Lernen von einer der besten Fechterinnen Deutschlands: Anne Sauer bringt dem TGH-Nachwuchs geduldig die Grundtechniken bei.
+
Lernen von einer der besten Fechterinnen Deutschlands: Anne Sauer bringt dem TGH-Nachwuchs geduldig die Grundtechniken bei.

Fechten

Mit Anne Sauer macht TG Hanaus Fechtnachwuchs sogar das Aufwärmen Spaß

Die Kleinen machen große Augen, als stünde der heilige Nikolaus wahrhaftig vor ihnen. Auch die Viertklässler werfen im Studio 2 ehrfürchtige Blicke auf den Gast wie auf einen Teenie-Schwarm. Unter den Florettfechtern ist Anne Sauer tatsächlich so eine Art Popstar. Gerade hat sie erfolgreich ihren deutschen Meistertitel verteidigt - und dem Nachwuchs unter dem Dach der Turngemeinde Hanau (TGH) eine Trainingseinheit spendiert.

Hanau – Anne Sauer stammt aus der Nähe von Tauberbischofsheim, der Hochburg des Fechtsports in der Republik. Da gehört es fast schon zum guten Ton, die Disziplin der Drei Musketiere zu beherrschen. Tatsächlich schloss sich auch Schülerin Anne Sauer dem berühmten Fechtclub an, erfuhr dort den Feinschliff und holte so manchen Turniersieg. Bis sie mit dem Abitur in der Tasche nach Würzburg zog, um Deutsch und Englisch auf Lehramt zu studieren.

„Nicht Sport?“ - Nein, beantwortet Anne Sauer die naheliegende Frage, der erforderliche Ortswechsel für das Fach-Studium wäre nicht mit dem Training vereinbar gewesen, das sie damals schon intensiv betrieb. Seit einem Jahr wohnt sie in Bonn. Dort optimiert sie als Angehörige der Bundeswehr Talent und Fähigkeiten in ihrer Sportart am Stützpunkt der Männer, „das hat einfach besser gepasst“, erzählt sie. Die Frauen-Elite ist in ihrer Heimatstadt zusammengezogen.

Dreimal war die heute 30-Jährige deutsche Meisterin im Einzel, siebenmal mit der Mannschaft. Außerdem ist sie eine der Auswahl-Sportlerinnen für den Olympia-Kader. Corona verhinderte wohl ihre Teilnahme an den Spielen in Tokio, weil für die Kadernominierun die Ranglisten vorausgegangener Jahre herangezogen wurden, erfahren die Fans in der obersten Etage der TGH.

Anne Sauer ist Personal- und Fitnesstrainerin

„Ich arbeite nebenher als Personal- und Fitnesstrainerin“, verrät die junge Frau noch, „Yoga kommt demnächst noch dazu“, das wird sie ebenfalls unterrichten. Neben dem Training in der ehemaligen Bundeshauptstadt fechtet Sauer jetzt noch in Werbach, einen Steinwurf vom Zentrum an der Tauber entfernt. Den Besuch an der Kinzig haben Sponsoren ermöglicht, deren Team eifrig Fotos schießt und Aufnahmen für ein Video dreht.

Anne Sauer beginnt mit den rund zwei Dutzend Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Aufwärmübungen: Beinarbeit, Ausfallschritte für die typische Angriffsposition, immer wieder und wieder die schnelle Schrittabfolge. „Sie müssen stark und schnell angreifen, einen festen Stand finden, sonst fallen sie um“, erläutert Sieglinde Kobberger. Die Abteilungsleiterin schickt gleich hinterher, „sie müssen das regelmäßig üben, ohne korrekte Abläufe ist Fechten nicht möglich“, berichtet sie. „Aber Aufwärmen macht halt keinen Spaß.“

Doch diesmal ist alles anders. Unter dem Kommando der Deutschen Meisterin strengen sich selbst die Jüngsten mächtig an, folgen jeder Anweisung und jeder Bewegung, die Anne Sauer demonstriert. Dann wirft ein Fechter einen Handschuh über die Fechterin vor ihm, sie muss diesen mit einem reaktionsschnellen Schritt nach vorne und ausgestrecktem Arm ergreifen.

Dann greifen die Hanauer Gruppe und ihr Gast zum Degen. Einige legen die schwere Schutzkleidung an, Anne Sauers Gesicht verschwindet hinter der schwarz-rot-gold eingefärbten Gittermaske. So stellt sie sich den Jüngsten, weist sie immer wieder mit einem Lächeln an, wie sie ihren Stand und die Haltung des Sportgeräts korrekt ausführen sollen. Dabei gefallen beide Seiten mit großer Ausdauer und starkem Interesse.

Die Zusammenkunft in die Hanauer Jahnhalle hat auch Alexander Kahl geebnet, der seine Fecht-Karriere in der Brüder-Grimm-Stadt begann und gleichsam als Anwärter für die Olympischen Spiele in Paris 2024 gilt. Er trainiert mit Anne Sauer bei der Bundeswehr. „Die TG hat auch schon Hessen- und Deutsche Meister hervorgebracht“, ergänzt Abteilungsleiterin Sieglinde Kobberger. Auf dem Parkett sieht es so aus, als könnten noch einige dazukommen. (Von Michael Prochnow)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema