HSG-Spieler Marc Strohl ist sichtlich enttäuscht von dem Ergebnis des Spiels. Foto: Kalle

Hanau

3. Liga: HSG Hanau verspielt Sieg in dramatischer Schlussphase

Handball. Die HSG Hanau hat in der 3. Liga Ost den ersten Punkt im neuen Jahr geholt: Gegen die HSG Burgwedel gab es am Sonntagabend ein 26:26 (16:14)-Unentschieden. Vollauf zufrieden konnten die Grimmstädter mit der Punkteteilung jedoch nicht sein, schließlich mussten den Ausgleich erst mit der Schlusssirene hinnehmen.

Die Hanauer erwischten keinen guten Start und lagen schnell 2:4 hinten. Zu diesem Zeitpunkt hatte die etwas defensiver als üblich stehende Deckung der Hausherren bereits mehrmals nicht gut ausgesehen: Ob im Eins-gegen-Eins vor allem über Chris Meiser oder aus der zweiten Reihe über Maurice Herbold - die Gäste fanden relativ einfach einen Weg durch die Hanauer Abwehrreihen hindurch oder darüber hinweg.

Auch im Angriff konnten die Hausherren zunächst nicht überzeugen: Tim Zechel störte als Vorgezogen den Spielaufbau der Grimmstädter, zudem rückte Sören Kress gegen Tilman Werner immer wieder frühzeitig heraus. Da die Hanauer von der Siebenmeterlinie auch diesmal zu viel liegen ließen - Björn Christoffel vergab gleich den ersten Strafwurf nach fünf Minuten - kam das Team von Patrick Beer anfangs nicht so recht in Schwung.

Weckruf für die GastgeberEin erster erfolgreicher Block gegen Herbold und ein schneller Treffer im Anschluss markierten aber so etwas wie den Weckruf für die Gastgeber, die nun zumindest im Angriff energischer zur Sache gehen. Als Yaron Pillmann bei einem dieser Angriffe von Herbold ungestüm niedergestreckt wurde, schickten die Schiedsrichter den Goalgetter der Gäste mit Rot vom Feld. Ein Schock für die Gäste, die schon nach rund zehn Minuten auf den Spieler verzichten mussten, den der Burgwedeler Trainer Jürgen Bätjer nach dem Spiel als "unsere Lebensversicherung" bezeichnete.

Kapital konnten die Hanauer aus der Hinausstellung gegen Herbold zunächst nicht schlagen und gerieten beim 7:9 wieder mit zwei Toren in Rückstand. Beer reagierte, brachte Can Adanir für den glücklosen Sebastian Schermuly und Neuzugang Philipp Reuter auf der Spielmacherposition. Der führte sich mit einem präzisen Schlagwurf in den Winkel gleich gut ein und schaffte es, das Angriffsspiel der Hanauer zu beleben. Über gute Ansätze kam Reuter allerdings nicht hinaus, denn nach gut 20 Spielminuten wurde auch er mit Rot vom Feld geschickt - ähnlich wie bei Herbold zuvor eine etwas zu harte Entscheidung.

Zu selten klare TorchancenDie Hanauer verloren nach der Roten Karte zwar kurz den Faden, erspielten sich dann aber zunehmend ein Übergewicht. Das lag vor allem daran, dass sie nach der ein oder anderen Parade des ordentlich haltenden Adanir ihr Tempospiel aufzogen und Burgwedel damit mehrmals überrumpelten. Zur Pause lagen die Gastgeber verdient mit 16:14 vorn.

Auf diese Art ging es auch im zweiten Durchgang zunächst weiter, wodurch sich Hanau bis auf vier Treffer absetzen konnte. Ab der 40. Minute ließen die Hanauer im Angriff aber wieder zunehmend Durchschlagskraft vermissen: Zu selten erarbeiteten sich die Gastgeber nun klare Torchancen, zu oft fehlte den Abschlüssen die nötige Präzision. Mehrmals hatte Hanau die Gelegenheit, sich abzusetzen, ließ diese Möglichkeiten aber jedes Mal leichtfertig liegen, sodass die unermüdlich kämpfenden Gäste weiter im Spiel blieben.

Das UnfassbareDies rächte sich in der hochdramatischen Schlussphase: Der Vorsprung der Hausherren war zwei Minuten vor dem Abpfiff auf einen Treffer zusammengeschmolzen und Burgwedel war drauf und dran, die Partie noch zu kippen. Im folgenden Angriff der Grimmstädter wurden Pillmann und Marc Strohl in Manndeckung genommen, Rechtsaußen Björn Christoffel nutzte die sich bietenden Räume aber, tankte sich über die Mitte durch und erzielte das vermeintlich vorentscheidende 26:24 lediglich 20 Sekunden vor Schluss.

Burgwedel antwortete zwar umgehend mit dem Anschlusstreffer, bei nur noch wenigen Sekunden auf der Uhr schien die Partie aber dennoch entschieden. Doch dann geschieht vor den Augen von gut 400 entsetzten Zuschauern das Unfassbare: Direkt nach dem Anwurf verlieren die Hanauer den Ball, Burgwedel spielt schnell nach vorne und Chris Meiser trifft mit der Schlusssirene zum 26:26-Ausgleich und versetzt die Main-Kinzig-Halle damit in Schockstarre.

Keine zu hohen Erwartungen"Das tut weh", meinte Beer sichtlich niedergeschlagen nach dem Abpfiff, "die zwei Punkte hätten wir verdient gehabt. Aber wir haben es versäumt, vorher den Sack zuzumachen, da merkt man auch, dass eine gewisse Verunsicherung da ist." Positiv bewertete der Trainer der Hanauer das - wenn auch kurze - Debüt von Neuzugang Reuter: "Er hat angedeutet, was er kann, aber wir müssen ihm nach seiner achtmonatigen Handballpause einfach Zeit geben und dürfen keine zu hohen Erwartungen an ihn haben."

HSG Hanau:Can Adanir, Sebastian Schermuly; Christian Appel (1), Maximilian Bergold (5/3), Kai Best, Marius Brüggemann (1), Björn Christoffel (5/1), Hannes Geist (3), Yaron Pillmann (4), Philipp Reuter (2), Jannik Ruppert, Sebastian Siegmund, Marc Strohl (2), Tilman Werner (3).

Schiedsrichter:Mischinger/Näther

Siebenmeter:HSG Hanau 7/4, HSG Burgwedel 4/2

Zeitstrafen: HSG Hanau 2, HSG Burgwedel 4

Besondere Vorkommnisse:Rote Karte für Maurice Herbold (11., Burgwedel, grobes Foul), Philipp Reuter (23., Hanau, grobes Foul) und Erik Gülzow (47., Burgwedel, dritte Zeitstrafe)

Zuschauer:410.

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