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Als Trainer und Spieler bekannt: Manfred Gerum als Coach der HSG Gedern/Nidda II.

Karriereende noch nicht in Sicht

Mit 65 Jahren: Manfred Gerum aus Eichen spielt Handball in der Bezirksliga C

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Spätestens mit Mitte 30 denken die meisten Mannschaftssportler erstmals an ein Karriereende, oder haben es sogar schon hinter sich. Der 65-jährige Eichener Handballer Manfred Gerum verfolgt hinsichtlich seines Laufbahnendes eine andere Linie.

Sein Motto lautet: „Solange mich meine Mannschaftskameraden nicht auffordern, nicht mehr zu kommen und ich noch in jeder Saison mindestens ein Tor erziele, höre ich auch nicht auf.“ Die Crux: Manfred Gerum wird im Mai bereits 66 Jahre alt und ist immer noch in der Bezirksliga C Offenbach-Hanau für die HSG Dietesheim/Mühlheim III aktiv.

Letztes Aufgebot: Gerum spielt 60 Minuten im Feld

Um ein Haar wäre die Karriere Gerums, der auch seit Jahren im Männer- und Frauenbereich als Trainer verschiedene Erfolge feierte, vor wenigen Wochen vorbei gewesen. Ein Torerfolg war bislang ausgeblieben und erst im letzten Punktspiel vor dem durch die Corona-Krise bedingten Saisonabbruch platzte der Knoten. Es war das Spiel bei der zweiten Mannschaft der HSG Oberhessen am 7. März. Der Tabellenvorletzte reiste mit dem allerletzten Aufgebot an. Da keine Auswechselspieler zur Verfügung standen, mussten sowohl Gerum als auch zwei etatmäßige Torleute 60 Minuten im Feld spielen.

„Die Oberhessen wollten mich wohl als Gegner in der nächsten Saison wieder sehen und verhalfen mir zu einem Treffer, doch Geschenke wollte ich aber nicht annehmen und erkämpfte noch vier weitere Tore am Kreis, die keine Geschenke waren“, lacht der 65-Jährige. Gerums fünf Treffer bedeuteten aus Sicht seines Teams jedoch nur Ergebniskosmetik, denn der Endstand lautete 41:17 für die HSG Oberhessen II.

Rechtsaußen glänzt mit Routine

Dabei zählt das Kreisspiel gar nicht zu den Stärken des Routiniers, der am liebsten auf Rechtsaußen spielt. „Von da werfe ich am liebsten aufs Tor, nur Laufen kann ich halt nicht mehr so gut“, weiß Gerum, dass er keinem Jüngeren mehr wegrennen kann. Er setzt ganz auf die Karte Routine.

Begonnen hat die Karriere des selbstständigen Immobilienmaklers im C-Jugend-Alter in seiner niedersächsischen Heimat beim MTV Bad Pyrmont. „Man sagte mir, wie so vielen, die so zum Handball kamen, dass es bei mir mit Fußball keinen Sinn macht“, schmunzelt Gerum. In den 70er Jahren verschlug es Manfred Gerum aus beruflichen Gründen in die Mainmetropole nach Frankfurt, wohnhaft wurde er vor seinem Umzug nach Eichen zunächst in Schöneck.

Jahrelange Erfahrung als Trainer

Seinem Handball frönte er in seiner Wahlheimat lange Jahre als Spieler und Trainer des HSV Nidderau. Bis Mitte der 90er Jahre coachte Gerum beim HSV Teams im Frauen-, Männer- und Jugendbereich. Erfahrungen als Trainer sammelte Gerum jedoch nicht nur vor der eigenen Haustür. Unter anderem bei FT Dörnigheim, Vorwärts Frankfurt und dem SV Dreieichenhain und dem HSV Götzenhain stand er in der Verantwortung, in der Saison 2011/12 betreute Gerum die Handballerinnen von Kickers Offenbach in der Bezirksoberliga.

Danach feierte mit den Frauen des SV Erlensee den Aufstieg in die Bezirksliga A. Den Gedanken an eine schöpferische Pause verwarf Gerum, als Zweitliga-Absteiger HSG Gedern/Nidda vor der abgelaufenen Runde anfragte und einen Trainer für die gerade in die Bezirksoberliga aufgestiegene zweite Frauenmannschaft suchte. Mit den Wechsel in den Bezirk Gießen betrat Gerum Neuland, die Aussicht bei einem in seinen Strukturen gut aufgestellten Verein zu agieren, gab schlussendlich den Ausschlag, das Amt bei den Wetterauerinnen zu übernehmen.

Trainervertrag bei Damenmannschaft nicht verlängert

„Der Manni ist ein Pfundskerl“, sagt Martin Schindler der Vorsitzende der HSG Gedern/Nidda. Doch obwohl der neue Trainer mit seinem Team in Heimspielen keinen einzigen Punkt abgab und trotz des Abzugs von drei Punkten wegen Unterschreitung des Schiedsrichtersolls lange Zeit um den Aufstieg in die Landesliga spielte, wurde der Einjahresvertrag nicht verlängert.

„Der Verein will in der kommenden Saison den Trainerposten bei der zweiten Mannschaft wohl mit einer internen Lösung besetzen, was ja auch legitim ist“, hegt Manfred Gerum keinen Groll über sein Ausscheiden. Erste Anfragen aus seinem angestammten Bezirk Offenbach-Hanau sind ihm schon auf den Tisch geflattert. Als Mittsechziger verspürt der Vater einer erwachsenen Tochter aber keinen Druck, unbedingt eine Aufgabe in einem Verein übernehmen zu müssen. Weder als Trainer noch als Spieler.

Gerum will auch in der nächsten Saison treffen

Als aktiver Dino hat der Eichener mit seinen Treffern am letzten Spieltag jedoch seine interne Zielvorgabe erreicht und steht seinem Team bei Bedarf somit auch in der kommenden Saison zur Verfügung. Und auch mit 66 Jahren muss frei nach Evergreen von Udo Jürgens für ihn noch lange nicht Schluss sein. Weitere Torerfolge in der kommenden Saison vorausgesetzt.

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