Michael Malik drehte in der umkämpften Schlussphase zwar auf, mehr als einen Punkt nahm die HSG Hanau aus der Kurpfalz aber schließlich doch nicht mit. Archivfoto: TAP.

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3. Liga: Hanauer nehmen trotz 16:10-Führung nur ein Remis mit

Handball. Am Samstagabend zeigte Drittligist HSG Hanau zwei grundverschiedene Gesichter: Eine Halbzeit lang spielte das Team von Olli Schulz bei der HG Oftersheim/Schwetzingen richtig stark, in der anderen Hälfte brachten sich die Hanauer durch viele Undiszipliniertheiten um die Früchte ihrer Arbeit.

Von Robert Giese

Zumindest um einen Teil davon, denn mit der Schlusssirene fiel noch der Ausgleich zum 29:29, nachdem Hanau zur Pause noch mit 16:10 geführt hatte.

Es war eine turbulente Schlussphase in der Nordstadthalle: Die Gäste, deren Sechs-Tore-Vorsprung aus der ersten Halbzeit längst dahingeschmolzen war, hatten zweieinhalb Minuten vor Schluss gegen eine immer offensiver verteidigende HG dank Michael Malik wieder eine Drei-Tore-Führung herausgeworfen, während die Hausherren alles versuchten, um doch noch einen Punkt einzufahren.

Letztlich hatte die Strategie der Gastgeber Erfolg, denn die dezimierten – Yannik Woiwod und Yaron Pillmann hatten zuvor Rot gesehen, Matthias Schwalbe sich am Knie verletzt – und verunsicherten Hanauer versäumten es in dieser Phase, sich klare Chancen zu erarbeiten und kassierten per Siebenmeter in der Schlusssekunde noch den Ausgleich.

Angriffsleistung der HSG stimmte

Nach der Leistung im ersten Durchgang eine mehr als ärgerliche Punkteteilung für die Gäste, die Oftersheim in der ersten Halbzeit klar im Griff hatten. „Wir haben sehr gut verteidigt, standen in der Mitte kompakt und haben ihre Außen zu Würfen gezwungen“, so Schulz, die HG griff daher in der Offensive schon früh auf den siebten Feldspieler zurück, aber auch das verteidigten die Hanauer exzellent.

Zudem stimmte die Angriffsleistung: Die HSG war vorne sehr zielstrebig, hatte schon nach gut 20 Minuten einen Sechs-Tore-Vorsprung herausgespielt und hielt diesen bis zur Pause.

Beim Seitenwechsel war in Woiwod ein Hanauer allerdings schon zum Duschen geschickt worden, nachdem er seinen Gegenspieler bei einem erweiterten Tempo-Gegenstoß foulte. „Es gab schlimmere Fouls, die nicht mit Rot geahndet wurden, da stimmte die Verhältnismäßigkeit nicht“, war Schulz mir dieser Entscheidung nicht zufrieden. Die Rote Karte gegen den Kreisläufer der HSG sollte sich indes als Vorbote für die zweite Halbzeit erweisen, die ungemein zerfahren verlief.

Emotionen kochten hoch

So begann der zweite Durchgang schon turbulent: Pillmann traf Tom Jansen bei einer Abwehraktion im Gesicht, was die Emotionen auf beiden Seiten hochkochen ließ, Rudelbildung inklusive. Anschließend durfte sich Jansen zwei Minuten außerhalb des Spielfeldes abkühlen, während Pillmann sogar für vier Minuten vom Feld verwiesen wurde.

„In der Folge haben wir uns leider viel zu viele Undiszipliniertheiten geleistet und uns viel zu sehr mit Nebenkriegsschauplätzen beschäftigt“, monierte Schulz. Dieser war mit vielen Entscheidungen der Unparteiischen zwar auch nicht einverstanden, meinte aber, dass „ich nicht mit deren Entscheidungen hadere, sondern damit, wie wir mit diesen Entscheidungen umgegangen sind.“

Unruhe im Spiel spielte Gastgebern in die Hände

Die Unruhe, die nun im Spiel war, spielte hauptsächlich den Gastgebern in die Hände, die allmählich aufholten und gut zehn Minuten vor Schluss zum 23:23 ausglichen – just in diesem Moment sah Pillmann seine dritte Zeitstrafe und musste den Rest der Partie vom Spielfeldrand verfolgen. „Wir waren im Angriff nun einfach zu statisch“, kritisierte der HSG-Coach, gegen die über weite Strecken der zweiten Hälfte mit einer 5:1-Abwehr verteidigenden Hausherren nahmen sich die Hanauer „zu viele schlechte Abschlüsse.“

In den Schlussminuten stand die Partie endgültig auf der Kippe, Malik sorgte mit zwei Treffern in Folge gut zweieinhalb Minuten vor dem Abpfiff dann jedoch für die vermeintliche Entscheidung – doch weit gefehlt! Oftersheim steckte nicht auf, setzte die HSG permanent unter Druck und belohnte sich selbst mit dem Ausgleichstreffer in der Schlusssekunde. „Am Ende war das Unentschieden gerecht“, meinte Schulz, der aber dennoch reichlich zerknirscht war.

HSG Hanau:Sebastian Schermuly, Fabian Tomm; Maximilian Bergold (1), Marius Brüggemann (2), Björn Christoffel (5), Dennis Gerst, Henrik Graichen, Michael Hemmer (5), Lucas Lorenz (2), Michael Malik (5/3), Yaron Pillmann (2), Matthias Schwalbe (4), Marc Strohl (1), Yannik Woiwod (2) – Schiedsrichter: Jaros/Thrun – Siebenmeter: HG 5/4, HSG 3/3 – Zeitstrafen:HG 4, HSG 6 – Besonderes Vorkommnisse: Rote Karte für Woiwod (HSG, 26., grobes Foul) und Pillmann (HSG, 49., dritte Zeitstrafe) – Zuschauer: 400

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