Motor im Rückraum: HSG Hanaus Yaron Pillmann setzt sich gegen Till Buschmann durch. Am Ende feiert die HSG Bieberau-Modau dank des Ex-Hanauers Eric Schaeffter einen knappen Sieg. Foto: Scheiber

Hanau

3. Liga: Ex-Hanauer besiegelt 25:26-Niederlage der HSG

Handball. Das denkbar dramatischste Ende hatte das Sonntagabend-Derby zwischen der HSG Hanau und der HSG Bieberau-Modau in der 3. Liga Mitte, denn erst die Schlusssekunden brachten die Entscheidung in einem über 60 Minuten knappen und intensiv geführten Spiel.

Von Robert Giese

Am Ende war es ausgerechnet ein ehemaliger Hanauer Spieler, der vor über 500 Zuschauern in der Main-Kinzig-Halle für die Entscheidung sorgte.

Vier Sekunden vor dem Abpfiff hatte Hanau noch jubeln können, denn da hatte der unermüdlich ackernde Luca Braun den Ball zum 25:25 in die Maschen gejagt und damit scheinbar zumindest das Unentschieden gerettet. Die „Falken“ nahmen augenblicklich eine Auszeit, setzten nach Wiederanpfiff den früheren Hanauer Eric Schaeffter in Szene, der gegen seinen ehemaligen Verein groß aufspielte, und aus der Distanz beförderte Schaeffter die Harzkugel tatsächlich ins Hanauer Gehäuse – und zwar nach Ansicht der auffällig schwachen Unparteiischen vor Ablauf der Zeit. Statt Punkteteilung musste Hanau somit eine ganz bittere 25:26 (14:12)-Heimniederlage hinnehmen.

Von Anfang an eng

Schon die Anfangsphase hatte ein ganz enges Spiel vermuten lassen, denn Hausherren und Gäste lieferten sich von der ersten Minute an ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Während die Hanauer dabei insbesondere den wendigen Bieberauer Spielmacher Simon Brandt nicht in den Griff bekamen, ging bei den Gastgebern anfangs viel über Rückraumspieler Yaron Pillmann und Lucas Lorenz am Kreis. Dass die „Falken“ mit einem Vorgezogen verteidigten, brachte das Team von Oliver Lücke dabei nicht sonderlich aus dem Tritt, aber da die Hanauer Defensive nicht sonderlich sattelfest war, konnten sich Pillmann und Co. zunächst nicht absetzen.

Das änderte sich erst rund zehn Minuten vor der Halbzeitpause, als die Grimmstädter mehrere Überzahlsituationen nutzten, um sich den ersten nennenswerten Vorsprung zu erarbeiten – 11:8 stand es nach 20 Spielminuten. Mehr war für die Hausherren bis zum Pausenpfiff nicht drin, und zum Leidwesen der über 500 Zuschauer hatten die Schiedsrichter schon in der ersten Halbzeit mit einigen klaren Fehlentscheidungen dafür gesorgt, dass eine gewisse Unruhe in die Partie kam.

Im zweiten Durchgang änderte sich am Abstand zwischen den beiden Teams zunächst wenig, denn auch wenn Braun immer wieder stark ins Eins-gegen-Eins ging und mehrmals nur auf Kosten einer Zeitstrafe gestoppt werden konnte, hatte Hanau in der Abwehr viel Pech: Abpraller landeten über Umwege noch beim Gegner, Würfe in letzter Sekunde fanden doch noch den Weg in den Kasten der Gastgeber.

Offensiv größere Probleme

Als Bieberau auf eine 6:0-Abwehr umstellte, bekamen die mittlerweile entkräftet wirkenden Hanauer offensiv immer größere Probleme, zumal Gäste-Keeper Martin Juzbasic zu großer Form auflief und insbesondere über Außen kaum noch zu bezwingen war. Aus einer Drei-Tore-Führung für Hanau wurde so rund acht Minuten vor Schluss ein 22:23-Rückstand, der eine hochdramatische Schlussphase einleitete.

Dort ging Hanau erst in Führung, vergab dann einen Tempo-Gegenstoß, geriet ins Hintertreffen, um durch Braun erneut auszugleichen – und kassierte schließlich doch noch den entscheidenden Gegentreffer. „Wir sind selbst schuld, denn wir haben am Ende die Nerven verloren“, zeigte Lücke sich selbstkritisch. „Wir waren Bieberau lange einen Schritt voraus, am Ende haben uns aber die Lösungen gefehlt.“ Gästetrainer Thorsten Schmid sah derweil in der guten Abwehr- und Torwartleistung seines Teams die Gründe für den Auswärtssieg: „Als wir im Abwehrzentrum verdichtet haben und kompakt standen, hat Hanau Fehler gemacht, und so haben wir glücklich, aber auch verdient gewonnen.“

HSG Hanau:Sebastian Schermuly, Fabian Tomm; Maximilian Bergold (2), Luca Braun (4), Marius Brüggemann (2), Björn Christoffel (2/1), Dennis Gerst (1), Michael Hemmer (3), Lucas Lorenz (4), Andreas Neumann (2/2), Yaron Pillmann (4), Marc Strohl, Yannik Woiwod (1) –Schiedsrichter: Kraaz/Lay – Siebenmeter:Hanau 5/3, Bieberau 1/1 – Zeitstrafen: Hanau 2, Bieberau 6 – Zuschauer:530

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