Nach dem Abstieg aus der Gruppenliga ist der Eintracht-Motor ins Stottern geraten. Faruk Samur (links) und seine Teamkollegen schmerzt vor allem der Ausfall von Torjäger Rodney Kurz (rechts). "Das stellt unser ganzes Spielsystem auf den Kopf", sagt Trainer Andreas Jäger. Archivfoto: Roland Adrian

Fußball

Kreisoberliga: Personalsorgen in Oberrodenbach

Fußball. Die Favoritenrolle ist erst einmal weg. Daran gibt es für den Trainer des Kreisoberligisten Eintracht Oberrodenbach keinen Zweifel:

Von David Lindenfeld

„Mir fehlen aktuell acht potenzielle Stammspieler. Da ist es logisch, dass wir als klarer Außenseiter und nicht als Favorit in die nächsten Spiele gehen“, sagt Andreas Jäger, der mit seiner Mannschaft am kommenden Sonntag um 15 Uhr auf die Offensivmaschinerie des VfR Kesselstadt trifft.

Die Personalsituation beim Gruppenliga-Absteiger, der mit zwei Niederlagen und zwei Siegen in die neue Spielzeit gestartet ist, ist angespannt: Neben Karim Hinz, Jan Passon, Maximilian Hüttel, Adrian Steier, Maximilian Robok, Ole Geberbauer und Philipp Schlögl fehlen am Sonntag auch Kapitän Ronny Barthelmie und Torjäger Rodney Kurz verletzt, gesperrt oder aus privaten Gründen.

Ausfall bereitet Sorgen

Vor allem der Ausfall seines Stürmers bereitet Jäger Sorgen. „Das tut extrem weh. Er ist unersetzbar. Das ist für uns wie wenn Lewandowski bei den Bayern ausfällt“, sagt der Coach. Im Spiel gegen Langen-Bergheim verdrehte sich Kurz vor knapp zwei Wochen dasselbe Knie, in dem er schon einen Kreuzbandriss und eine Meniskusverletzung hatte. Ein erstes MRT ergab zwar, dass die äußeren Bänder und der Meniskus nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden. Mehr konnte aufgrund starker Einblutungen aber nicht festgestellt werden.

Jäger hofft, dass der Stürmer in zirka vier bis sechs Wochen wieder einsatzbereit ist. Sollten sich die Schmerzen allerdings nicht bis zur kommenden Woche bessern, droht ein medizinischer Eingriff, bei dem die Ärzte schauen würden, ob sich Kurz eventuell doch schwerere Verletzungen zugezogen hat, die auf dem ersten MRT nicht sichtbar waren. Dann würde es deutlich länger dauern, bis er wieder einsatzfähig wäre.

Der Ausfall des Stürmers, der die Eintracht in der Saison 2017/18 mit 41 Toren in die Gruppenliga schoss und dort in der vergangenen Spielzeit als drittbester Liga-Torschütze 28 von 61 Eintracht-Treffer erzielte, wiegt schwer. „Das stellt unser ganzes Spielsystem auf den Kopf, weil unser Spiel auf ihn zugeschnitten ist“, sagt Jäger, dessen Mannschaft sich nach der Sommerpause ohnehin erst einmal finden muss.

Drei Fädenzieher fehlen

Mit Alexander Blocher, Angelo De Carvalho und Dominik Lötschert haben drei wichtige Akteure, die im vergangenen Jahr im zentralen Mittelfeld die Fäden zogen, die Eintracht verlassen. Trotz des Wegfalls der geballten Kreativität im Mittelfeld wollte Jäger nach dem einen Jahr in der Gruppenliga, in dem sein Team vor allem auf Konter setzte, eigentlich wieder dominanteren Fußball spielen lassen.

Seit dem Kurz-Ausfall und den Verletzungen der Neuzugänge Passon und Hinz, die den Abgang der drei Leistungsträger kompensieren sollten, liegt der Fokus momentan aber eher auf dem Verteidigen und der Arbeit gegen den Ball. „Man merkt schon, dass ein bisschen Sand im Getriebe ist und man die Chancen nicht mehr so leicht bekommt“, sagt der Übungsleiter mit Blick darauf, dass man zuvor notfalls auch mal einen langen Ball auf Kurz spielen konnte, der durch seine Schnelligkeit und seinen guten Abschluss auch mit Einzelaktionen für Tore sorgen kann, wenn die gegnerische Abwehr ihm Räume lässt.

Ohne ihn wird es für die Eintracht im Heimspiel am Sonntag gegen den VfR Kesselstadt schwer. „Das wird eine knifflige Aufgabe. Sie haben in den ersten drei Spielen 17 Tore geschossen. Da hat das Verteidigen für uns erstmal oberste Priorität.“

Schutz für Neuzugänge

Die Neuzugänge, von denen viele aufgrund der Ausfälle derzeit gezwungenermaßen zur Startelf gehören, müsse man in Schutz nehmen: „Sie treten in große Fußstapfen. Für sie ist es schwierig, weil sie in eine Mannschaft gekommen sind, die im Moment nicht so gefestigt ist. Alle haben super Ansätze, hängen sich rein, aber brauchen auch Zeit“, sagt Jäger.

Generell müsse man sich von dem verabschieden, „was wir vor einem oder zwei Jahren gespielt haben.“ Zehn Spieler des 18-Mann-Kaders sind derzeit jünger als 25 Jahre. Die Mannschaft befinde sich im Gegensatz zu der vor zwei Jahren noch in der Entwicklungsphase.

Das Vorhaben der Klubführung, die vor der Runde den Wiederaufstieg als Saisonziel ausgegeben hat, scheint aktuell in weiter Ferne. Auch aus dem Kreispokal ist die Eintracht am Dienstag gegen den VfB Großauheim im Elfmeterschießen ausgeschieden. „Wir müssen jetzt erstmal schauen, dass wir beständig punkten, um nicht unten reinzurutschen“, sagt Jäger, der hofft, dass der Rückstand auf die Spitze bis zum Winter imeinstelligen Punktebereich bleibt. Dann habe man in der Rückrunde, wenn sich die Personalsituation entspannt hat, vielleicht nochmal eine Chance, oben anzugreifen.

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