Der Hanauer Björn Christoffel scheitert an Marco Rhein. Nieder-Rodens Torwart gehörte zu den Besten seines Teams und brachte die Grimmstädter mit zahlreichen Paraden zur Verzweiflung. Foto: TAP

Hanau

3. Liga: HSG Hanau wird vor wichtigem Derby demontiert

Handball. Einen schwarzen Freitag erlebte die HSG Hanau am 22. Spieltag der 3. Liga Ost – die 15:26 (5:8)-Klatsche beim Lokalrivalen HSG Rodgau Nieder-Roden bedeutete für die Grimmstädter nämlich die höchste Niederlage in dieser Saison. Und das eine Woche vor dem „großen“ Derby gegen die SG Bruchköbel.

Von Robert Giese

Wenig spektakulären Handballsport und kaum Tore, dafür auf beiden Seiten jede Menge überharte Fouls erlebten die knapp 700 Zuschauer in Nieder-Roden und Patrick Beer auf der Trainerbank der Hanauer in der Anfangsphase der Partie. „Es war am Anfang sehr viel Anspannung und Aggressivität im Spiel“, so der Gästetrainer mit Blick auf die kernige Gangart beider Teams, Tore gab es dagegen zunächst kaum zu sehen: Nach zehn Minuten stand es 1:1.

Dann kochten die Emotionen richtig hoch, als Timo Kaiser bei einem Siebenmeter den Hanauer Schlussmann Sebastian Schermuly voll im Gesicht traf und folgerichtig mit der Roten Karte vom Platz geschickt wurde. Der Hanauer Abwehrspezialist Marc Strohl folgte Kaiser nur knapp eine Minute später, nachdem er für ein hartes Foul ebenfalls den Roten Karton gesehen hatte. „Wir haben uns in der Anfangsphase viel zu sehr in Kleinkriege verwickeln lassen, statt uns auf Handball zu konzentrieren“, ärgerte sich Beer über die hitzige, zerfahrene Anfangsviertelstunde.

„Ein gutes Handballspiel war das vor der Pause nicht“Die Hausherren besannen sich dann zuerst auf den Sport und konnten sich bis zur 20. Minute eine 5:3-Führung erarbeiten, bis zum Halbzeitpfiff blieb das Derby allerdings ganz zähe Kost. „Ein gutes Handballspiel war das vor der Pause nicht“, räumte Beer ein, den beim Pausenpfiff vor allem in der Abwehr große Sorgen plagten – Yaron Pillmann hatte da nämlich schon zwei Zeitstrafen kassiert, womit der sonst so stabile Mittelblock Strohl/Pillmann endgültig gesprengt war. Die Angriffsleistung der Hanauer war bis dahin desolat: Zahlreiche hochkarätige Chancen hatten die Grimmstädter nicht im Kasten der Gastgeber unterbringen können, sodass beim Seitenwechsel lediglich kümmerliche fünf Treffer auf der Habenseite standen.

Angesichts von nur drei Toren Rückstand war für Hanau im zweiten Durchgang trotzdem noch alles möglich, etwaige Hoffnungen auf eine Wende zertrümmerten aber insbesondere zwei Nieder-Rodener Spieler: Einerseits Torwart Marco Rhein, der immer wieder glänzend parierte und seinen Kasten weiterhin praktisch vernagelte, andererseits Rückraumschütze Jonas Müller, der nach dem Seitenwechsel immer besser ins Rollen kam und maßgeblich dazu beitrug, dass seine Mannschaft bis Mitte der zweiten Hälfte auf acht Treffer davongezogen war.

„Das war eine Demontage, die ich in meiner Zeit hier noch nicht erlebt habe“Die Hanauer, bei denen Philipp Reuter nach langer Verletzungspause ein kurzes Comeback feierte, konnten nichts mehr entgegensetzen und wurden in der Schlussphase teilweise vorgeführt. „Das war eine Demontage, die ich in meiner Zeit hier noch nicht erlebt habe“, fand Beer deutliche Worte für die bittere 15:26-Schlappe, die sein Team am Ende hinnehmen musste. „Nach der Niederlage in Bad Blankenburg war das jetzt der zweite Nackenschlag hintereinander“, so der Hanauer Trainer, „und für so eine Leistung wie heute müssen wir uns bei unseren Fans entschuldigen.“

HSG Hanau: Sebastian Schermuly, Fabian Tomm; Maximilian Bergold (1), Marius Brüggemann, Björn Christoffel, Hannes Geist (2), Andreas Neumann (2/2), Patrick Pareigis (1), Yaron Pillmann (1), Philipp Reuter, Jan-Eric Ritter (4/2), Jannik Ruppert, Eric Schaeffter (3), Marc Strohl (1/1)Schiedsrichter: Walter/WeinigSiebenmeter: Nieder-Roden 4/3, Hanau 7/5Zeitstrafen: Nieder-Roden 7, Hanau 6Besondere Vorkommnisse: Rote Karten für Timo Kaiser (Nieder-Roden, 10., Torwart bei Strafwurf ins Gesicht geworfen), Marc Strohl (Hanau, 11., hartes Foul), Yaron Pillmann (Hanau, 44., dritte Zeitstrafe) und Philippe Kohlstrung (Nieder-Roden, 49., dritte Zeitstrafe)Zuschauer: 670

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema