Region Hanau

Kreisliga B: Diese Oldies haben keinen Bock auf Fußball-Rente

Fußball. Rico Kraut (38 Jahre) und Jens Schmitt (42) haben in ihrer Zeit als aktive Fußballer schon fast alles erlebt, wie sie selbst sagen. Ihre Schuhe haben die Routiniers, die seit sie vier Jahre alt sind Fußball spielen, jedoch noch nicht an den Nagel gehängt.

Von David Lindenfeld

Beide gehen als Spielertrainer für ihre Klubs in der Kreisliga B Hanau auf Torejagd. Am vergangenen Sonntag kam es wieder zum Aufeinandertreffen – selbstverständlich inklusive Tore der beiden Stürmer, für die ein Karriereende noch lange nicht in Sicht ist.

Acht Grad Celsius, es weht ein eisiger Wind, der Hartplatz staubt. Mittendrin im Geschehen sind die Spielertrainer Jens Schmitt von Germania Großkrotzenburg II und Rico Kraut von Eintracht Oberrodenbach II. Beobachtet man die beiden Stürmer während des Spiels, ihre Bewegungsabläufe und ihr Verhalten auf dem Platz, fällt sofort auf, dass sie schon ein fortgeschrittenes Alter erreicht haben. Deutlich wird jedoch auch, dass beidefür ihre Mannschaften immer noch wichtig sind und ihnen mit Toren helfen können.

Beste Torschützen in ihren Teams

Kraut trifft beim 6:2-Erfolg seiner Mannschaft doppelt. Auch Schmitt, der diesmal den Kürzeren im Duell der beiden Routiniers zog, steuert einen Treffer bei. In ihren Teams teilen sich beide den ersten Platz mit den meisten Toren: Jens Schmitt war mit 13 Treffern genau so oft erfolgreich wie Pierre Scheinkönig. Bei Rico Kraut sind es mit zehn Toren genauso viele, wie Ole Geberbauer bisher erzielt hat.

Schon in der vergangenen Saison schossen beide Stürmer die meisten Tore für ihre Teams: Schmitt erzielte 33 Treffer und landete auf Platz zwei der Liga-Torjägerliste. Für Kraut standen am Saisonende 28 Tore und Platz fünf zu Buche. Beide eint vor allem eins, was sie antreibt: Die Liebe zum Fußball und zum Spiel, die sie immer weitermachen lässt.

Erfahrung und gutes Stellungsspiel

„Natürlich könnte ich jede Woche irgendwo bei den Alten Herren spielen, aber ich brauche diesen richtigen Wettkampfmodus und habe auch mit 42 noch jeden Sonntagmorgen dieses Kribbeln im Bauch und richtig Bock zu spielen“, sagt Schmitt, der seit elf Jahren Spielertrainer ist. Bei Kraut, der seit fünf Jahren neben seiner Tätigkeit als Spieler auch noch die zweite Mannschaft in Oberrodenbach coacht, ist das ähnlich: „Es macht einfach immer noch Spaß, auch der Umgang mit den jüngeren Spielern. Und solange es noch Spaß und sportlich Sinn macht, werde ich auch noch weiterspielen.“

Was die beiden Oldies in Sachen Schnelligkeit, Beweglichkeit, Spritzigkeit oder Antritt in den letzten Jahren eingebüßt haben, machen sie mit ihrer Erfahrung, ihrem Stellungsspiel und ihrem Torriecher wett. Man müsse schließlich auch erst einmal immer dort stehen, wo der Ball dann im Strafraum hinkommt, um so viele Tore zu erzielen.

Kinder halten Kraut fit

Dass sie den Sport immer noch ausüben können, liegt auch daran, dass beide in ihren Karrieren von größeren Verletzungen verschont geblieben sind. Schmitt riss sich vor zehn Jahren nur einmal das hintere Kreuzband leicht an. Bei Kraut waren ein Nasenbeinbruch und ein Anriss des Innenbandes im Knie die schlimmsten Verletzungen.

Ein Geheimnis, wie man mit 42 oder 38 Jahren noch so fit ist, dass man auch auf dem Hartplatz gegen überwiegend mindestens mehr als zehn Jahre jüngere Spieler bestehen und erfolgreich sein kann, haben beide nicht. „Ich spiele in der Sommer- und der Winterpause ab und zu mal Tennis“, sagt Schmitt. Kraut hingegen hält sich nur über die Übungseinheiten beim Fußball fit: „Mich halten die Kinder genug auf Trab“, erklärt der dreifache Familienvater mit einem Schmunzeln.

"Bier gehört einfach dazu"

Wie lange beide noch spielen wollen, wissen sie aktuell nicht. Ans Aufhören haben sie aber bisher noch keinen Gedanken verschwendet. „Ich schaue von Jahr zu Jahr. Klar zwickt manchmal vielleicht der Rücken ein bisschen, aber es ist jetzt nicht so, dass ich mich montags nach den Spielen aus dem Bett quälen muss“, so Kraut, der sich auch vorstellen kann, nach seiner Zeit als Aktiver als Trainer weiterzumachen. „Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, weil ich hoffe, dass meine aktive Karriere noch ein bisschen geht“, sagt Schmitt, der bald 43 Jahre alt wird.

„Ich höre immer wieder die Frage: Wieso tust du dir das noch an? Doch es gibt für mich kein alt oder jung, sondern nur gut oder schlecht“, erklärt Schmitt, den im Vereinsheim während des Gesprächs mit dieser Zeitung beim Bierchen der beiden Routiniers nach dem Spiel ein alter Bekannter anspricht: „Hey Jeans! (Schmitts Spitzname, Anm. d. Red.) Respekt, du machst ja immer noch hier rum.“

Und so kann es gut sein, dass es noch ein paar Jahre dauern wird, bis beide als aktive Spieler von der Bildfläche des Fußballkreises verschwinden werden. Bis dahin genießen sie es nochmal, sich jeden Sonntag aufs Neue auf den Plätzen in der Region zu messen, das Gefühl nach einem geschossenen Tor und selbstverständlich das Bier nach dem Spiel – „denn das gehört einfach dazu“, sind sich beide einig.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema