Der Dauerbrenner kann nicht so ganz aufhören: Nach über 1000 Pflichtspielen für die TS Steinheim und HSG Hanau hängt Uwe Just die Handballschuhe an den Nagel. So ganz kommt der Vorsitzende der HSG aber nicht von dem schnellen Hallensport weg und trainiert noch fleißig mit. Foto: TAP

Hanau

Uwe Just beendet aktive Karriere nach über 1000 Pflichtspielen

Handball. Die 45-jährige Handballkarriere mit über 1000 Pflichtspielen für die TS Steinheim und HSG Hanau von Uwe Just ist in diesem Sommer zu Ende gegangen – sehr wahrscheinlich.

Von Julia Meiss

Der 55-Jährige hat den Höhenflug und tiefen Absturz der TS Steinheim sowie die Geburt der HSG Hanau samt kometenhaftem Aufstieg miterlebt und sich nun dazu entschlossen, die Handballschuhe an den Nagel zu hängen. Zumindest am Wochenende. Und auch nur dann, wenn in der dritten Mannschaft der HSG nicht Not am Mann herrscht.

Der Mann an der Spitze der HSG Hanau lässt seine aktive Karriere langsam ausklingen und steht nur noch zur Verfügung, wenn „es wirklich erforderlich ist“. Um sich fit zu halten, trainiert Uwe Just noch einmal in der Woche bei der dritten Mannschaft mit und liebäugelt auch damit, die zweite angebotene Trainingseinheit wahrzunehmen.

Vereinswechsel wäre nie in Frage gekommen

„Bewegen tut einem schließlich gut“, sagt der Rechtsaußen und zuckt schon fast entschuldigend mit den Schultern. Am Handball schätzt er die hohe Sozialkompetenz, schließlich müsse sich jeder Spieler im Team zurecht finden. Ganz klar, Uwe Just ist ein Handballverrückter – im absolut positiven Sinn.

Andererseits hatte er keine andere Wahl. „Ich bin familiär vorbelastet“, sagt Uwe Just und lacht. Immerhin ist sein Bruder der ehemalige Jugend-Nationalspieler Wulf und sein Papa die Steinheimer Trainerlegende Manfred Just. Er trainierte 1967 die Bundesliga-Mannschaft der Turnerschaft und führte die Truppe 1972 zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte: dem Gewinn der deutschen Pokalmeisterschaft im Feldhandball. Den Triumph hat Uwe Just damals miterlebt, das Handball-Fieber hatte ihn zu dieser Zeit aber noch nicht gepackt. „Ich habe mit zehn Jahren relativ spät angefangen zu spielen“, berichtet der Rechtshänder von seinem Start in der D-Jugend im September 1974. Recht schnell hat er von seinen Teamkameraden den Spitznamen „Verbandsspieler“ verpasst bekommen.

„Weil ich immer mit Knie- und Armschützer gespielt habe. Und hätte es damals schon Kompressionsunterwäsche gegeben, hätte ich die auch angehabt“, sagt der gebürtige Steinheimer und lässt sogleich die Erklärung folgen: „Ich lasse mich beim Siebenmeter-Werfen hinfallen, was stark auf die Hüftknochen geht.“

Davon und von anderen kleineren Blessuren, die typisch für die schnelle Hallensportart sind wie Kapselverletzungen an den Fingern, abgesehen, ist Uwe Just von größeren Verletzungen verschont geblieben. Mit einem Mittelhandbruch 1987 und einer Platzwunde am Schienbein – er machte nach einem Tempogegenstoß ungewollt mit dem Torpfosten Bekanntschaft – sei der Steinheimer gut weggekommen. „Das ist in 45 Jahren eine gute Quote.“

Und aus diesen 45 Jahren hat der heutige Vorsitzende der HSG Hanau viele Geschichten zu erzählen, schließlich hat er „von der Regionalliga bis zur D-Klasse alles gespielt.“ Da Uwe Just ein bescheidener Mann ist, schiebt er sofort hinterher, dass er in der Regionalliga, was heute der 2. Bundesliga entspricht, nicht viele Spielanteile gehabt habe. Dennoch war der Rechtshänder auf Rechtsaußen dabei, als die TS Steinheim von der Regionalliga bis in die B-Klasse durchgereicht wurde. Den absoluten Tiefpunkt hatte die TS Steinheim 1994 erreicht. „Das war eine harte Zeit und sportlich schwere Jahre, aber verlieren gehört nun mal auch zum Sport dazu. Es wäre für mich nie ein Grund gewesen zu wechseln“, hat Uwe Just „seinem“ Verein auch in den schwersten Zeiten die Treue gehalten.

Zusammen mit Sohn auf dem Feld

Immerhin ging es wieder aufwärts mit den Handballern der Turnerschaft. Es folgten solide Jahre in der Bezirksoberliga mit packenden Derbys gegen den TV Kesselstadt, die auch mal ziemlich ruppig abliefen. Aber auch hierbei zeigt sich, dass Uwe Just ein wahrer Sportsmann ist: „Es ist wichtig, sich nach einem Spiel in die Augen sehen zu können. Man muss immer Respekt haben, vor dem Gegner und dem Schiedsrichter.“ Trotz der Rivalität schlossen sich 2009 die beiden Vereine aus Kesselstadt und Steinheim zur HSG Hanau zusammen. Und auch für die Handball-Spielgemeinschaft ist der Rechtsaußen aufgelaufen und hat einige Meisterschaften mit der dritten Mannschaft gefeiert.

Die vergangenen fünf Jahre waren noch mal ein besonderes Highlight, denn Uwe Just durfte mit seinem Sohn Adrian zusammenspielen. Dabei waren die Rollen klar verteilt, der Sohnemann hat als Spielmacher die Ansagen gemacht, der Papa sie umgesetzt. In all den Jahren hat sich der Außenspieler einige Tricks angeeignet: „Ein Dreher gegen den Mann ohne ein Stürmerfoul zu begehen zum Beispiel. Das ist heute allerdings schwieriger, man wird ja nicht schneller“, nimmt Uwe Just die Nachteile eines reifen Handballers mit Humor. Immerhin sorgt er mit einem gedrehten Wurf bei dem ein oder anderen Torwart immer noch für ein verblüfftes Gesicht.

Vielleicht auch in der nächsten Saison, denn so ganz hängen die Handballschuhe von Uwe Just noch nicht am Nagel.

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