Eine Institution verlässt den TSV 1860 Hanau: Spielertrainer Christian Marggraf hört beim Vorletzten der Kreisoberliga auf. Archivfoto: TAP

Hanau

Kreisoberliga: Spielertrainer Marggraf hört beim TSV 1860 auf

Fußball. Der stark abstiegsgefährdete Kreisoberligist TSV 1860 Hanau steht im Winter vor einem großen Umbruch. Der langjährige Spielertrainer Christian Marggraf und einige Vorstandsmitglieder verlassen den Verein.

Von Michael Bellack

„Es gibt einfach zu viele Unstimmigkeiten und zu viel Gegenwind gegen meine Person“, nennt Marggraf den Grund für seine Entscheidung. Er spricht von Differenzen mit dem Vorsitzenden der Fußballabteilung, Jaroslav Balcek. Dieser wollte sich auf Anfrage nicht zu dem schwelenden Konflikt äußern. Balcek hat das Amt seit vergangenem Sommer inne. „Es gibt keine gemeinsame Diskussion, die Leute sind nicht ehrlich genug. Alle nicken nur mit dem Kopf, aber keiner setzt seine eigene Meinung durch“, wird Marggraf konkreter. Er sei jemand, der seine Meinung offen kommuniziere und erwarte das daher auch von anderen.

Erste Dissonanzen bereits im SommerAuch Marggrafs Vater Harald, ebenfalls im Vorstand aktiv, spricht von starken Differenzen. „Hinter den Kulissen wurde sehr scharf gegen Christian geschossen“, teilt er mit. Gemeinsam mit den Marggrafs packen auch Urgestein Dieter Dürr und Emil Gaug ihre Koffer. „Da gibt es kein Zurück mehr, da kann passieren was will. Es tut uns allen sehr leid, wie das gelaufen ist“, so Marggraf senior. Die ersten Unstimmigkeiten habe es laut Christian Marggraf bereits im Sommer bei der Planung für die Saison gegeben. Die beteiligten Personen hätten sich nicht auf eine gemeinsame Zielsetzung einigen können.

Sportliche Situation nicht ausschlaggebendDie sportliche Talfahrt der Hanauer sei aber kein ausschlaggebender Grund für die Trennung, betont Marggraf. Mit sechs Punkten aus 16 Spielen stehen die 1860er abgeschlagen auf dem vorletzten Platz in Hanaus höchster Spielklasse. Für die Winterpause hatte Marggraf bereits einige Verstärkungen eingeplant. „Wir hätten sieben neue Spieler bekommen, die uns wirklich weitergeholfen hätten. Damit hätten wir noch was erreichen können“, berichtet er. Diese Planungen hätten sich nun auch zerschlagen. Mit Marggraf verlieren die Hanauer nicht nur ihren Trainer, sondern auch den größten Leistungsträger im Team. Der gebürtige Leipziger, der in der Jugend bei den Hanauern, dem FSV Frankfurt und Eintracht Frankfurt aktiv war, gilt als einer der besten Torhüter der Liga. „Ich will meine letzten Jahre nicht verschwenden“, stellt der 35-Jährige klar.

Seit 2011 beim TSV 1860 im Amt2011 war er nach zahlreichen höherklassigen Stationen zu seinem Jugendverein zurückgekehrt und hatte das Amt des Spielertrainers übernommen. „Ich habe immer alles gegeben für den Verein, war mit viel Engagement dabei“, so Marggraf. Unter seiner Regie stabilisierten sich die Platzierungen der Hanauer. Nur in der Saison 2015/16, die man auf Platz 14 beendete, hing man unten mit drin. „Wenn wir einen funktionierenden Vorstand hatten, lief alles immer gut“, lässt er wissen. „Er hat gute Arbeit geleistet und etwas aufgebaut. Auch das Ansehen hat er stark verbessert“, pflichtet ihm sein Vater bei. Dass man den Spielertrainer offensichtlich schon länger loswerden wollte, könne im Umfeld niemand verstehen.

Marggraf sucht neue Aufgabe, TSV neuen CoachSeine Fußballschuhe wird Marggraf noch nicht an den Nagel hängen. Erste Anfragen habe er bereits erhalten, Verhandlungen habe es aber noch nicht gegeben. „Das ist nicht meine Art. Ich werde mir jetzt erstmal alles anhören“, so der Routinier. Wie es bei den Hanauern weitergeht und wer die Mannschaft vor dem Abstieg retten soll, steht noch nicht fest. Einige Gerüchte kursieren bereits. Der Vorsitzende Balcek wollte aber keine Namen kommentieren. „Noch nicht“, teilte er knapp mit. Noch vier Spiele stehen unter Marggrafs Führung auf dem Programm, dann trennen sich die Wege. „Ich wünsche dem Verein für den Neuanfang viel Erfolg. Der Vorstand kann seinen Plan jetzt umsetzen und die Veränderungen vornehmen. Da bin ich dem Verein zuvorgekommen“, so Marggraf abschließend.

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