Lucas Lorenz und die HSG Hanau landeten gegen den TV Großwallstadt auf dem Boden der Tatsachen. Foto: TAP.

Hanau

3. Liga: HSG Hanau verliert knapp packendes Spitzenspiel

Handball. Das Duell zwischen der HSG Hanau und dem TV Großwallstadt am Samstagabend war das erwartete Handball-Fest: Über 800 Fans in der Main-Kinzig-Halle erlebten eine wahnsinnig intensive, mitreißende Partie und bildeten selbst eine beeindruckende Kulisse für das Drittliga-Spitzenspiel.

Von Robert Giese

Das hatte trotz gelegentlicher spielerischer Schwächen auf beiden Seiten bis zum Abpfiff jede Menge Spannung und Drama zu bieten. Allein die Schlussminute bündelte die emotionale Achterbahnfahrt, auf welche die beiden Drittligisten die Zuschauer über die gesamte Spieldauer hinweg mitnahmen, wie in einem Brennglas: Beim Stand von 26:25 hatte Gästecoach Ralf Bader 55 Sekunden vor Schluss seine letzte Auszeit genommen.

Spannendes Handball-Drama

Sein Team hatte Ballbesitz und damit die Möglichkeit, mit einer gut herausgespielten Chance das allesentscheidende Tor zu erzielen. Doch die Hanauer verteidigten offensiv, provozierten damit einen Ballverlust von Lars Spieß und hatten dadurch selbst noch jede Menge Zeit, mit einem Treffer doch noch ein Unentschieden zu holen.

Die Hausherren spielten das jedoch alles andere als clever aus, letztlich musste sich Michael Malik aus ungünstiger Position den entscheidenen Wurf nehmen – und dieser strich knapp am langen Pfosten vorbei.

Abpfiff, immer noch 25:26 aus Sicht der HSG und damit die erste Heimniederlage der Saison. Das Herzschlagfinale hatte sich schon früh in der Partie angedeutet, denn schon in der Anfangsphase ging es äußerst eng zu. Das 4:2, das Malik nach acht Minuten per Siebenmeter erzielte, war in den ersten 20 Spielminuten die deutlichste Führung, und diese hatte nur kurze Zeit Bestand.

Nicht immer hochklassig, dafür sehr unterhaltsam

Das Geschehen auf dem Spielfeld war dabei äußerst kurzweilig und unterhaltsam, wenn auch nicht immer hochklassig. Beide Mannschaften zeigten von Zeit zu Zeit ungewohnte Unkonzentriertheiten oder leisteten sich technische Fehler.

Allmählich erarbeitete sich Großwallstadt Vorteile, was einerseits daran lag, dass die Hanauer die ein oder andere gute Chance nicht nutzen konnten, andererseits aber auch daran, dass die TVG-Offensive mit dem kaum zu haltenden Dino Corak am Kreis für mächtig Alarm sorgte und Sebastian Schermuly ein paar unglückliche Aktionen hatte.

Hausherren hatte nach Pause die stärkste Phase

Nachdem sein Team fünf Minuten vor der Pause mit vier Toren in Rückstand geraten war, reagierte HSG-Coach Olli Schulz und stellte die Abwehr auf eine 6:0-Deckung um. Bis zum Seitenwechsel konnte Hanau auf 13:15 verkürzen. Nach Wiederanpfiff hatten die Hausherren dann ihre stärkste Phase und überzeugten insbesondere mit der ungemein stabilen Abwehr und einem nun sicheren Schermuly im Tor.

In den 15 Minuten nach dem Seitenwechsel gelangen Großwallstadt daher gerade einmal zwei Treffer, weshalb die Hanauer in Führung gehen konnten. Allerdings betrug dieser Vorsprung lediglich zwei Tore, denn auch die Gastgeber hatten offensiv große Probleme: Zu selten spielten sie sich klare Chancen heraus, zu oft scheiterten die Hausherren an einem der guten Großwallstädter Schlussmänner.

Spitzenspiel-SplitterEhrengast: Erstmals wieder in der Halle gesichtet wurde Patrick Beer, der Vorgänger von Olli Schulz auf der Trainerbank der HSG Hanau. Obwohl er angesichts der Heimniederlage nicht unbedingt ein Glücksbringer war, war die Wiedersehensfreude der Hanauer riesengroß.Wiederholungstäter: TVG-Coach Ralf Bader dürfte vielen Hanauer Fans noch bekannt sein, schließlich war Bader schon einmal Gast in der Main-Kinzig-Halle, nämlich im vergangenen Jahr mit der SG BBM Bietigheim im DHB-Pokal. Auch damals setzte sich Bader mit seinem Team nur um Haaresbreite durch und siegte mit 33:32.Siebenmeter in Serie:Die Linie der Unparteiischen führte die Spieler auf beiden Seiten häufig an die Linie – zum Siebenmeterwerfen. Hier und da etwas voreilig entschieden die Schiedsrichter auf Strafwurf, wobei Hanau sieben und Großwallstadt neun Siebenmeter zugesprochen wurden. Von diesen neun wurde übrigens nicht einer gehalten, aber zweimal rettete für die Hanauer Schlussmänner das Aluminium gegen TVG-Routinier Michael Spatz.

Entsprechend schnell war die Führung daher auch wieder dahin, denn der TVG drehte nach einer Auszeit auf und hatte in Corak einen Spieler, der mit großem Einsatz immer wieder Lücken in die Hanauer Deckung sprengte.

Von den Fans getragen, mobilisierte aber auch die HSG noch einmal alle Kräfte, hielt zumindest den Rückstand stabil und ließ nicht abreißen. Dass Hanau in den Schlussminuten noch Chancen auf einen Punktgewinn hatte, lag in dieser Phase insbesondere an den Außen, denn Dennis Gerst auf Rechts und Maximilian Bergold auf Links hielten ihr Team mit wichtigen Treffern im Spiel.

HSG konnte dank Fans Spiel noch kurz drehen

Letztlich reichte es für die Hanauer aber doch nicht, weil sich Großwallstadt insgesamt „etwas cleverer angestellt hat“, wie Schulz anmerkte. „Heute haben Nuancen entschieden, und wir haben es den Fans zu verdanken, dass wir Mitte der zweiten Hälfte das Spiel kurz drehen konnten.

Großwallstadt hat aber phasenweise einfach perfekt gespielt.“ Das konnte auch TVG-Coach Bader unterschreiben, betonte aber, „dass wir nur 50 Prozent der Zeit richtig gut gespielt haben. Ich bin zwar damit zufrieden, wie wir hier aufgetreten sind, aber wir müssen da noch konstanter werden.“

HSG Hanau:Sebastian Schermuly, Fabian Tomm; Maximilian Bergold (5), Marius Brüggemann (1), Björn Christoffel, Dennis Gerst (3), Henrik Graichen, Michael Hemmer (4), Lucas Lorenz (1), Michael Malik (7/6), Andreas Neumann, Yaron Pillmann (4), Jonas Schneider, Marc Strohl, Yannik Woiwod – Schiedsrichter:Mischinger/Näther – Siebenmeter: HSG 7/6, TVG 9/7 – Zeitstrafen:HSG 5, TVG 4 – Zuschauer: 810

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