Will mit Kesselstadt hoch hinaus: Alen Habibovic (rechts) hatte mit dem VfR im November jedoch das Topspiel beim FC Hanau 93 II (Noah Gibaja Lofink, links) verloren. Archivfoto: TAP

Fußball

Kreisoberliga: Kesselstadt nimmt Jagd auf 93er-Reserve auf

Fußball. Erstmals nach den schrecklichen Anschlägen in Hanau vor über einer Woche wird am kommenden Sonntag wieder der Ball in der höchsten Spielklasse der Stadt rollen. Den Auftakt macht schon um 13 Uhr im Auswärtsspiel beim FC Erlensee II der VfR Kesselstadt.

Von David Lindenfeld

„Der VfR 1925 Kesselstadt möchte allen Angehörigen und Freunden der Opfer der Anschläge sein tiefes Mitgefühl und herzliches Beileid aussprechen. Wir wünschen den Verletzten, dass sie schnell wieder gesund werden. Und allen viel Kraft, das Erlebte zu verarbeiten“, postete der Klub, dessen ehemaligem Trainer Kemal Kocak die Arena-Bar gehört, in welcher sich am 19. Februar eine der entsetzlichen Taten ereignet hatte, auf Facebook.

„Was da passiert ist, ist für ganz Hanau eine fürchterliche Katastrophe. Davon ist jeder Mensch betroffen, unabhängig davon, ob man eine direkte Verbindung zu einem der Opfer hatte oder nicht“, sagt der Sportliche Leiter des VfR, Edo Selimovic, der selbst drei der Opfer kannte. „Alle sind anständige Jungs gewesen, das ist das Schlimmste.“

Kocak, der während des Anschlags auf seine Bar laut Medienberichten nicht vor Ort war, schaffte mit dem VfR nach drei Aufstiegen im Jahr 2016 den Sprung in die Gruppenliga und ist damit verantwortlich für den größten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte.

Kunststück nun wiederholen

Unter Dino Selimovic, der Armin Curt im Dezember an der Seitenlinie beerbt hat, will der Klub dieses Kunststück nun wiederholen. Das erklärte Ziel ist die Meisterschaft. Aktuell belegen die Kesselstädter Rang zwei, der zur Teilnahme an der Relegation berechtigt. Der Rückstand auf Tabellenführer FC Hanau 93 II beträgt fünf Punkte.

Die Vorbereitung beim selbst ernannten Meisterschaftsanwärter war laut Edo Selimovic „wechselhaft“. Auf Glanzleistungen wie beim 4:2 gegen Gruppenligist Germania Dörnigheim oder dem 4:3 gegen den Tabellenführer der Verbandsliga, SC 1960 Hanau, folgten schwächere Spiele wie das 1:2 gegen A-Ligist TSV 1860 Hanau oder das 5:5 beim KV Mühlheim, wo die Kesselstädter eine 4:0-Führung zur Pause mit einem Mann mehr auf dem Feld noch aus der Hand gaben.

Dass die Mannschaft aufgrund vieler Verletzungen, Krankheitsfälle und anderweitiger Absagen nie unverändert auflief, dürfe keine Ausrede sein. „Mir ist es lieber, die Fehler passieren in der Vorbereitung als in der Liga“, sagt Selimovic: „Wenn wir aus ihnen lernen und in jedem Spiel von der ersten bis zur letzten Minute konzentriert sind, werden wir durchmarschieren. Wenn nicht, kriegen wir Probleme.“

Große Stärke im Offensivspiel

Die große Stärke des VfR liege im Offensivspiel – vor allem dann, wenn der Gegner mitspielen und sich nicht nur „hinten reinstellen“ will. Ein Manko sieht der Sportliche Leiter im kollektiven Verteidigen und in einfachen Ballverlusten. „80 Prozent unserer Gegentore kassieren wir, weil wir vorne zu ballverliebt sind und ab und zu nicht konsequent genug verteidigen“, erklärt er. Selimovic wäre es lieber, wenn sein Team bei einer Führung den Fokus vermehrt auf die Defensive legen und den Gegner etwas tiefer stehend kommen lassen würde, statt zu versuchen, noch mehr Tore zu erzielen.

Von der Qualität im Team ist der Sportliche Leiter überzeugt – auch wenn es noch dauern wird, bis Torjäger Emir Omerovic nach seiner Knieverletzung wieder bei 100 Prozent seines Leistungsvermögens ist. Der Gewinner der Vorbereitung sei Offensivspieler Emir Drino, der nach einer schwächeren ersten Saison im VfR-Trikot so langsam in Fahrt kommt und „viel besser geworden“ ist. Auf seine Qualitäten wird es in der Rückrunde ebenso ankommen wie auf die von Omerovic und Semir Agovic, der mit 20 Treffern der zweitbeste Torschütze im Team ist.

Am Sonntag können die Kesselstädter gegen Erlensee zeigen, dass sie reif sind für den Titel. Die Vorzeichen stehen aus Sicht von Selimovic zumindest nicht schlecht: „Der Platz in Erlensee ist schön breit, da können wir unser Spiel gut aufziehen“, ist er sicher. „Wir werden eher Probleme auf unserem kleinen Kunstrasen bekommen.“

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