Freud und Leid zugleich: Erst sorgte Bastian Schwarz (am Ball) für die 28:27-Führung der SGB, dann beobachtete er das Geschehen nur noch vom Soielfeldrand. Foto: Scheiber

Handball

3. Liga: SG Bruchköbel mit Remis gegen den Tabellenführer

Handball. Als in der Bruchköbeler Dreispitzhalle am Sonntagabend zwischen der SG Bruchköbel und Drittliga-Tabellenführer ThSV Eisenach fast 60 Minuten gespielt waren, rückte der Bruchköbeler Rückraumspieler Bastian Schwarz vor über 800 Zuschauern in den Mittelpunkt des Geschehens.

Erst sorgte der Linkshänder für die 28:27-Führung seines Teams, wenige Sekunden später konnte er seinen Gegenspieler nur mit einem Foul stoppen - und musste die letzten sieben Sekunden der ungemein spannenden Partie vom Spielfeldrand aus beobachten. Damit hatte Eisenach, das in dieser Saison erst zwei Punkte abgegeben hat, in Überzahl noch sieben Sekunden Zeit für einen letzten, alles entscheidenden Wurf.

Gästecoach Sead Hasanefendic setzte alles auf eine Karte und wechselte seinen Torwart zugunsten eines siebten Feldspielers aus, damit sein Team in doppelter Überzahl den Ausgleichstreffer erzwingen konnte. Schließlich setzte der ThSV seinen erfolgreichsten Torschützen Alexander Saul in Szene, und der Linkshänder enttäuschte seinen Trainer nicht - Saul netzte drei Sekunden vor dem Schlusspfiff zum 28:28 ein. Trotz des denkbar späten Ausgleichs feierte die SGB das unerwartete Remis aber dennoch wie einen Sieg und ist jetzt punktgleich mit dem HSC Coburg II, der auf dem ersten Nichtabstiegsplatz steht.

Überraschung von Beginn an

Die Überraschung hatte sich schon früh angedeutet, denn die Bruchköbeler schafften es vom Anpfiff weg, an die engagierte Leistung vom letzten Heimspiel anzuknüpfen. Mit einer sehr offensiven Deckung kaufte die SGB Eisenach gleich den Schneid ab, kam immer wieder zu Ballgewinnen und in der Folge zu leichten Toren. Als es nach gut fünf Minuten 4:0 für den Gastgeber und krassen Außenseiter hieß, mussten sich viele der gut 100 mitgereisten ThSV-Fans erstmal kurz die Augen reiben, ehe sie mit über einem Dutzend Trommeln wieder zur phantastischen Atmosphäre in der Dreispitzhalle beitrugen.

Hasanefendic nahm früh seine erste Auszeit, wechselte den Torwart und ließ den wendigen Jonas Ulshöfer nun in Manndeckung nehmen; der Bruchköbeler Kapitän hatte seine ungeheuer athletischen, aber nicht ganz so agilen Gegenspieler zu diesem Zeitpunkt schon mehrmals ganz alt aussehen lassen. Diese Maßnahme schien zunächst zu fruchten, denn die Hausherren wirkten im Angriff nun unkonzentrierter und spielten ihre Chancen nicht mehr so gut aus wie zuvor. Nachdem Eisenach auf ein Tor herangekommen war, drehte die SGB aber noch einmal auf und hatte in Schwarz einen sicheren Vollstrecker, denn der Linkshänder hatte bei seinen Abschlüssen eine hervorragende Quote und daher nicht wenig Anteil an der Halbzeitführung der Bruchköbeler.

Nervenkitzel im zweiten Durchgang

Der zweite Durchgang war dann nichts für schwache Nerven: Bruchköbel betrieb in der Abwehr weiterhin einen enormen Aufwand und setzte durch Ballgewinne immer wieder empfindliche Nadelstiche, geriet aber auch mehrmals in Unterzahl und konnte sich dadurch nie auf mehr als vier Tore absetzen - im Gegenteil, je länger die Partie dauerte, desto näher kam Eisenach heran. Während die SGB den ersten Ausgleich nach gut 40 Minuten noch mit einer 4:1-Serie beantwortete, wirkten die Bruchköbeler beim 27:27 neunzig Sekunden vor Schluss wie ein schwer angeschlagener Preisboxer; zudem hatten die Gäste nun Ballbesitz und damit die Chance, zum aus Bruchköbeler Sicht ungünstigsten Zeitpunkt erstmals in Führung zu gehen.

Dem ThSV gelang es dann auch, sich eine hundertprozentige Chance herauszuspielen, aber zum Jubel aller Heimfans war SGB-Schlussmann Mike Bätz auf dem Posten und krönte seine starke Leistung mit der Parade des vermeintlich vorentscheidenden Wurfes. Seinem Teamkollegen Schwarz eröffnete sich dadurch erst die Möglichkeit, Bruchköbel noch einmal in Front zu bringen - auch wenn Eisenach letztendlich wieder ausgleichen konnte.

"Nach dem Spielverlauf hätten es auch zwei Punkte sein können, aber wir wollen nicht undankbar sein, denn dieser Punkt ist eventuell Gold wert", war die Freude bei SGB-Teammanager Ante Vuko über die Punkteteilung groß. "Unsere Einstellung war heute optimal und dadurch haben wir für einen schönen Abschluss gesorgt." Gästecoach Hasanefendic lobte derweil die "hochmotivierte Bruchköbeler Mannschaft, die aus sehr vielen jungen und guten Spielern besteht. Wir haben uns zwar im Training auf eine offensive Abwehr vorbereitet, aber so eine Motivation", so der Trainerfuchs mit Blick auf die Energieleistung der SGB, "kann man nur schwer im Training simulieren."

SG Bruchköbel:Mike Bätz, Marius Sulzbach; Markus Breyer, Sebastian Dietrich (1), Aydin Günes (4), Fatih Günes, Milos Kreckovic (4/1), Max Panther, Edi Pjanic, Alvaro Rajic, Tegaday Ramos-Nuez (4), Bastian Schwarz (5), Jonas Ulshöfer (2), Dennis Weit (6), Sergej Zutic (2/2).Schiedsrichter:Hehn/Tauchert, Siebenmeter:SGB 4/3, ThSV 5/4, Zeitstrafen:SGB 6, ThSV 3, Besonderes Vorkommnis:Rote Karte für Bastian Schwarz (SGB, 60., dritte Zeitstrafe), Zuschauer:825.

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