Spannendes Spiel, tolle Kulisse: Während die Großwallstädter Mario Stark (Zweiter von rechts) und Dino Corak (rechts) nur zuschauen können, versucht Lucas Lorenz den Keeper des Spitzenreiters, Jan-Steffen Redwitz, zu bezwingen. Hanau unterlag vor über 1600 Zuschauern 22:26. Foto: Scheiber/Göbel

Hanau

3. Liga: HSG Hanau bietet dem Tabellenführer lange die Stirn

Handball. Eine Halbzeit lang sah es am Samstagabend so aus, als könnte die HSG Hanau dem TV Großwallstadt in der Untermainhalle den ersten Punkt abknöpfen, eine Halbzeit lang schien es, als würde der designierte Meister der 3. Liga Mitte auf der Zielgeraden zur Meisterschaft doch noch straucheln.

Von Robert Giese

Aber dann verspielten die Hanauer nach dem Seitenwechsel in Überzahl ihren Vorsprung und liefen fortan nur hinterher, sodass die HSG letztlich mit 22:26 (12:11) die Segel streichen musste.

Hochmotiviert starteten die Hanauer in die Partie und setzten den klaren Favoriten vom Anpfiff weg unter Druck. Die Gäste gingen dadurch schon früh in Führung, nach einer Viertelstunde stand es 7:4 für Hanau – Folge einer rundum starken Abwehrleistung mit einem gut aufgelegten Sebastian Schermuly zwischen den Pfosten, der in der ersten Hälfte unter anderem der Großwallstädter Ikone Michael Spatz, der seine Karriere nach der Saison beenden wird, gleich zwei Siebenmeter abknöpfte.

Torerfolge schwer zu erzielen

Aber auch die Vorderleute des Hanauer Kapitäns machten es den Unterfranken enorm schwer, zu Torerfolgen zu kommen. Mit etwas offensiver agierenden Deckungsspielern auf den Halbpositionen trieben die Gäste den TVG immer wieder auf ihren eigenen Mittelblock; dieser entschärfte die Angriffe entweder gleich oder machte es Schermuly dahinter zumindest einfacher, die Würfe zu parieren.

„Wir hatten einen klaren Plan in der Abwehr, und der hat gut funktioniert“, freute sich Lücke über eine starke Leistung im ersten Durchgang, den Hanau mit einer 12:11-Führung beendete.

Nach dem Seitenwechsel leisteten sich die bis dahin so konzentriert aufspielenden Gäste aber ausgerechnet in Überzahl einige Unkonzentriertheiten, sodass Großwallstadt das Blatt wenden konnte. „In Überzahl haben wir uns schlecht angestellt, sind dann in alte Muster verfallen und haben uns in Einzelaktionen verrannt – das darf uns einfach nicht passieren“, ärgerte sich Lücke über die kurze Schwächephase seines Teams, das fortan einem Rückstand hinterherlief.

Umstellung in der Abwehr

Mit Umstellungen in der Abwehr – die HSG probierte es mal mit einer 5:1, später zog Lücke sogar zwei Abwehrspieler nach vorne – versuchten die Gäste, Großwallstadt aus dem Konzept zu bringen und die Partie erneut zu drehen, doch der TVG ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. „Großwallstadt hat seinen Stiefel runtergespielt“, so Lücke zur routinierten Vorstellung des Tabellenführers, der zehn Minuten vor Schluss mit 20:16 führte.

Auf zwei Tore konnte Hanau in den Schlussminuten zwar noch verkürzen, näher ließen die Hausherren die HSG aber nicht herankommen und setzten sich schließlich mit 26:22 durch. „Insgesamt bin ich nicht unzufrieden“, freute Lücke sich trotz der Niederlage über die gute Leistung, „aber wenn wir am Anfang der zweiten Halbzeit unsere Führung ausbauen, anstatt sie zu verspielen, hätten wir hier heute etwas reißen können.

HSG Hanau:Sebastian Schermuly, Fabian Tomm; Maximilian Bergold (3), Luca Braun (3), Marius Brüggemann, Björn Christoffel (3/3), Dennis Gerst (1), Henrik Graichen, Michael Hemmer (4), Lucas Lorenz (3), Yaron Pillmann (5), Jonas Schneider, Marc Strohl, Yannik Woiwod – Schiedsrichter: Fähnle/Schulle – Siebenmeter: TVG 3/1, HSG 4/3 – Zeitstrafen: TVG 5, HSG 5 –Zuschauer: 1610

Großwallstadt beschwert sich über Hanauer Härte

Von Großwallstädter Seite aus gab es nach dem Derby Kritik an der Spielweise der Hanauer sowie den Schiedsrichtern. „Wir hatten nun 22 Spiele und das eine oder andere war ruppig. Aber so was war noch nicht da gewesen“, schimpfte TVG-Trainer Ralf Bader. „Meine Spieler sind reihenweise umgefallen und sie sind wahrlich keine Schauspieler. Aber manche haben wohl nicht hingeschaut, was auf dem Feld passiert ist. Es geht auch um die Gesundheit der Spieler. Das müssen die Herren mit ihrer Pfeife regeln.“​

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