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Laufverbot beim Fußball: Sportfreunde Ostheim üben sich im Gehfußball

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Erst einmal locker aufwärmen: Die Gehfußballbeauftragte des Hessischen Fußball-Verbandes Stephanie Nöthen beim Probetraining auf dem Gelände der Sportfreunde Ostheim.
Erst einmal locker aufwärmen: Die Gehfußballbeauftragte des Hessischen Fußball-Verbandes Stephanie Nöthen beim Probetraining auf dem Gelände der Sportfreunde Ostheim. © Jürgen W. Niehoff

Fußball ohne Rennen? Klingt wie Tennis ohne Schmettern, also: nur schwer vorstellbar. Und doch ist „Walking Football“ - also Gehfußball - eine neue Variante, Fußball zu spielen.

Nidderau – Erfunden wurde Gehfußball 2011 in England. Dort und in den Niederlanden wird mittlerweile sogar schon in Ligen Gehfußball gespielt. In Deutschland haben unter anderem Werder Bremen, der VfL Wolfsburg, Schalke 04, Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt Altherren-Kicker, die sich nur noch zur Geh-Variante ihres Lieblingssports treffen.

Aber nicht nur in großen Clubs wird mittlerweile Gehfußball gespielt, das Fieber hat längst auch auf kleinere Vereine übergriffen. Beispielsweise auf den FC Sportfreunde Ostheim. Als André von Loh kürzlich auf einer Verbandstagung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) war, hörte er zum ersten Mal vom Gehfußball und war begeistert. „Das versuche ich bei uns im Club doch auch einmal“, dachte sich von Loh.

Der 55-jährige Ostheimer ist selbst Betroffener. In der Vergangenheit erlittene Verletzungen lassen für ihn richtiges Fußballspielen nicht mehr zu. Deshalb hat er zusammen mit dem Hessischen Fußball-Verband (HFV) auf dem Vereinsgelände der Sportfreunde zu einem ersten Gehfußball-Treffen eingeladen. Mit dabei waren die Gehfußballbeauftragten des Verbandes Werner Abraham und Stephanie Nöthen. Und tatsächlich: Der Aufruf war nicht vergebens. Acht „ältere“ Herren fanden sich auf dem Fußballplatz ein.

Nachdem Abraham das Spielfeld mit kleinen Gummischeiben abgesteckt hatte, es umfasst circa ein Drittel des normalen Spielfeldes, machte er die spielfreudigen Herren, - Damen sind zwar ebenfalls erlaubt, waren an dem Abend aber nicht anwesend - mit den Spielregeln bekannt. „Im Grunde sind die Regeln beim Gehfußball die gleichen wie im normalen Fußball. Nur ist beim Gehfußball das Laufen - egal ob mit oder ohne Ball - verboten“, begann Abraham seine Einführung. Da die Sportart bewusst als Alternative für ältere Spieler entwickelt wurde, zielen die meisten Regeln darauf ab, Verletzungen und körperliche Überforderung zu vermeiden.

Gehfußball wird draußen und drinnen gespielt, im Freien meist auf kleineren Feldern und mit kleinerem Tor. Die Mannschaft besteht nicht zwingend aus elf Spielern. Meist wird mit einem Kader von fünf bis sieben Spielern und mehreren Austauschspielern auf Kleinfeld gespielt. „Da Rennen, Reingrätschen, Körperkontakt oder den Ball über Hüfthöhe spielen verboten ist und ein Verstoß gegen diese Regeln zu einem Freistoß für die gegnerische Mannschaft führt, können auch Interessierte mit einer kaputten Hüfte oder einem Ersatzknie mitspielen“, machte Abraham einigen skeptisch dreinblickenden Herren Mut.

Auch Kopfbälle seien tabu. Denn gedacht ist Gehfußball eigentlich in erster Linie für über 50-Jährige. Bereits 2011 wurde „Walking Football“ im englischen Chesterfield erfunden, um ältere Männer aus der sozialen Isolation zu holen und sie für mehr körperliche Bewegung zu motivieren. Inzwischen gibt es im Vereinigten Königreich mehr als 1000 Walking-Football-Clubs. Weil diese Sportart in Deutschland entweder noch gar nicht oder zumindest nur in kleinen Kreisen bekannt ist, hat der DFB die Initiative ergriffen und lädt zu Informationstreffen ein oder hilft bei den Anfängen.

„In Hessen wollen wir bis zum Jahresende 30 bis 40 Vereine finden, die Gehfußball anbieten“, erklärt Abraham. Deshalb nimmt an dem ersten Training in Ostheim auch Kevin Kuchler teil, der für den Verband demnächst Schiedsrichter für Gehfußballspiele ausbilden soll. „Ja, man kommt ins Schnaufen! Man muss sich auf viele Sachen konzentrieren, insbesondere das langsame Laufen. Von daher ist es für jeden Fußballer, der noch aktiv spielt oder in der Altherrenmannschaft tätig ist, eine wirkliche Umstellung“, kommentiert ein Spieler die neue Sportart im Vorbeigehen.

Ostheims André von Loh ist mit dem ersten Treffen zufrieden. „Das wird sich rumsprechen und dann kommen beim nächsten Mal bestimmt noch mehr“, meint er. Bei ihm gibt es bei Interesse auch weitere Auskünfte z 0175/2299748.

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