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Training auf staubigen Wegen, auf 2400 Meter Höhe in Kenia. SSC Hanau-Rodenbachs Lauf-Ass Lisa Oed (links) und die beste deutsche Marathonläuferin Katharina Steinruck beim Training.

Olympia-Sorgen bei den Athleten

Leichtathletin Lisa Oed im Interview über ihr abgebrochenes Trainingslager in Kenia

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Dreieinhalb Wochen hat Lisa Oed (SSC Hanau-Rodenbach) im kenianischen Iten verbracht, auf 2400 Meter Höhe, Seite an Seite mit deutschen Topathleten. Am Sonntag ist die 21-Jährige aus dem Trainingslager zurückgekehrt und blickt zwiegespalten auf die Zeit im „Home of Champions“ zurück.

Im Interview spricht die Athletin über Vorsichtsmaßnahmen, gefährdete Olympia-Träume und mentale Aufbauarbeit.

Alles spricht in diesen Tagen über die Corona-Krise. Inwieweit haben Sie das auch im Trainingslager in Kenia zu spüren bekommen?

Das war natürlich auch bei uns großes Thema. Es gab zwar kein deutsches Fernsehen, aber über das Internet haben wir viel mitbekommen. Dazu gingen Bilder herum mit den Hamsterkäufen und wie leer die Regale sind. Aber dort mussten wir uns nicht so sehr damit beschäftigen. Wir waren fernab und hatten keine große Angst.

Die Vorgaben und Einschränkungen werden hier zu Lande immer strikter. Welche Vorsichtsmaßnahmen wurden bei Ihnen getroffen?

Unabhängig von Corona müssen wir Läufer sehr auf unsere Gesundheit achten. Auch Erkältungen können einen schnell zurückwerfen. Gerade in dieser Höhe dauert es länger, bis man dann wieder regeneriert. Einer meiner Teamkollegen hatte gleich in den ersten Tagen mit Husten zu kämpfen. Der Hotelbesitzer war sehr kooperativ und hilfsbereit, hat uns reichlich Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt und Spender im Speisesaal angebracht. Wir hatten auch alle unser kleines Desinfektionsmittel für die Tasche immer dabei. Bei dem Athleten hat sich herausgestellt, dass es nur eine Allergie war. Er war beim Arzt und hat einen Test gemacht. Insgesamt sind wir alle gut durchgekommen. Dennoch war es eine super harte Zeit für viele.

Unklare Lage bei Olympia belastet Athleten 

Inwiefern?

Die gesamte Wettkampfplanung wurde über den Haufen geworfen. Einige haben die Olympia-Qualifikation schon, andere müssen noch nachlegen und haben hart dafür gearbeitet. Gerade die Marathonläufer. Doch jetzt sind die Qualifikationsrennen abgesagt worden und Olympia steht auch auf der Kippe. Das ist mental schwer zu verkraften. Entsprechend waren sie geknickt, und die Stimmung ist etwas gekippt.

Wie sind die Athleten untereinander damit umgegangen?

Manche hatten ein, zwei Tage Motivationsprobleme. Das war traurig zu sehen. Aber man hat sich gegenseitig aufgebaut, der Zusammenhalt insgesamt war richtig klasse. Einige hatten überlegt, das Trainingslager zu verlängern. Doch jetzt wollen sie lieber so schnell wie möglich heim.

Für Sie nachvollziehbar?

Bislang gab es nur wenige Corona-Fälle dort. Wenn die Welle nun dorthin schwappt, ist die medizinische Versorgung nicht so gut, und es empfiehlt sich sehr nach Hause zu kommen. Hier sind zwar Fitnessstudios und Olympiastützpunkte geschlossen. Aber wir als Läufer sind noch in einer guten Situation. Alles was man braucht sind der Wald und Laufschuhe.

Coronavirus durchkreuzt die Pläne der Leichtathletin 

Inwieweit durchkreuzt die Pandemie Ihre weiteren Ziele?

Ich hatte vor, Ende März bei den deutschen Meisterschaften im Halbmarathon in Freiburg anzutreten. Das fällt leider flach. Genau wie der Halbmarathon in Prag, der eine Alternative gewesen wäre. Das ist sehr schade, weil das Zeitfenster für Wettkämpfe nach einem Höhentrainingslager sehr begrenzt ist. Da gibt es genaue Vorgaben, an welchen Tagen ein Start sinnvoll ist. Es ist eine schwierige Situation. Erst war ich traurig, weil ich zeigen wollte, was in meinen Beinen steckt. Aber bei den anderen Athleten geht es um viel Größeres.

Kann das geplante Trainingslager im April in Südafrika stattfinden?

Verlässliche Aussagen dazu gibt es noch nicht. Alles ist offen. Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat erstmal alle weiteren Maßnahmen abgesagt. Wir müssen abwarten.

Kenia-Trainingslager bleibt trotzdem einzigartige Erfahrung

Bleibt trotz dieser Auswirkungen auch etwas Positives aus der Zeit in Kenia hängen?

Natürlich, es war eine einzigartige Erfahrung. Unter so professionellen Bedingungen habe ich noch nie trainiert und wurde von allen toll aufgenommen. Außerdem haben mich die Einheimischen und ihre Lebensfreude schwer beeindruckt. Gerade die Kinder, die unter einfachsten Bedingungen aufwachsen, aber eine unheimliche Freude ausstrahlen. Außerdem ist es unglaublich, wie viele Läufer man ständig trifft.

Was wünschen Sie sich nun?

Ich hoffe zum einen, dass die Krise möglichst schnell überwunden ist. Für die vielen Läufer, die ich im Trainingslager kennenlernen durfte, würde ich mich sehr freuen, wenn Olympia stattfinden kann und eine Lösung für die Qualifikation gefunden wird.

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