Mittendrin statt nur dabei: Trotz Verletzung steht Till Joscha Jönke seinen Teamkollegen der White Wings Hanau in jedem Training und Spiel zur Seite - feiern nach dem vierten Saisonsieg inklusive. Archivfoto: Patrick Scheiber

Basketball

Pro A: Kapitän der White Wings ist zum Zuschauen verdammt

Basketball. Freitagabend, kurz nach 22 Uhr: Siegestaumel nach dem 74:64-Sieg der Ebbecke White Wings gegen die MLP Academics Heidelberg. Es war der vierte Saisonsieg im 18. Saisonspiel. Und der gelang der Mannschaft von Coach Simon Cote ohne Starspieler Till-Joscha Jönke.

Von Philipp Swierzy

Hanaus Kapitän laboriert an einer Fußverletzung und muss seit dem Jahreswechsel zuschauen. Jönke kann seinen Mitspielern somit nicht helfen, sich in der Rückrunde von Tabellenplatz 16, dem letzten in der ProA, nach oben zu spielen – zumindest On-Court.Denn Off-Court unterstützt der Schlüsselspieler außer Dienst so gut es geht. „Ich bin total aufgeregt und schwitze fast mehr als wenn ich selbst auf dem Feld stehe“, meint Hanaus verletzter Star nach dem wichtigen Heimsieg seiner White Wings gegen Heidelberg – sichtbar angesteckt von der Energie in der Halle. Fans, Spieler und Verantwortliche feierten zuvor lautstark und ausgelassen ihren Erfolg. Allen voran Jönke, der die Feierlichkeiten anleitete und die fast schon obligatorische Humba durch die Boxen jagte. Allen, die es mit den White Wings halten, fiel an diesem Abend ein Stein vom Herzen. Siegen war selten in den vergangenen Monaten.

Erste schwere Verletzung

Nach der verkorksten Hinrunde wurde zuletzt zu allem Überfluss bekannt, dass der Kapitän, Spielmacher und Anführer der jungen Hanauer Basketballmannschaft unter einer Verletzung leidet. Die erste der schwereren Sorte in der Karriere des 27-Jährigen. Eine, die den Leader eine Weile außer Gefecht setzen wird. Rund vier Wochen ausfallen wird Jönke mindestens. Topfit sein wird er vermutlich erst wieder Anfang März. „Es ist eine Gefühlssache. Wenn ich keine Schmerzen mehr habe, kann ich wieder anfangen zu belasten“, erklärt der Patient. Das kann schneller gehen. Oder eben länger dauern.

Als „eine komplizierte Verletzung“, beschreibt Jönke das, was ihn für die nächsten, entscheidenden Wochen auf die Bank zwingt. Es handelt sich um eine Fußverletzung. Ein Sehnenabriss unter dem Fußzeh. „Das Positive ist, das es nicht operiert werden muss“, findet Hanaus Nummer neun. Mindestens viermal pro Woche muss Jönke nun in die Behandlung. Sobald der Fuß wieder belastbar ist, beginnt die Reha. Laufen, schwimmen, Fahrrad fahren. Die Erfahrungen vergangener Verletzungen können dabei helfen, eine solche Leidenszeit durchzustehen. Der gebürtige Düsseldorfer aber hatte zuvor keine derart schwere Verletzung.Das Team muss also ohne Jönke die Kurve kriegen. Denn nach seiner Rückkehr könnte es für eine Rettung zu spät sein. „Wenn man sich das Spiel heute angeschaut hat, dann gibt das unglaublich viel Hoffnung. Das war einfach nur geil“, findet er. „Wir haben mit einem unglaublichen Willen gespielt. Nach der Niederlage in der vergangenen Woche waren heute alle wie ausgewechselt. Alle haben mit Herz gespielt und ihren Teil beigetragen. Ich glaube, man darf die Hoffnung nie verlieren, gerade im Abstiegskampf. Das war heute ein guter Schritt“, so Jönke.

Grund zur Hoffnung

Am Freitag hatte Hanaus verletzter Point Guard allen Grund zur Hoffnung. Jordon Talley, Jönkes Vertreter auf der Eins, ersetzte ihn vorbildlich. „Er macht natürlich noch Fehler, weil er ein Rookie ist. Aber er macht schon immer auch sehr viele gute Sachen. Und wie er heute gespielt hat, das war einfach sensationell. Er hat Verantwortung übernommen, wichtige Freiwürfe verwandelt. Wir werden noch viel Spaß an ihm haben“. Der 23-jährige US-Amerikaner war am Freitag nach Frontcourt-Leader Dorian Pinson, der sich ebenfalls in seiner Debütsaison befindet, zweitbester Scorer des Teams (19 Punkte). „Gerade jetzt, wo ich verletzt bin, muss Jordon natürlich auch zeigen, was er draufhat.“ Talley ist ein schneller und beweglicher Spieler, der unter anderem bei Fastbreaks seine Agilität und Dynamik ausspielen kann. Das Spiel der Hanauer verändert sich mit ihm als Spielmacher.

„Jordon kommt sehr häufig in den Timeouts zu mir und holt sich zwei, drei Tipps ab. Ich kann auch von der Bank ein Leader sein“, versichert Jönke. Ein erfahrener Spieler wie er weiß, an welchen Stellschrauben man drehen kann. Dennoch: Jönkes Ausfall reißt eine Lücke. Eine, die Talley am Freitag gut hatte schließen können. Bei Rookies ist aber eben auch damit zu rechnen, dass es mal nicht so gut läuft. So wie im Spiel eine Woche zuvor bei den Artland Dragons (56:111-Niederlage). Und das ist in Hanaus präkerer Lage eine Gratwanderung. Genau deshalb hat Hanau neben der Verpflichtung des 28-jährigen Power Forward Jarekious Bradley zum Jahreswechsel auch einen weiteren Spieler ins Visier genommen. Ein Mann für den Backcourt soll noch kommen, um die Chancen auf den Klassenerhalt zu erhöhen.

Jönke nimmt derweil trotz Verletzung an jeder Trainingseinheit teil, natürlich ohne Belastung. „Ich möchte dabei sein, um das Team zu unterstützen. Als Kapitän kommt mir einfach eine gewisse Verantwortung zu“, weiß der Führungsspieler. „Ich gehe trotz meiner Verletzung mit einem ganz positiven Gefühl in die nächsten Wochen. Wir haben gerade den Tabellendritten geschlagen. Das zeigt, welches Potenzial in der Mannschaft steckt. Und ich sehe ja jeden Tag im Training, wie hart die Jungs arbeiten.“Die nächsten Wochen entscheidet sich, ob Basketball-Hanau nächste Saison weiterhin Zweitliga-Körbe bestaunen wird. „Ich denke, wir brauchen elf Siege, sieben aus den nächsten zwölf Partien, um in der Liga zu bleiben.“ Seine Mitspieler müssen also weiter siegen – ohne Jönke. Denn wenn Hanaus Nummer neun wieder fit ist, könnte es bereits zu spät sein.

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