Und rein damit: Lucas Lorenz erzielte beim Kantersieg der HSG Hanau drei Treffer. Der Kreisläufer uns seine Mitspieler überzeugten gegen den angriffsstarken SC DHfK Leipzig II nicht nur in der Defensive. Foto: Patrick Scheiber

Hanau

3. Liga: HSG spielt beim 35:22 gegen Leipzig wie entfesselt

Handball. Eine Gala-Vorstellung lieferten die Drittliga-Handballer der HSG Hanau am Sonntagabend in der Main-Kinzig-Halle gegen den SC DHfK Leipzig II ab: Die Hanauer Offensive lief wie am Schnürchen, die Abwehr rührte reichlich Beton an und brachte den Gegner schon im ersten Durchgang zur Verzweiflung.

Von Robert Giese

Gästecoach Enrico Henoch konnte zu noch so ungewöhnlichen taktischen Mitteln greifen, gegen die HSG war für sein Team an diesem Tag kein Kraut gewachsen, sodass die Hanauer am Ende einen begeisternden Kantersieg feierten.

Der 35:22 (17:9)-Erfolg war aber nicht nur Ergebnis einer spielfreudigen Hanauer Offensive, die über weite Strecken wie ein Schweizer Uhrwerk funktionierte und der praktisch alles gelang, sondern insbesondere der bärenstarken Abwehrleistung: Dem hochgelobten, normalerweise extrem torhungrigen Leipziger Angriff zogen die Hausherren mit ihrer einsatzfreudigen und agilen 3:2:1-Deckung schon in der Anfangsviertelstunde den Zahn, in den ersten 20 Spielminuten ließ die HSG gerade einmal drei Gegentreffer zu.

Rückraum kaltgestellt

Der entnervte Henoch nahm fünf Minuten vor dem Seitenwechsel bereits sein zweites Time-Out und wechselte fortan im Angriff den Torhüter zugunsten eines siebten Feldspielers aus. „Ich musste das machen, damit wir überhaupt Tore werfen“, meinte der Leipziger Trainer nach dem Abpfiff fast entschuldigend, „eigentlich wollte ich nicht so früh zum letzten Mittel greifen.“

Die riskante Taktik kam zu einem Zeitpunkt, zu dem die Gäste um den Junioren-Vizeweltmeister Julius Meyer-Siebert schon beinahe aussichtslos mit 5:13 zurücklagen. Die Hanauer hatten den Rückraum der Gäste in den Minuten zuvor praktisch kaltgestellt und trafen selbst, wie sie wollten: Ob über die Außen, aus der Distanz, über den Kreis, über die Zweite Welle oder den Tempo-Gegenstoß, die Hanauer riefen offensiv ein beeindruckend variables Repertoire ab und spielten die sichtlich entnervten Gäste regelrecht an die Wand. Aus dem Blauen Block schallte es „Wir kennen nur ein Gas – Vollgas!“, und die Spieler auf dem Feld nahmen sich diesen Slogan ganz offensichtlich zu Herzen.

Zweiter Anzug passt auch

Mit dem siebten Feldspieler drängten die Gäste die HSG-Defensive zwar etwas zurück, diese agierte aber immer noch offensiv und alles andere als passiv, womit Leipzig weiterhin Probleme hatte. Zwar trafen die Sachsen im zweiten Durchgang häufiger, aber die Hanauer nahmen den Fuß zunächst nicht vom Gas und führten zehn Minuten vor Schluss bereits mit 29:16.

Angesichts der hohen Führung waren die Hausherren in der Schlussphase zwar nicht mehr in jeder Aktion konsequent bis zum Ende und wechselten munter durch, aber auch der „zweite Anzug“ der HSG zeigte, dass er passt: So kamen beispielsweise sowohl Fabian Tomm als auch Henrik Graichen zu ihrem Einsatz, und jedem der Youngster gelang ein Treffer.

Bergold letzter Schütze

Entsprechend zufrieden zeigte sich HSG-Coach Olli Schulz nach der Partie und sprach von „unserem wohl mit stärksten Auftritt. Der siebte Feldspieler ist für eine 3:2:1-Abwehr eine große Herausforderung, und mir hat imponiert, wie gut wir das gelöst haben.“

Obwohl Maximilian Bergold mit sieben Treffern erneut bester HSG-Schütze war, trugen sich diesmal fast alle Spieler eifrig in die Torschützenliste ein, was auch Schulz nicht verborgen blieb: „Hier hat sich heute jeder in den Dienst der Mannschaft gestellt“, bemerkte der HSG-Coach mit Blick auf die ausgeglichene Mannschaftsleistung.

HSG Hanau: Sebastian Schermuly, Fabian Tomm (1); Maximilian Bergold (7), Marius Brüggemann (5), Björn Christoffel (1), Dennis Gerst, Henrik Graichen (1), Michael Hemmer (2), Lucas Lorenz (3), Michael Malik (7/4), Yaron Pillmann (3), Matthias Schwalbe (4), Marc Strohl, Yannik Woiwod (1) – Schiedsrichter: Bendel/Schulte-Coerne – Siebenmeter:HSG 4/4, DHfK II 6/5 – Zeitstrafen: HSG 2, DHfK II 1 – Zuschauer: 400

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