Kann nicht lange ohne Ball: Der erfahrene Übungsleiter Michael Leisegang freut sich auf Urlaub mit seiner Frau und kann sich vorstellen, danach wieder bei einem Klub einzusteigen. Archivfoto: TAP

Fußball

Michael Leisegang vermutet harten Kampf um den Meistertitel

Michael Leisegang war als Spieler und als Trainer lange in der Region aktiv. Der 59-Jährige kennt viele Vereine und vor allem die Kreisoberliga bestens. Zu Beginn der vergangenen Saison betreute er noch den späteren Meister Germania Dörnigheim. Zuletzt stand er bei der Spvgg. Seligenstadt an der Seitenlinie.

Im Interview mit unserem Mitarbeiter David Lindenfeld spricht der Fußballlehrer über die Kräfteverhältnisse in der kommenden Saison, das Niveau der Liga und ein mögliches Engagement als Feuerwehrmann.

Herr Leisegang, Sie sind zur Zeit vereinslos. Wie verbringen Sie den Sommer, wenn Sie mal keine Vorbereitung leiten müssen?

Leisegang (lacht): „Ich werde es endlich einfach mal genießen, in den Ferien mit meiner Frau zweimal nach Griechenland fahren zu können.“

Sie waren lange im Kreis tätig und kennen die Kreisoberliga. Wie schätzen Sie die Kräfteverhältnisse in der kommenden Saison ein?

Leisegang: „Ich bin sehr angetan von der Liga, weil ich glaube, dass es dieses Jahr hoch, interessant wird. Gerade im oberen Bereich. Für mich ist Niederrodenbach mit den neuen Spielern, die sie geholt haben, einer der Favoriten. Auch Oberissigheim ist mit den Neuzugängen ein Hauptfavorit für mich: Rozic und Rodrigues sind qualitativ schon eine richtige Hausnummer.

Niederissigheim darf man auch nicht unterschätzen, die sind immer sehr solide – mit Vedran Vrancic wird dort nun auch jemand Trainer, der die Linie von Peter Schmidt weiterführt. Den FSV Bischofsheim, der bis auf die letzten drei Spiele in der Rückrunde eine richtig gute Leistung gebracht hat, tippe ich auch wieder unter den ersten Vier.“

Und dahinter?

Leisegang: „Hochstadt ist für mich eine Wundertüte, weil man da wenig gehört hat in der Sommerpause. Viele andere Mannschaften wie Kilianstädten oder Roßdorf werden sich wieder im Mittelfeld einpendeln. Die Aufsteiger werden am Anfang wahrscheinlich für ein paar Überraschungen sorgen, aber im Laufe der Runde wird sich dann herauskristallisieren, dass A-Klasse und Kreisoberliga doch ein himmelweiter Unterschied ist.“

Hat sich das Niveau der Liga in den vergangenen Jahren verändert?

Leisegang: „Ja, natürlich hat sich vieles verändert. Das fängt schon im menschlichen Bereich an. Prozentual gibt es nur noch wenige Spieler, die sich mit dem Fußball identifizieren. Es gibt immer noch welche, die dafür leben, aber für einen Großteil ist Fußball nur noch ein Nebengeräusch. Die Trainer haben oft nicht mehr die Möglichkeit, ihr Potenzial voll auszuschöpfen, weil für viele Spieler andere Dinge über dem Fußball stehen. Das Spiel an sich ist meines Erachtens schneller und athletischer geworden.“

Sie haben es angesprochen: An der Spitze gibt es viele, denen der Aufstieg zuzutrauen ist. Worauf kommt es in einem Rennen mit vielen Titelanwärtern an?

Leisegang: „Es sind viele Kleinigkeiten. Zum Beispiel, wie es zwischen Trainer und Mannschaft funktioniert, und ob ein Trainer es schafft, die Philosophie und die Spielweise so zu vermitteln, dass sie die Spieler auch umsetzen können. Wichtig ist auch, dass man es schafft, verletzungsfrei zu arbeiten und Freude in das Ganze reinzukriegen, um die Spieler immer im Training zu haben.

Glück braucht man natürlich auch. Die Kameradschaft ist ein ganz großer Faktor heutzutage. Der Vorstand muss dem Trainer immer das Gefühl geben, dass er hinter ihm steht, auch wenn es mal zwei- oder dreimal nicht so gut läuft. Die Chemie zwischen Trainer und Mannschaft muss stimmen, und die Neuen müssen sich schnell integrieren. Eine gute Vorbereitung gehört natürlich auch dazu.“

Auch im Abstiegskampf dürfte es spannend werden. Welches Team muss sich die größten Sorgen machen?

Leisegang: „Da ist es ganz schwierig, eine Prognose zu treffen. Ich denke, dass es sieben Mannschaften geben wird, die oben mitspielen. Für die restlichen Teams könnte der Abstieg zum Thema werden, aber da muss man die ersten Spieltage ab-warten, um sagen zu können, wie die Saison verlaufen könnte.“

Wie lauten ihre Tipps? Wer wird Meister, wer steigt ab und wer wird Torschützenkönig?

Leisegang: „Es gibt zwei Favoriten: Das sind Oberissigheim und Niederrodenbach. Die beiden werden um die Meisterschaft spielen. Sich bei den Absteigern festzulegen, ist sehr schwierig. Da gibt es vier oder fünf Vereine, die unten mitspielen werden. Ein Topfavorit auf den Torschützenkönig ist für mich Rodney Kurz von Eintracht Oberrodenbach. Eventuell könnte da auch noch Kevin Schwarzer von Eintracht Oberissigheim dazukommen, wenn die Mannschaft funktioniert. Und Dominic Bernard vom TSV Niederissigheim. Die drei sind die Topfavoriten für mich.“

Sie sind seit Mai nicht mehr Trainer bei der Spvgg. Seligenstadt. Juckt es schon wieder in den Fingern?

Leisegang: „Momentan nicht, weil ich das erste Mal in Ruhe in den Urlaub fahren kann, ohne mir Hintergedanken über eine Vorbereitung machen zu müssen. Ob es dann irgendwann mal juckt, kommt auch darauf an, was für Möglichkeiten da sind.“

Welche Aufgabe wäre für Sie interessant?

Leisegang: „Was mich reizen würde, wäre eine qualitative gute Mannschaft zu übernehmen, bei der es zum Beispiel aufgrund von Interna nicht funktioniert, aber wo das Potenzial da ist, um ab Oktober nochmal oben anzugreifen. Oder was mich auch interessieren würde wäre eine Mannschaft, die einfach nur gerettet werden muss. Das wären Dinge, die ich nochmal machen würde.“

Das heißt: Sollte ein Team aus der Kreisoberliga einen Feuerwehrmann brauchen, stünden Sie bereit?

Leisegang: „Ja, natürlich. Wenn ich zurück aus dem Urlaub komme und jemand gebraucht wird, ist das schön. Wenn nicht, sterbe ich auch nicht. Ich warte einfach ab, verfolge die Liga und werde mir viele Spiele angucken. Nicht nur in der KOL, auch in der Gruppenliga und der Verbandsliga, wo es auch sehr interessant wird.“

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