Eine Achterbahn der Gefühle: Philipp Ahouansou hat intensive Wochen hinter sich. Zunächst unterschrieb er seinen ersten Profi-Vertrag, dann verlor er das Endspiel um die A-Jugend-Meisterschaft. Archivfoto: Rene Weiss

Handball

Meisterschaft: Philipp Ahouansou über das verlorene Endspiel

Handball. Eine Achterbahnfahrt der Emotionen hat Philipp Ahouansou mitgemacht: Erst unterschrieb der 18-Jährige, der bis vor zwei Jahren für die HSG Hanau aufgelaufen ist, einen Profivertrag bei den Rhein-Neckar Löwen, dann unterlag er mit der A-Jugend seines Vereins im Finale um die Deutsche Meisterschaft denkbar knapp.

Wir haben mit dem 2,03 Meter großen Rückraumspieler über diese aufregenden Wochen, seine Verbindungen nach Hanau und seine nächsten Ziele auf dem Hallenparkett gesprochen.

Herr Ahouansou, durch die 23:29-Niederlage im Rückspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt haben Sie die Deutsche Meisterschaft denkbar knapp verpasst. Für Sie war es die zweite Finalniederlage in Folge, nachdem Sie im Vorjahr im Endspiel um die B-Jugend-Meisterschaft ebenfalls verloren haben – wie war jetzt das Gefühl nach dem Abpfiff?

Um ehrlich zu sein, haben wir im ersten Moment gar nicht so wirklich realisiert, dass wir schon wieder gescheitert sind – und dann auch noch so knapp, denn wir haben ja nur wegen der Auswärtstorregelung verloren (das Hinspiel hatten die „Junglöwen“ zuhause mit 35:29 gewonnen, Anm. d. Red.). So zu verlieren, ist ein unglaublich bedrückendes Gefühl, weshalb wir erst einmal die Köpfe haben hängen lassen. Inzwischen haben wir es einigermaßen verarbeitet, aber so eine Niederlage wirkt noch eine Weile nach.

Dabei waren die Voraussetzungen eigentlich gut, denn Sie hatten das Hinspiel mit 35:29 gewonnen. Dieser Sechs-Tore-Vorsprung war im Rückspiel aber bereits nach acht Minuten Geschichte, wie kam es dazu?

Flensburg war einfach viel präsenter als wir. Wegen des Hinspielsiegs haben wir uns sehr sicher gefühlt, waren vermutlich zu siegessicher und deshalb vielleicht nicht zu 100 Prozent da.

Eine Viertelstunde vor Abpfiff konnte Ihr Team dennoch auf drei Treffer Rückstand verkürzen. Warum hat sich Flensburg am Ende doch durchgesetzt?

Die Schlussphase war extrem intensiv, sowohl physisch als auch psychisch, es gab einen Mega-Druck, der schwer zu beschreiben ist. Wir wollten noch einmal alles in dieses Spiel legen, aber Flensburg hat ein sehr starkes Team, das den Vorsprung am Ende sehr gut verwaltet hat.

Sie selbst konnten nicht ganz die Rolle spielen, die Sie noch im Hinspiel hatten: Statt sieben Treffern gelangen Ihnen diesmal nur zwei. Woran lag das?

Ich war wegen einer Zerrung im Bauch, die ich mir bereits im Halbfinal-Hinspiel zugezogen hatte, leider nicht bei 100 Prozent. Meine größte Stärke sind die Distanzwürfe, aber diese Stärke konnte ich wegen der Verletzung nicht wie gewohnt ausspielen, auch wenn ich mein Bestes versucht habe.

Bis vor zwei Jahren haben Sie noch bei der HSG Hanau gespielt, Sie sind bis heute gut mit Tarek Marschallbefreundet. Wie genau verfolgen Sie die Entwicklung bei der HSG und was trauen Sie den Hanauern künftig zu?

Richtig, ich habe noch eine enge Beziehung zu Hanau und habe mir in der vergangenen Saison auch drei oder vier Heimspiele angeschaut, wenn ich gerade in Hanau war. In meinen Augen hat die HSG für die kommende Saison einen richtig starken Kader, denn es gab kaum Abgänge, dafür aber sehr gute Neuzugänge. Gerade im Rückraum ist Hanau jetzt sehr breit aufgestellt und hat dadurch eine Riesenchance. Ich traue ihnen durchaus Platz eins bis drei zu.

Und was trauen Sie sich selbst zu, was sind Ihre nächsten Ziele?

Ich habe in der vergangenen Saison ja bereits bei der zweiten Mannschaft der Rhein-Neckar Löwen in der 3. Liga Süd gespielt und will meine Position dort in der kommenden Saison halten. Zudem spiele ich nicht mehr in der A-Jugend und will mich stattdessen in den Bundesligakader integrieren und dort im Jahr darauf den Anschluss schaffen. Außerdem findet in diesem Jahr die U19-Weltmeisterschaft statt, da hoffe ich selbstverständlich, dass ich da mit von der Partie sein kann. Die Verletzung bremst mich aktuell ein bisschen aus, aber ich denke schon, dass ich ganz gute Chancen habe, dabei zu sein.

Dabei sind Sie seit einigen Wochen auch im Kader der Rhein-Neckar Löwen, denn Sie haben kürzlich einen Profivertrag bis 2024 unterschrieben. Ist damit für Sie ein Traum in Erfüllung gegangen?

Ganz bestimmt, davon träumt vermutlich jeder, der seit seiner Kindheit Handball spielt. Ich glaube auch, dass nach meinem Wechsel zu den Rhein-Neckar Löwen nur wenige damit gerechnet haben, dass ich mich noch so weiterentwickeln kann, deshalb freue ich mich riesig darüber. Allerdings ist mir auch klar, dass es mit der Unterschrift allein nicht getan ist und ich in den nächsten Jahren weiter viel machen und arbeiten muss, um mich auch künftig weiterzuentwickeln.

Das Interview führte Robert Giese.

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