Gebrauchter Tag: Die HSG Hanau verliert ihr Heimspiel gegen Großsachsen und muss den Abgang des Toptorschützen verkraften. Die Rote Karte für Yaron Pillmann (Nummer 22) und eine Verletzung von Jan-Eric Ritter waren die negativen Sahnehäubchen. Foto: Patrick Scheiber

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3. Liga: HSG Hanau verliert 27:28 - Vertrag von Malik aufgelöst

Handball. Nach sechs Spielen ohne Niederlage in Folge ist bei der HSG Hanau in der ersten Partie des neuen Jahres Ernüchterung eingekehrt. Sie verlor gegen TV Germania Großsachsen mit 27:28 (14:17). Für Katerstimmung sorgte zudem die Nachricht, dass die HSG künftig ohne ihren besten Torschützen auskommen muss.

Von Robert Giese

Die Main-Kinzig-Halle wurde ihrem Ruf, regelmäßig die Bühne für nervenaufreibende Partien zu sein, auch zum Auftakt des neuen Handballjahres wieder gerecht: Nach einem wilden Spielverlauf mit zwei Roten Karten, vielen Zeitstrafen und einem überraschenden Führungswechsel stand das Spiel in den Schlusssekunden Spitz auf Knopf.

Nervenaufreibende Schlussphase

Elf Sekunden vor dem Abpfiff lag Hanau mit 27:28 zurück, in einer letzten Auszeit stellte Lücke sein Team auf die entscheidenden letzten Momente ein und brachte einen zusätzlichen Feldspieler, um den Ausgleich mit aller Macht zu erzwingen.

Die Hanauer legten sich Großsachsens Abwehr zurecht, und Michael Hemmer versuchte, den starken Yannik Woiwod am Kreis ins Spiel zu bringen. Dieser wurde vom Gegenspieler gehalten und konnte den Ball dadurch nicht erreichen, was nur einen Freiwurf zur Folge hatte, den Marc Strohl direkt ausführen musste. Der HSG-Rückraumspieler warf zwar über den Block der Gäste, aber auch über das gegnerische Gehäuse, weshalb Hanau mit leeren Händen da stand.

Trainer hadert mit Schiedsirchterentscheidung

Lücke ärgerte sich über den in seinen Augen zu Unrecht nicht gegebenen Strafwurf wegen des Fouls an Woiwod: „Wenn wir den Siebenmeter bekommen, geht das Spiel unentschieden aus, und den Punkt hätten wir uns durch unsere kämpferische Leistung auch verdient.“

Dabei sah es in den Anfangsminuten aus, als würde Hanau den TVG überrennen: Mit einem Umschaltspiel wie aus dem Lehrbuch nahmen sie die Gäste auseinander, nutzten frühe Überzahlsituationen eiskalt aus und führten nach nicht einmal zehn Minuten bereits mit 8:3. „Die erste Viertelstunde war überragend“, freute sich Lücke.

Malik-Abgang kommt aus dem Nichts

Sein Team überzeugte trotz vieler Ausfälle: Neben Maximilian Bergold (Bänderriss) fehlten kurzfristig auch Lucas Lorenz wegen Krankheit und Michael Malik, dessen Vertrag völlig überraschend in der Winterpause auf Wunsch des Rückraumspielers aufgelöst wurde. Der Top-Torschütze der HSG wird also auch in den restlichen Spielen nicht mehr für Hanau auflaufen.

Ähnlich überraschend wie Maliks Abschied kippte auch die Partie in der Main-Kinzig-Halle, es schien fast so, als hätte jemand bei den Hanauern nach einer Viertelstunde den Stecker gezogen: Die Abwehr bekam den stark aufspielenden Maximilian Kehlenbach kaum in den Griff, Torhüter Sebastian Schermuly hatte einen gebrauchten Tag und in der Offensive lief bei den Hanauern nichts mehr zusammen. Großsachsen verkürzte Tor um Tor und übernahm gegen völlig indisponierte Gastgeber, die den zehn Toren aus der ersten Viertelstunde bis zur Pause nur noch vier weitere Treffer folgen ließen, fünf Minuten vor dem Seitenwechsel endgültig die Kontrolle. Jan-Eric Ritter konnte kurz vor dem Halbzeitpfiff immerhin noch auf 14:17 verkürzen.

Bitter: Ritter verletzt, Pillmann sieht rot

Im zweiten Abschnitt verteidigten die Gastgeber besser, zudem gelangen dem für Schermuly zwischen den Pfosten stehenden Fabian Tomm einige Paraden, doch weil die HSG-Offensive schwächelte, konnten die Hanauer nicht so richtig aufholen.

Innerhalb von zwei Minuten spitzte sich die Personalsituation für Hanau plötzlich richtig zu, denn erst verließ Jan-Eric Ritter humpelnd das Feld, kurz darauf sah Yaron Pillmann Rot. Lücke hatte zu diesem Zeitpunkt als Alternativen für den Rückraum nur noch Routinier Andreas Neumann und den jungen Linkshänder Jannik Wadel aus dem Landesliga-Team der HSG auf der Ersatzbank.

HSG kämpft vergebens

Diese Nackenschläge gaben aber noch einmal Auftrieb: Die dezimierten Hausherren zeigten in der Folge eine spielerisch zwar alles andere als überzeugende Leistung, kämpften aber bis zum Umfallen. Herausragend war dabei Woiwod am Kreis, der mit sieben Toren nicht nur bester Torschütze der HSG war, sondern zudem mit großem Einsatz auch Strafwürfe herausholte und zum Fixpunkt in der Hanauer Offensive avancierte.

Dieser Kampfgeist führte dazu, dass Hanau am Ende noch einmal in Schlagdistanz kam, anders als im Hinspiel aber kein Happy-End erlebte. "Nach einer Viertelstunde kam ein Bruch in unser Spiel, da waren wir dann nicht mehr konsequent genug", ärgerte sich Lücke nach der Partie über den Leistungsabfall seines Teams.

TVG-Coach Stefan Pohl freute sich hingegen über die geglückte Revanche für die Hinspielniederlage: "Wir hatten in der ersten Halbzeit im Angriff viel Durchschlagskraft, in der zweiten Hälfte stand dann unsere Abwehr besser und hat das Tempospiel der Hanauer kurz vor dem Durchbruch gestoppt - das war sehr wichtig."

HSG Hanau:Sebastian Schermuly, Fabian Tomm; Luca Braun (4), Marius Brüggemann (3), Björn Christoffel (4/4), Dennis Gerst, Henrik Graichen, Michael Hemmer (1), Andreas Neumann, Yaron Pillmann (2), Jan-Eric Ritter (4/1), Marc Strohl (2), Jannik Wadel, Yannik Woiwod (7) - Schiedsrichter: Cesnik/Konrad - Siebenmeter: HSG 6/5, TVG 4/3 - Zeitstrafen: HSG 4, TVG 7 - Besondere Vorkommnisse: Rote Karte für Yaron Pillmann (HSG, 44., grobes Foul) und Jan Triebskorn (TVG, 51., dritte Zeitstrafe) - Zuschauer: 520

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