Es ging hart zur Sache: Der Bruchköbeler Kreisläufer Jannik Hoffmann (links) wird vom Großwallstädter Mario Stark geklammert. Foto: Kalle

Bruchköbel

3. Liga: SGB holt Punkt gegen Spitzenreiter Großwallstadt

Handball. Die SG Bruchköbel hat im Abstiegskampf ein ganz dickes Ausrufezeichen gesetzt und dem TV Großwallstadt, dem Spitzenreiter der 3. Liga Ost, ein 20:20 (11:10)-Unentschieden abgetrotzt. Für die Unterfranken war es der erste Punktverlust seit zuvor 14 Siegen in Folge.

Von Robert Giese

Unter den Augen von rund 800 Zuschauern – unter ihnen auch Vlado Stenzel, Weltmeistertrainer und ehemaliger Coach der SGB – lieferten sich der Abstiegskandidat und der designierte Zweitliga-Aufsteiger zunächst eine wahre Abwehrschlacht: Beide Teams setzten zwar auf hohes Tempo, die stabilen Abwehrreihen und guten Torhüter auf beiden Seiten ließen aber zunächst kaum etwas zu. Nach zehn Minuten stand es erst 1:1, fünf Minuten später 3:3.Unvorbereitete Abschlüsse der Hausherren sorgten dann dafür, dass mehr Tore fielen – allerdings hauptsächlich für die Unterfranken, die sich im Tempo-Gegenstoß keine Blöße gaben und sieben Minuten vor der Pause auf 8:5 davongezogen waren.

Bruchköbeler kommen wieder ins SpielDie Bruchköbeler steckten jedoch nicht auf, im Gegenteil: Mit gewaltigem Engagement kämpften die Gastgeber um jeden Ball und entwickelten nun auch offensiv mehr Durchschlagskraft. Mit fünf Treffern in Folge brachten Daniel Zourek und Co. die Bruchköbeler nicht nur wieder ins Spiel, sondern sorgten auch dafür, dass die Halle bebte. Zur Pause lag die SGB knapp mit 11:10 vorne und hätte bei disziplinierterem Angriffsspiel sogar deutlicher führen können, denn im Positionsangriff fiel den Großwallstädtern bis dahin nicht viel ein.

Nach dem Seitenwechsel zog TVG-Coach Manfred Hofmann Torjäger Michael Spatz, der auf Rechtsaußen praktisch abgemeldet war, in den rechten Rückraum, wesentlich strukturierter wurden die Offensivaktionen der Gäste dadurch allerdings nicht. Bruchköbel verteidigte weiterhin mit Mann und Maus, konnte sich nach der 15:13-Führung fünf Minuten nach Wiederanpfiff im Angriff aber auch kaum noch durchsetzen und blieb in der Folge fast zehn Minuten ohne Treffer. Großwallstadt konnte in der 45. Minute zum 15:15 ausgleichen, danach brach eine hitzige und dramatische Schlussphase an.

Rote Karte für Tom UlshöferAuf beiden Seiten gab es zu diesem Zeitpunkt viele technische Fehler und reichlich Hektik, mit einem Foul der härteren Sorte an Jonas Ulshöfer sorgte Lars Spieß dann für zusätzliches Feuer in der Partie. Sein Bruder Tom setzte keine 60 Sekunden später noch einen drauf, indem er Jonas Heuer beim Tempo-Gegenstoß foulte und mit Rot vom Feld musste.

Wirklich nutzen konnten die Bruchköbeler diese Überzahlsituationen jedoch nicht: Zwar führte die SGB zwischenzeitlich mit 18:15, kassierte dann aber vier Gegentore in Folge und lag fünf Minuten vor dem Abpfiff mit 18:19 zurück. Die Schlussminuten waren an Dramatik kaum zu überbieten: Fans beider Lager sorgten für eine unvergleichliche Atmosphäre, während die Partie auf Messers Schneide stand.

Ausgleich in letzter SekundeDie 20:19-Führung der Großwallstädter konterte Bruchköbel durch den Ausgleichstreffer von Jonas Heuer in der Schlussminute, 45 Sekunden vor Schluss nahm TVG-Coach Hofmann eine Auszeit, um sein Team auf die möglicherweise entscheidende Situation einzustellen. Zum Entsetzen der Gästefans leistete sich Lars Spieß einen bösen Fehlpass, sodass Bruchköbel noch einmal in Ballbesitz kam. In der letzten Aktion brachte Jonas Ulshöfer seinen Wurf allerdings nicht im gegnerischen Tor unter, sodass es in der Dreispitzhalle bei einer Punkteteilung blieb.

Mit der konnte SGB-Coach Tim Beckmann gut leben: „Das war handballerisch sicher nicht immer schön, aber wir stecken im Abstiegskampf und haben eine kämpferisch beeindruckende Leistung gezeigt. Zwar hätten wir auch gewinnen können“, so Beckmann angesichts des Spielverlaufs, „aber das Unentschieden ist für uns ganz klar ein Punktgewinn.“

Sein Großwallstädter Trainerkollege war ob des oft ideenlosen Auftritts seiner Mannschaft hingegen enttäuscht: „Wir haben schon in der Anfangsphase dicke Chancen liegen gelassen und den Gegner dadurch stark gemacht.“

SG Bruchköbel: Mike Bätz, Marius Sulzbach; Aydin Günes (1), Jonas Heuer (1), Jannik Hoffmann (1), Milos Kreckovic (2), Edi Pjanic, Tegaday Ramos-Nuez (6/4), Jonas Ulshöfer, Yannik Woiwod (1), Maximilian Wolff, Daniel Zourek (3), Sergej Zutic (3)Schiedsrichter: Cesnik/KonradSiebenmeter: SGB 8/6, TVG 4/3Zeitstrafen: SGB 4, TVG 3Besonderes Vorkommnis: Rote Karte für Tom Spieß (TVG, 49., Foul bei Tempo-Gegenstoß)Zuschauer: 800

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