nicht abgestiegen. Die Saison würden wir sehr gerne noch zu Ende spielen.“

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