So berichtete der HANAUER im Juni 1971.
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So berichtete der HANAUER im Juni 1971.

Vor 50 Jahren

Laßmanns ertragreiche Sonderferien: Hanauer Kegler war bei der EM erfolgreich

  • VonRobert Giese
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Vor einem halben Jahrhundert standen für zahlreiche Schüler die Abschlussprüfungen auf dem Programm, just in jener heißen Phase beantragte Jochen Laßmann im Juni 1971 allerdings Sonderferien. Der 20-Jährige hatte für den ungewöhnlichen Antrag allerdings einen guten Grund, schließlich trat er mit der Nationalmannschaft der Junioren bei der Europameisterschaft an.

Hanau – Kegel-EM im nordrumänischen Galati statt Büffeln für die mündliche Abiturprüfung – über dieses Ansinnen ihres Oberprimaners war die Schulleitung der Hohen Landesschule zunächst „nicht sonderlich erfreut“, wie unsere Zeitung damals festhielt. Allerdings wollten seine Lehrer Laßmanns sportlichen Ambitionen keinen Riegel vorschieben und gewährten dem Kegel-Talent die Sonderferien schließlich doch.

Laßmann, dessen Mutter bereits Sportkeglerin war, war „praktisch auf der Kegelbahn aufgewachsen“ und zeigte früh sein Können; zwei Jahre zuvor bei der EM in Rumänien war der 20-Jährige erstmals in die Nationalmannschaft berufen worden, hierfür hatte er sich durch starke Leistungen bei Klubkämpfen, Lehrgängen und Qualifikationen empfohlen.

Kegeln war allerdings nicht das einzige sportliche Talent Laßmanns, in dessen Brust „zwei Sport-Herzen“ wohnten: Neben dem Kegeln spielte der Abiturient nämlich auch erfolgreich Basketball.

In Galati galt es für Laßmann hingegen, seine Zielsicherheit auf der Kegelbahn unter Beweis zu stellen. Dabei glänzte er zwar nicht mit absoluten Spitzenleistungen, warf aber sehr konstant: Im Vorlauf steuerte er 811 Holz zum Mannschaftsergebnis bei, im Finale 820. Das genügte, damit das Team der Bundesrepublik bei der zum zweiten Mal ausgetragenen Europameisterschaft seine Nachbarstaaten auf die Plätze verwies: Zwar gelangen auch Österreich und der Deutschen Demokratischen Republik mehr als 4900 Holz, mit 4941 Holz sicherte sich aber die Bundesrepublik den Titel.

Für den Kegler des TSV 1860 Hanau folgte eine Heimkehr im Triumphzug, am Frankfurter Flughafen wurde er begeistert empfangen und präsentierte die „überdimensionale Trophäe“ aus Rumänien. Die Sonderferien hatten sich also ausgezahlt, denn er kehrte mit der Meisterschaftsmedaille an die Schulbank zurück und revanchierte sich damit für das Entgegenkommen der Schulleitung auf die beste Art.

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