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Künftig ein Leben ohne Handball: Marius Brüggemann beendet Karriere und liebäugelt mit Fußball

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Von: Thorsten Jung

So kennen und lieben ihn die HSG-Fans: Marius Brüggemann überlistet den Kirchzeller Torwart Tobias Jörg. Solche Aktionen werden die Hanauer vermissen.
So kennen und lieben ihn die HSG-Fans: Marius Brüggemann überlistet den Kirchzeller Torwart Tobias Jörg. Solche Aktionen werden die Hanauer vermissen. © Scheiber

Abgang Nummer acht ist einer, der Fans, Mannschaft und Umfeld des Handball-Drittligisten HSG Hanau schmerzt. So wie einige andere Abgänge auch. Publikumsliebling Marius Brüggemann macht Schluss. Nicht mit seiner großen Handball-Liebe, der HSG Hanau, sondern mit dem Handball komplett - zumindest vorübergehend. Und das mit gerade einmal 26 Jahren.

Hanau – Vielleicht ist er bald auf dem grünen Rasen in Kickschuhen und Fußballtrikot zu sehen. „Ich muss etwas machen, bin keiner, der nur daheim auf der Couch liegen kann“, sagt Brüggemann. Ins Fitnessstudio wird er definitiv gehen - und Laufen auch. Unterklassig Handball zu spielen, kommt für ihn derzeit nicht infrage. „Ich kenne es nicht ohne Handball, will mal sehen, wie das Leben ohne Handball ist.“ Seit 15 Jahren verbringt er den größten Teil seiner Freizeit in der Halle. „Ich habe, seit ich in der D-Jugend zur TS Steinheim gewechselt bin, leistungsorientiert gespielt und drei bis viermal die Woche trainiert.“ Vielleicht schnürt Brüggemann künftig beim SVG Steinheim die Fußballschuhe. „Das ist eine Option, einige Freunde haben schon angefragt“, verrät der Bauingenieur.

Die Arbeit ist einer der Gründe, warum sich der Linksaußen schweren Herzens dazu entschlossen habe, mit dem Handball aufzuhören. „Ich habe letztes Jahr angefangen, voll zu arbeiten. Mir fehlt die Zeit für manche Sachen und jetzt plane ich auch noch, ein Haus zu bauen, da geht viel Zeit drauf.“

Auch Sebastian Schermuly, Yaron Pillmann, Björn Christoffel und Lucas Lorenz sagen Tschüss

Nach Kapitän Sebastian Schermuly (36), Leitfigur Yaron Pillmann (28), den Routiniers Björn Christoffel (33) und Lucas Lorenz (31) geht mit dem Vize-Kapitän der nächste Führungsspieler von Bord. Im Kader der Hanauer wird sich eine neue Hierarchie finden müssen. „Die Jungen werden mehr Verantwortung übernehmen und dann sind da ja Spieler wie Jannik Ruppert (25), Maximilian Bergold (25) und Jan-Eric Ritter (27), die lange genug dabei sind und wissen, wie der Hase läuft. Da wird sich eine neue Hierarchie finden“, ist Brüggemann, der einst vom SV Erlensee zum HSG-Stammverein TS Steinheim kam und den Jörn Winter und Jo Ritter durchweg geprägt haben, aber nicht bange.

Bei der HSG hat man in den vergangenen Wochen vergebens versucht, Brüggemann zum Weitermachen zu überreden. „Marius ist ein ganz feiner Kerl. Sein Abgang ist nicht nur menschlich ein herber Verlust, sondern natürlich auch sportlich. Insbesondere in der Abwehr waren seine Leistungen sensationell. Mit seiner aggressiven, aber stets fairen Art hat er so manchen Topspieler zur Weißglut getrieben“, trauert der Sportliche Leiter Reiner Kegelmann der Entscheidung nach. „Es war nicht leicht für mich, diese Entscheidung zu treffen und noch schwerer, sie dem Verein mitzuteilen“, gibt Brüggemann zu.

Letztes Heimspiel am 7. Mai genießen

Nach der - auch wegen Verletzungen und Coronafällen - missratenen Aufstiegsrunde will Brüggemann im letzten Saisonspiel am 7. Mai gegen die Dragons aus Halver und Schalksmühle noch einmal mit dem „Blauen Block“ und seiner Familie (seine Eltern, der Opa und Freundin Nicole haben kaum ein Spiel verpasst) ein Handball-Fest feiern. „Ich freue mich darauf, noch ein letztes Mal vor der großen HSG-Familie spielen zu dürfen.“

Während Brüggemann das sagt, sitzt er in der Main-Kinzig-Halle hinter einem Handballtor, schaut seinen Teamkollegen zu, die als Trainingsform eine abgewandelte Art von Fußball spielen. „Richtiger Fußball ist diese Woche nicht drin“, sagt er, „weil wir am Wochenende verloren haben“. Da lasse Trainer Hannes Geist nicht mit sich reden. Etwas wehmütig schaut er seinen Kollegen beim Kicken zu, vor allem, wenn David Rivic am Ball ist. „Er ist der beste Fußballer bei uns - mit Abstand“, verrät Brüggemann. Und ganz sicher dachte er in diesem Moment eher an die schönen Momente im semiprofessionellen Handball mit seiner HSG zurück, als nach vorne an eine mögliche Karriere auf den Amateurfußballplätzen. (Von Thorsten Jung)

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