Rasches Ende der HSG-Zeit: Die Zeit von Olli Schulz als Trainer der Hanauer ist nach zehn Drittligaspielen bereits abgelaufen. Nach der Heimniederlage gegen Baunatal war Schluss. Archivfoto: TAP

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3. Liga: Alles zum Trainerwechsel bei der HSG Hanau

Handball.Überraschender Trainerwechsel in der 3. Liga Mitte: Dort hat sich die HSG Hanau nach nur zehn Spieltagen von Olli Schulz getrennt, der erst im Sommer den Trainerposten bei den Hanauern übernommen hatte.

Von Robert Giese

Mit dem bisherigen Saisonverlauf – aus zehn Spielen holte Hanau elf Punkte – waren die Verantwortlichen nicht zufrieden und wollten deshalb vor dem Heimspiel gegen die SG Leutershausen am kommenden Sonntag einen neuen Reiz setzen. Bis zum Saisonende wird Oliver Lücke die Geschicke bei der HSG leiten, der bisher Co-Trainer beim Tabellensechsten war.

Schulz, der vom Oberligisten SG Rot-Weiß Babenhausen in die Main-Kinzig-Halle kam, trat in Hanau die Nachfolge von Patrick Beer an – und damit in große Fußstapfen: Beer hatte die Mannschaft nicht nur in die 3. Liga geführt, sondern auch in der Klasse gehalten und rasch dort etabliert. In den vergangenen beiden Spielzeiten landete die HSG jeweils auf dem dritten Rang und qualifizierte sich damit zweimal in Folge für den DHB-Pokal.

Sechster Platz nach zehn Spieltage

Im Sommer rüsteten die Hanauer personell noch einmal mächtig auf, holten neben dem Linkshänder Matthias Schwalbe für den rechten Rückraum auch den Drittliga-Torschützenkönig Michael Malik sowie den bundesliga-erfahrenen Rechtsaußen Daniel Wernig. Entsprechend groß waren die Erwartungen an die neue Saison und an den neuen Trainer – offiziell wurde erneut der dritte Rang als Saisonziel ausgegeben.

Aktuell liegen die Hanauer mit 11:9 Punkten auf dem sechsten Platz an der Spitze des sehr breiten Mittelfelds der Liga. „Das ist nicht das, was im Vorfeld von mir erwartet wurde“, räumte Schulz am Tag nach seiner Demission ein. So gelangen der Mannschaft zwar mitreißende Siege wie im Pokal über den Zweitligisten TV Hüttenberg oder in der Liga über die zweite Mannschaft aus Leipzig, insgesamt ließ das Team aber immer wieder unerwartet Punkte liegen, wie am vergangenen Wochenende bei der Heimniederlage gegen Baunatal.

„Ich bin kompromissbereit, aber ich vertrete auch gewisse Prinzipien“

„Sportlich und persönlich hätte ich vielleicht einiges anders steuern müssen“, zeigte sich Schulz selbstkritisch, wies aber auch auf die Personalprobleme im Kader hin: Auf der rechten Angriffsseite fielen gleich drei Spieler mit Kreuzbandrissen für die gesamte Saison aus, Jan-Eric Ritter fehlt ebenfalls langfristig wegen einer Verletzung und Marc Strohl kann aus beruflichen Gründen nur selten mit dem Team zusammen trainieren, was den Rückraum der Hanauer arg ausdünnt.

Da die bisherigen Ergebnisse hinter den Erwartungen zurückblieben, hätten sich in Gesprächen „unüberbrückbare Differenzen“ herauskristallisiert, so Schulz, der gerne weiter HSG-Trainer geblieben wäre – doch es kam anders. „Ich bin kompromissbereit, aber ich vertrete auch gewisse Prinzipien“, betont Schulz, der die Trennung dennoch sehr bedauert und der Mannschaft für die restliche Saison alles Gute wünscht.

Lücke übernimmt bis Saisonende

HSG-Kapitän Sebastian Schermuly geht es da ähnlich: „Es ist sehr schade, dass es nicht funktioniert hat, denn Olli hat sehr viel Leidenschaft und Zeit investiert.“ Auch wegen der namhaften Neuzugänge habe es in dieser Saison eine hohe Erwartungshaltung gegeben, und gemessen an diesen Erwartungen „haben die Resultate, nachdem das erste Saisondrittel abgeschlossen ist, einfach nicht gepasst.“

Bis zum Saisonende zeichnet sich nun Oliver Lücke für die Mannschaft verantwortlich, der bei der HSG seit rund anderthalb Jahren als Co-Trainer arbeitet. „Das erscheint uns in Absprache mit der Mannschaft als sinnvollste Lösung“, so der Sportliche Leiter Reiner Kegelmann, während Lücke versicherte, mit großem Engagement an die Aufgabe heranzugehen – selbiges aber auch vom Team einfordert: „Wir wollen wieder dahinkommen, dass wir wieder das alte Gesicht des Teams voller Emotion und Leidenschaft zu sehen bekommen.“

Es sei schwer den Hebel umzulegen

Schermuly sieht die interne Lösung aus mehreren Gründen im Moment als optimal an: „Olli Lücke kennt uns und unsere Stärken schon lange und kann diese hoffentlich schnell wieder hervorbringen.“ Mit Blick auf das schwierige Spiel gegen Leutershausen am Sonntag ergänzte der Kapitän, „dass es aktuell zwar schwer ist, den Hebel umzulegen, aber dass wir hoffentlich bald wieder an unsere alten Werte anknüpfen können und Herz und Kopf bei uns wieder funktionieren.“

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