Wolfgang Kaufmann steht für Beständigkeit im Trainerjob. Der Großauheimer wird ab Sommer aber beschäftigungslos sein – aus freien Stücken. Archivfoto: TAP

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Kaufmanns Trainer-Ära in Klein-Krotzenburg endet nach Saison

Fußball. Beim Gruppenligisten SG Germania Klein-Krotzenburg endet nach Saisonende eine Ära. Trainer Wolfgang Kaufmann wird nach insgesamt sieben Spielzeiten sein Amt abgeben und auch keinen neuen Verein mehr übernehmen.

Von Frank Schneider

„Ich habe jetzt 30 Jahre am Stück als Trainer an der Seitenlinie gestanden, doch im Sommer ist Schluss.“ Die Entscheidung, so der 57-jährige Großauheimer, sei keineswegs spontan gefallen und habe auch nichts mit der ‧aktuell kritischen sportlichen ‧Situation der Germania zu tun.

Entscheidung gut überlegt

„Ich habe mir das reiflich überlegt, solch einen Entschluss fällt man nicht über Nacht.“ SG-Vorsitzender Roger Weih bedauert das Ausscheiden des Übungsleiters, der seinen Verein in seiner in knapp zwei Monaten endeten Amtszeit zweimal als Meister der Kreisoberliga Offenbach in die Gruppenliga Frankfurt Ost führte. Völlig überrascht war der Funktionär jedoch nicht.

„Wolfgang hat mir schon vor drei Jahren erzählt, dass wir sein letzter Verein als Trainer sein werden und dass er seinen jüngsten Sohn Niklas dann nicht mehr aktiv als Trainer betreuen wird.“ Aktuell spielt Niklas Kaufmann bei den Klein-Krotzenburger B-Junioren, während mit Robin und Tobias die beiden älteren Söhne des Trainers zum Seniorenkader des Gruppenligisten gehören.

Kaum ein Trainer der hiesigen Region steht für eine derartige Beständigkeit wie der in seinen Vereinen fachlich wie menschlich geschätzte Wolfgang Kaufmann. Langzeittrainer gibt es in der Gruppenliga Frankfurt Ost mit Dragan Reljic (FC Dietzenbach), Wolfram Rohleder (SG Marköbel), Andreas Humbert (JSK Rodgau) oder Jochen Breideband (Germania Niederrodenbach) zwar einige, doch an die 17 Jahre, die Wolfgang Kaufmann bei seiner vorherigen Station beim SV Wolfgang wirkte, kommen sie alle (noch) lange nicht heran.

Anfang als Spielertrainer

Auch bei seiner ersten Trainerstation beim TSV Langstadt wirkte Kaufmann ähnlich lange wie jetzt in Klein-Krotzenburg – anfangs noch als Spielertrainer.

Lediglich beim Gelnhäuser Kreisverein SV Altenmittlau amtierte Kaufmann Anfang der Neunziger Jahre nur kurz – und entließ sich, typisch für ihn, aufgrund unbefriedigender Resultate am Ende selbst. Eine vorzeitige Aufgabe in Klein-Krotzenburg kommt jetzt trotz prekärer Tabellenlage weder für Trainer noch den Verein infrage. „Das ist überhaupt kein Thema. Wir hätten auch gerne mit Wolfgang weitergearbeitet, auch bei einem möglichen Abstieg in die Kreisoberliga“, erzählt Roger Weih.

Der Absturz aus sicheren Tabellengefilden in die Abstiegsregion wird keineswegs mit dem langjährigen Trainer in Verbindung gebracht, sondern ist laut Weih der andauernden Personalnot geschuldet. „Im gesamten Saisonverlauf haben uns fast immer rund zehn Spieler gefehlt, darunter auch immer wieder Leistungsträger der ersten Mannschaft, die wir nicht so einfach ersetzen können“, berichtet Weih. Jüngstes Beispiel ist die Verletzung von Torjäger Filippo Serra, der frühestens nach Ostern wieder zum Kader des aktuellen Tabellen-14. stoßen wird.

Planungen laufen zweigleisig

Die Planungen bei Germania Klein-Krotzenburg laufen hinsichtlich der neuen Saison aufgrund des ungewissen Klassenerhalts zweigleisig.

Die Gespräche mit den Spielern sind angelaufen, die Suche nach einem Kaufmann-Nachfolger genießt absolute Priorität. „Wir sind momentan in der Sondierungsphase“, erklärt Roger Weih, der vor gut einer Woche von Wolfgang Kaufmann in dessen Pläne eingeweiht wurde. Der scheidende Trainer wird seinem derzeitigen Verein weiterhin beratend zur Seite stehen und dort seine Zelte im Sommer nicht gänzlich abbrechen. Schon allein aus familiären Gründen nicht.

Ein offizielles Amt wird Kaufmann am Triebweg zunächst keines übernehmen, Roger Weih könnte sich aber durchaus vorstellen, den geschätzten Trainer in Zukunft für die sehr wichtig erachtete Jugendarbeit gewinnen zu können. Zunächst wird Wolfgang Kaufmann ab Juni den von ihm selbst bezeichneten „fußballerischen Vorruhestand“ genießen. Ob er denn überhaupt eine Vorstellung hat, was er künftig sonntagmittags tun wird? „Nein, keine Ahnung“, entgegnet der 57-Jährige. Und fängt an zu lachen.

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