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Karate-Karriere hat im Kino begonnen: Abteilung der Freien Turner Dörnigheim erlebt Aufschwung durch Peter Merz

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In seinem Element: Karate-Trainer Peter Merz inmitten seiner Schützlinge. Zum 50-jährigen Jubiläum kommt auch der Bundestrainer.
In seinem Element: Karate-Trainer Peter Merz inmitten seiner Schützlinge. Zum 50-jährigen Jubiläum kommt auch der Bundestrainer. © Nils Moock

Sonnenschein, angenehmer Wind und der Bundestrainer als Ehrengast: Die Karateabteilung der Freien Turner Dörnigheim hätte sich wohl kaum einen besseren Rahmen für ihr alljährliches Sommerfest am vergangenen Wochenende wünschen können. Insgesamt 31 Mitglieder, alle zwischen sieben und 20 Jahren, zählt die Abteilung mittlerweile. Noch vor einem Jahr beim letzten Sommerfest waren es nur neun Karateka.

Maintal – Großen Anteil am rasanten Mitgliederzuwachs hat der 73-jährige Peter Merz. Erst vor zwei Jahren kam der erfahrene Karateka zu den Freien Turnern und übernahm den Posten des Abteilungsleiters und Karate-Trainers. Dabei bringt der Schwarzgurt-Träger vor allem eines mit: Erfahrung. In diesen Tagen feiert er sein 50-jähriges Karate-Jubiläum, wozu ihm der Bundestrainer persönlich gratuliert hat.

„Angefangen hat alles 1972 in einem Frankfurter Kino. Ich habe mir damals einen Karate-Film angeschaut. Das Ganze hat mir irgendwie so gut gefallen, dass ich wie wild mit den Armen und Beinen fuchtelnd aus dem Kinosaal gelaufen bin und versucht habe, das nachzumachen, was ich da gerade gesehen habe. Ich habe mir dann gedacht, warum versuche ich das nicht einfach mal selbst und bin direkt nach der Vorstellung in ein Studio um die Ecke gegangen und habe mit Karate angefangen“, erinnert sich der Maintaler. Über die Jahre hinweg erlebt der Dojo-Leiter, wie die Übungsleiter in der ursprünglich japanischen Kampfkunst genannt werden, viel.

Stark geprägt durch drei japanische Trainer

Entscheidend geprägt in seiner Art Karate zu praktizieren, aber auch zu lehren, haben ihn seine drei japanischen Trainer, die er im Verlauf seiner aktiven Karriere hatte und ihn auf traditionelle Art und Weise trainierten. Disziplin, Respekt und Konzentration sind für ihn die zentralen Tugenden im Karate. Damit diese auch bei seinen Schülern ankommen, setzt er auf hartes Training. Die Vorstellung vieler Schüler, die zum ersten Mal in sein Training kommen, dass es beim Karate nur darum geht, seinem Gegenüber auf die Nase zu hauen, lächelt er müde weg: „Das habe ich früher selbst gedacht. Tatsächlich war es dann aber so, dass ich Karate außerhalb einer Trainings- oder Wettkampfhalle nie eingesetzt habe. Auch in meiner Zeit als Türsteher nicht. Ich war noch vor meiner Karate-Zeit selbst relativ aggressiv. Doch als ich es dann konnte, bin ich jedem Kampf aus dem Weg gegangen.“

Seit er vor 50 Jahren mit Karate angefangen hat, hat sich viel verändert: „Früher wurde noch mit einer ganz anderen Härte gelehrt. Wenn man da mal fünf Minuten zu spät ins Training kam, durfte die ganze Mannschaft 200 Liegestützen machen. So etwas wäre heute nicht mehr vorstellbar.“ Im Gegensatz zu früher sei heute alles deutlich lockerer geworden. Dabei bleibe dann oftmals die Disziplin auf der Strecke.

Einer, der sich noch gut daran erinnern kann, wie es war, in den 70er Jahren von Peter Merz trainiert zu werden, ist Efthimios Karamitsos. Der 65-jährige Grieche ist seit 1992 Karate-Bundestrainer und kann auf eine überaus erfolgreiche Karriere als aktiver Karateka zurückblicken. Neben seinen sechs Deutschen Meistertiteln gewann er auch sechsmal die Europameisterschaft und heimste bei Weltmeisterschaften insgesamt zwei Bronzemedaillen ein. 1976 kam der aufstrebende Karateka wegen seines Sportwissenschaftsstudiums nach Frankfurt. Einige Wochen trainierte er unter Merz, der damals Dojo-Leiter eines der größten Vereine Frankfurts war. Für seinen ehemaligen Trainer findet er nur lobende Worte, auch wenn ihm das Training alles abverlangt hat: „Früher zu meiner Zeit war er sehr hart. Peter ist ein alter Hase, der Karate mit Herz und Seele betreibt. Er setzt sich sehr für die Kinder ein. Das schätze ich sehr an ihm. Man muss auch einfach das Zeug dazu haben, Trainer zu sein und die Leute zu begeistern. Und das hat er definitiv.“

Starker Zuwachs an jungen Mitgliedern

Eine Einschätzung, die auch Rolf Eisenhauer, Vorstandsvorsitzender der Freien Turner Dörnigheim, teilt: „Er hat einen sehr guten Draht zu den Eltern und Kindern und kann gut abwägen zwischen Härte, die es in diesem Sport als Trainer braucht, und dem gewissen Feingefühl im Umgang mit Kindern und Jugendlichen.“ Dank Merz hat die Karateabteilung einen starken Zuwachs an jungen Mitgliedern verzeichnen können. So haben er und sein Team rund 4000 Flyer in ganz Maintal verteilt, um neue Mitglieder anzuwerben. Und auch die Mundpropaganda läuft auf Hochtouren. Es spricht sich rum, dass Merz mehr ist als nur ein Karate-Trainer und auch mal einen Ausflug mit seinen Schülern unternimmt.

Zurück zum Sommerfest: In der kleinen Turnhalle hinter der Gaststätte der Freien Turner in Dörnigheim präsentieren die disziplinierten Schüler in ihren weißen Karateanzügen ihren Eltern und dem Bundestrainer stolz, was sie von Merz im Training gelernt haben. Doch nicht nur sie sind stolz. Auch der Altmeister selbst schaut zufrieden, als die Schüler umsetzen, was er sie gelehrt hat. (Von Nils Moock)

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