Gibt als HMV-Büttenredner und Kewa-Spielführer den Takt vor: Colin Stein ist in Hochstadt aufgewachsen, beim Humor-Musik-Verein Edelweiß aktiv und spielt seit Jahren für Kewa Wachenbuchen. Das heutige Kreisoberliga-Spitzenspiel ist für den 30-Jährigen ein ganz besonderes. Archivfoto: Patrick Scheiber

Maintal

KOL: Kewa-Kapitän Colin Stein kehrt heute in seine Heimat zurück

Fußball. Wenn der Arbeitstag am heutigen Donnerstag vorüber ist und Colin Stein sich auf den Weg nach Hochstadt begibt, wird er nicht nur eine gewisse innerliche Anspannung vor dem Maintal-Derby gegen den FC Hochstadt verspüren.

Von David Lindenfeld

Da wird auch noch dieses Gefühl sein, nach Hause zu kommen. Der 30 Jahre alte Kapitän der Kewa Wachenbuchen hat beim FCH das Kicken gelernt, ist in Hochstadt immer noch fest verwurzelt und will in diesem „besonderen“ Spiel unter den Augen vieler Freunde und Familienangehöriger seinem ehemaligen Klub die Punkte im Rennen um die Meisterschaft klauen.

Vorausgesetzt, er kann dabei überhaupt mithelfen: Seit dem spektakulären 9:1-Sieg gegen Eintracht Oberissigheim macht Stein eine Knöchelverletzung zu schaffen. Bei einer Ultraschalluntersuchung wurde eine Überdehnung des Syndesmosebandes festgestellt. Die Entscheidung, ob Stein spielen kann, wird erst kurzfristig fallen.

Auftritt noch ungewiss

Klar ist: Die Partie in der Heimat, wo der zentrale Mittelfeldspieler aufgewachsen und bis zu seinem Umzug nach Frankfurt-Bornheim gelebt hat, will Stein auf keinen Fall verpassen. Spielen wird er aber nur, wenn sein Fuß voll belastbar ist. „Ich will in so ein Derby nur mit vollem Einsatz gehen. Falls das nicht geht, sollen die spielen, die fit sind. Wir haben einen breiten Kader.“

Sollte der Kapitän ausfallen, würde ihn die Kewa schmerzlich vermissen. Stein ist als 30-Jähriger der mit Abstand älteste Spieler im jungen Team und fungiert auf dem Platz als Anführer, Organisator und Taktgeber im Mittelfeld. In der 3-5-2-Grundordnung, mit der die Kewa in diesem Jahr aufläuft, übernimmt er den Part als „Zehner“ respektive „Achter“ und pendelt stets zwischen beiden Strafräumen – nicht mehr so offensiv wie früher, weil Stein inzwischen mehr organisiert und dirigiert, aber immer noch als klassischer „Box-to-Box-Player“, wie die Engländer sagen würden.

Auf Anhieb Sprung ins Seniorenteam geschafft

Der gute Umgang der Spieler untereinander zeichne das Team aus. „Das macht es mir leicht, die Mannschaft als Kapitän zu führen“, sagt Stein, der stolz ist, die Binde für den Klub tragen zu dürfen, in dem er nun schon so lange spielt. Nach der Jugendzeit, die der Mittelfeldspieler bis auf zwei kurze Perioden in Kesselstadt stets in Hochstadt verbracht hatte, war er beim FCH kein fester Bestandteil der ersten Mannschaft. „Deshalb habe ich geschaut, wo ich den nächsten Schritt machen kann.“

Stein meldete sich in Hochstadt ab, was schnell die Runde machte. Nur zweieinhalb Stunden später klingelte das Telefon. Am anderen Ende der Leitung: ein Verantwortlicher der Kewa, bei der der talentierte Fußballer auf Anhieb den Sprung in die erste Mannschaft schaffte und sich seitdem wohlfühlt. Die Gemeinschaft und der vereinsinterne Zusammenhalt seien die Gründe dafür, sagt Stein, der auch in Hochstadt weiterhin mehr als nur ein gerngesehener Gast ist.

Besonderes Aufeinandertreffen

Das gilt vor allem für die Faschingszeit, wenn es für ihn auf die Bühne statt auf den Rasen geht. Der 30-Jährige gehört als Büttenredner, der welt- und sozialpolitische, aber auch kommunale Ereignisse stets im Blick hat, jedes Jahr zu den Höhepunkten der Hochstädter Faschingssitzung. Seit 2003 steht Stein jedes Jahr allein auf der Bühne – ein Talent, das er durch seinen Vater entdeckte, der in seiner Zeit als aktiver Fußballer nach vielen Jahren in Hochstadt kurzzeitig auch für die Kewa spielte.

Auch deshalb liegt der FCH Stein noch am Herzen. Die Verbundenheit zum alten Klub wird heute Abend beim besonderen Aufeinandertreffen jedoch 90 Minuten keine Rolle spielen, so viel steht fest. Schließlich geht es im Topspiel um viel: Beide Teams können mit einem Sieg auf Rang zwei springen. Die Kewa hätte bei einem Punkt Rückstand sogar noch ein Spiel weniger als Tabellenführer Eintracht Oberissigheim.

Traum vom Aufstieg

Doch der Älteste im Kewa-Team ist gewarnt vor dem FCH. „Das wird ein Spiel auf Messers Schneide. Hochstadt ist super gut in Tritt zur Zeit“, so Stein, der zudem auf den Hochstädter Neuzugang Jürgen Bufi verweist: „Sie hatten vorher schon eine sehr gute Mannschaft. Wenn überhaupt etwas gefehlt hat, dann war es ein eiskalter Torjäger, den sie nun haben.“

Verstecken will sich die Kewa allerdings nicht. „Wir spielen auf jeden Fall auf Sieg. Ich erwarte Hochstadt als spiel-starke und technisch starke Mannschaft auch offensiv“, sagt Stein. Nach zweimal Platz drei und einmal Rang vier in den vergangenen Jahren hofft er, dass der eingespielten Wachenbucher Mannschaft, die den Abgang von Marco Kolev mit vielen talentierten jungen Spielern bisher gut kompensiert hat, vielleicht sogar der ganz große Wurf gelingen könnte. „Es gibt für mich sechs Mannschaften, die um den Aufstieg mitspielen können. Wir sind definitiv eine davon.“

Einmal mit der Kewa in die Gruppenliga aufsteigen – es wäre ein Traum, der für Stein in Erfüllung gehen würde. Und eine Anekdote, die wohl auch auf der anschließenden Faschingssitzung zumindest kurz Thema sein dürfte.

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