Gehörte beim 1:22 noch zu den Besseren: Taoufik Elfakiri (links) kassierte mit Safakspor Hanau am vergangenen Wochenende eine historische Niederlage. Trainer Kaan Günes muss die Spieler nun aufrichten. Archivfoto: TAP

Hanau

Kreisoberliga: Die Gründe für das 1:22-Debakel von Safakspor

Fußball. Über 50-mal habe am Sonntag sein Handy geklingelt, berichtet Kaan Günes. Stets waren Freunde und Bekannte des Trainers des FC Safakspor Hanau am anderen Ende der Leitung.

Von David Lindenfeld

Alle wollten sich erkundigen, ob es sich beim eingetragenen Ergebnis im Portal fussball.de um einen Tippfehler handele oder ob es wirklich stimme, dass Safakspor gegen die Reserve des FC Hanau 93 mit 1:22 untergegangen war. Jedes Mal teilte Günes mit, dass Letzteres der Fall war.

Wie konnte es so weit kommen, dass eine Mannschaft, die zu Saisonbeginn noch 4:3 gegen Wachenbuchen gewonnen hat, plötzlich rund alle fünf Minuten ein Gegentor kassiert? Der Coach erklärt das Debakel mit akuten Personalsorgen, wegen der auch schon das Spiel am vergangenen Donnerstag gegen den FSV Bischofsheim abgesagt werden musste. Sukzessive haben die Hanauer sich in den vergangenen Wochen von Spielern getrennt oder trennen müssen, berichtet Günes.

Acht Spieler haben den Verein insgesamt verlassen. Die Gründe seien von Fall zu Fall verschieden. Manche hätten keine Lust mehr gehabt, andere hätten dem Klub aus privaten oder beruflichen Gründen den Rücken gekehrt.

0:11-Halbzeitstand

„Wir haben deshalb viele Spieler aus der zweiten Mannschaft hochgeholt, die uns leider bis jetzt nicht helfen konnten“, sagt Günes: „Dass wir so unter die Räder gekommen sind, ist demütigend und traurig. Böse kann ich den Jungs aber nicht sein, die da ausgeholfen haben.“ Vor Ort war er als Coach am Sonntag aus privaten Gründen ausnahmsweise nicht.

In der Halbzeit erkundigte sich Günes telefonisch bei seinem Co-Trainer nach dem Zwischenstand. Schon da war bei 0:11 nichts mehr zu retten gewesen: „Mein Co-Trainer meinte zu mir, dass ich lieber nicht fragen soll. Da macht man sich natürlich schon Gedanken.“

Details zum Debakel könne er aufgrund seiner Abwesenheit nicht liefern. „Ich habe nur so viel gehört, dass es wohl ein brutal schlechtes Spiel gewesen sein muss. Ich kenne so eine Situation nicht, deshalb ist es schwierig für mich, dafür Worte zu finden“, sagte Günes. Viel mehr hätte der Coach wohl auch nicht sagen können oder wollen, wenn er vor Ort gewesen wäre. Verarbeitet habe er die Niederlage noch lange nicht, teilte er am Montag auf Nachfrage mit.

Von vielen Abgängen enttäuscht

Von einigen seiner ehemaligen Spieler, die den Klub kurz nach Saisonstart verlassen haben, fühlt sich Günes im Stich gelassen. „Viele haben gedacht, dass ich deshalb jetzt aufhören werde, aber die Situation hat mich nur noch ehrgeiziger gemacht. Ich werde nicht aufgeben, sondern kämpfen und alles dafür geben, dass die Mannschaft in der Liga bleibt.“

Günes sieht sich dem Verein gegenüber in der Pflicht und dankt dem Vorstand dafür, dass er weiterhin dessen volle Unterstützung hat. „Ich bin für die Situation verantwortlich. Und ich bin dafür verantwortlich, dass wir vor der Saison Spieler geholt haben, in denen wir uns getäuscht haben.“

Nicht mit allen Spielern sei man im Schlechten auseinander gegangen. Viele Abgänge haben den Coach jedoch geärgert und enttäuscht. Der Verein sei nun dazu gezwungen, sich bis zum Dezember durchzuhangeln und in der Winterpause neue Spieler zu verpflichten, mit denen man in der Rückrunde in den Abstiegskampf starten kann – Günes spricht von den „richtigen Typen“, die es nun zu holen gilt; Spieler, die mit der „richtigen Einstellung“ als Führungspersönlichkeiten vorangehen können. „Wir werden versuchen, bis zur Winterpause noch wichtige Punkte gegen den Abstieg zu holen und dann leider wieder einen Neuanfang machen müssen“, so Günes.

Bis dahin ist es mit neun Spielen noch ein weiter Weg. „Uns ist klar, dass das sehr schwierig wird“, sagt Günes. „Es wäre wichtig, jetzt gegen Wolfgang zu punkten.“ Danach warten mit Niederrodenbach und Roßdorf wieder zwei schwierige Aufgaben. Safakspor spielt aber auch noch gegen direkte Konkurrenten wie Großauheim oder Langen-Bergheim.

Das Safakspor-Restprogramm bis zum Winter ist alles andere als leicht. Nach dem vergangenen Sonntag ist es aktuell nur schwer vorstellbar, dass auf das Konto der Hanauer bis dahin noch viele Punkte wandern. Aktuell dürfte man bei Safakspor einigermaßen zufrieden damit sein, ein zweites Debakel dieser Art bis zur Rückrunde zu vermeiden.

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