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Kilianstädterin Celina Grunwald von null auf 100: Als Senkrechstarterin zur U19-WM

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Von: Thorsten Jung

Der Juniorinnen-Achter ist bereit für die WM: Celina Grunwald vom RC Hassia Hanau (Dritte von rechts) ist die Newcomerin im Team.
Der Juniorinnen-Achter ist bereit für die WM: Celina Grunwald vom RC Hassia Hanau (Dritte von rechts) ist die Newcomerin im Team. © DRV/Schwier

„Achja, ist doch ganz okay“ – das waren die Gedanken der 16-jährigen Celina Grunwald, als sie das erste Mal in einem Boot saß. Das war vor zwei Jahren beim Hanauer Ruderclub Hassia. Am Freitag startet sie bei der U19-Weltmeisterschaften in Plovdiv/Bulgarien. Trainer Volker Lechtenberg spricht von einem „Granaten-Einstieg in ihre Ruder-Karriere.“

Hanau/Schöneck – Erst vor zwei Jahren kam sie übers Schulrudern zur Hassia. „Heißt, ich habe noch nicht so viel Erfahrung, was das Rudern angeht“, lacht die Kilianstädterin.

Ihr Ruder-Debüt im Herbst des vergangenen Jahres verlief alles andere als optimal. „Sie ist eine Anfängerregatta gefahren und gleich von ihrem Rollsitz gefallen“, erzählt Lechtenberg. „Sie hat aber diesen Winter sehr hartnäckig gearbeitet.“ Als Landeskaderathletin konnte sie den Winter über trotz der Corona-Maßnahmen trainieren.

„Sie hat in der Frühsaison mit sehr guten Ergebnissen gepunktet, ist in der Zweierrangliste des DRV auf Platz acht gerudert. Das ist für eine Anfängerin natürlich richtig gut“, freut sich der Hassia-Coach.

So kam Celina Grunwald in den engeren Kreis für die Nationalmannschaft. Das bestätigte sie bei den deutschen Meisterschaften im Juni mit der Silbermedaille. Nun startet sie bei der U19-WM. „Schon verrückt“, sagt sie selbst.

Manch einer würde es auch talentiert nennen. Doch auf ihrem Talent will sich die ehrgeizige Nachwuchsruderin nicht ausruhen. Vier Wochen lang war sie mit der Nationalmannschaft im Trainingslager in Berlin, um sich auf die WM vorzubereiten.

In Plovdiv geht sie mit dem Achter aufs Wasser. „Ich konnte im Trainingslager noch richtig viel lernen, weil ich ja noch nicht so lange rudere. Und jetzt hoffe ich natürlich, dass wir ein gutes Rennen abliefern werden.“

Celina Grunwald gehe aber auf jeden Fall mit gemischten Gefühlen an die Sache ran: „Ich freue mich sehr auf das Abenteuer, bin das Ganze aber noch nicht gewohnt und habe Respekt.“ Deswegen ist die 16-Jährige auch sehr froh, nicht alleine im Boot zu sitzen. „Das Teamgefühl ist da und mit so vielen Leuten um sich herum, ist man dann doch nicht so aufgeregt.“

Rudert noch nicht lange: Celina Grunwald startet dennoch bei der WM.
Rudert noch nicht lange: Celina Grunwald startet dennoch bei der WM. © DRV/Seyb

Um ihre Nervosität vor einem Rennen in Schach zu halten, hat Celina Grunwald einen einfachen Trick. „Ich tue so, als sei alles ganz normal. Ich mache mir nicht viele Gedanken und gehe meist erwartungslos an die Sache ran. Dann kann man am Ende nämlich nur positiv überrascht werden“, lacht sie.

Eine Sache bringt die Hassianerin aber doch aus der Ruhe: „Meine Eltern“, scherzt sie, „habe ich nicht gerne als Zuschauer dabei. Ich mag es nicht, von der Tribüne aus beobachtet zu werden. Deswegen fliegen sie auch nicht mit nach Bulgarien.“ „Ich mag es, dass man durch die verschiedenen Bootsklassen immer wieder etwas anderes ausprobieren kann. Und ich liebe die Gemeinschaft“, erzählt die Gymnasiastin der Hanauer Karl-Rehbein-Schule.

Zeit für die Schule hat sie neben all dem Rudern selbstverständlich noch, doch ihre anderen Hobbys muss sie hinten anstellen. „Ich jongliere und fahre Einrad. Doch das Einradfahren habe ich jetzt erst mal sein lassen. Sicher ist sicher. Die Verletzungsgefahr ist einfach zu groß. Man fällt da nämlich schon mal auf die Nase.“ Deswegen ist sie lieber auf zwei Räder umgestiegen. „Gerade während des harten Lockdowns in der Coronazeit, bin ich sehr viel Fahrrad gefahren. Um Bus und Bahn zu meiden, habe ich einige Kilometer auf dem Fahrrad zurückgelegt.“

Am Freitag will sie sich für ihre Mühen belohnen. Um 11.30 Uhr steht in Plovdiv das Bahnverteilungsrennen, an dem auch Boote aus Spanien, Italien, Rumänien und den USA teilnehmen, an. Das Finale findet am Sonntag ab 13.10 Uhr statt.

Von Franca Richter Und Thorsten Jung

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