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Auf den Spuren von Marcel Reif: Julian Scharlau von Germania Niederrodenbach kommentiert eine Szene des Bundesligaspiels Eintracht Frankfurt gegen den FC Bayern München.

Niederrodenbacher darf Spiel im Internetradio kommentieren

Julian Scharlau gewinnt Kommentatoren-Casting von Eintracht Frankfurt

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Julian Scharlau von Germania Niederrodenbach hat das Kommentatoren-Casting von Bundesligist Eintracht Frankfurt gewonnen.

Update 25. April:

Julian Scharlau hat das Kommentatoren-Casting von Bundesligist Eintracht Frankfurt gewonnen und darf ein Spiel für das Internetradio der Eintracht kommentieren. Der Torhüter des FC Germania Niederrodenbach setzte sich zunächst gegen Hunderte Bewerber und später in der Endrunde gegen vier Finalisten durch.

Die Eintracht berichtete auf ihren Social-Media-Plattformen von einem „Kopf-an-Kopf-Rennen“ zwischen Scharlau und Patrick Corteaux. „Ich bin immer noch baff“, sagte Scharlau, der an diesem Freitag 22 Jahre alt geworden ist, gegenüber der Eintracht. Seine stimmliche Begleitung des Frankfurter Treffers aus der Hinrunde zum 2:0 gegen den FC Bayern München bekam im Voting, das mehrere Tausend abgegebene Stimmen umfasste, den größten Zuspruch. 

Welches Spiel Scharlau als Co-Kommentator begleiten wird, ist aktuell noch offen. Für den Eintracht-Fan ist der Auftritt eine große Chance: Seit Kindertagen träumt er davon, Fußballspiele zu kommentieren.

Erstmeldung vom 17. April:

Julian Scharlaus Stimme klingt vertraut – ganz so wie im eineinhalbminütigen Videoclip, der im Internet gerade viele Fans der Frankfurter Eintracht begeistert, hört sie sich am Telefon dann aber doch nicht an.

 „Ein bisschen verstellt man sie vielleicht und orientiert sich an dem, was man aus dem Fernsehen oder dem Radio kennt“, erklärt der Torhüter des FC Germania Niederrodenbach, der es bei einem Kommentatoren-Casting für das hauseigene Internetradio von Eintracht Frankfurt bis in die Endrunde geschafft hat.

Scharlau unter den Top fünf von Hunderten Bewerbern

Mit vier anderen Kandidaten ist Scharlau derzeit auf dem Youtube-Kanal der Frankfurter zu hören, wie er mit einer wohlklingenden Mischung aus Emotion und dem richtigen Maß an Sachlichkeit den Treffer der Eintracht aus der Hinrunde zum 2:0 gegen den FC Bayern München kommentiert. Ausgewählt wurden von einer Jury die fünf besten Einsendungen von Hunderten Bewerbern und Bewerberinnen, heißt es auf der Homepage des Bundesligisten.

Die Kriterien: Emotionalität, Stimmfarbe, Fachkompetenz und Ausdrucksweise. „Ausschlaggebend im engen Rennen der zahlreichen ansprechenden Leistungen war nicht zuletzt die Tauglichkeit des Auftrittes für das Radioformat“, so die Eintracht.

FIFA-Spiele vor dem Fernseher kommentiert

Scharlau hat den Ton getroffen. Wer dem 21-Jährigen zuhört, dürfte schnell das Gefühl bekommen, dass ein Experte am provisorischen Sprechermikrofon sitzt, dem man da gerade lauscht. Scharlau dementiert – zumindest ein bisschen: „Ich mache zum ersten Mal bei so einem Casting mit, habe aber früher oft beim FIFA-Zocken auf der Konsole den Kommentator ausgestellt und selbst kommentiert“, berichtet der Eintracht-Fan lachend.

Schon als Kind war der Kommentatorenberuf sein Traumjob. „So richtig glaubt man dann aber ja doch nicht daran, dass daraus etwas wird“, sagt der Student, der vor einigen Tagen zufällig auf die Aktion der Eintracht aufmerksam wurde. Sie hatte bei Facebook dazu aufgerufen, am Casting teilzunehmen. „Ich habe gesehen, dass das noch ein paar Tage läuft, und Lust darauf gehabt, mitzumachen. Zeit hat man aktuell ja sowieso genug.“

Scharlau kommentiert Tor zum 2:0 gegen Bayern München

Mehrere Spielszenen standen auf der Homepage zur Auswahl. Einige Male schaute sich Scharlau den Ausschnitt mit dem 2:0 gegen die Bayern an, bei dem Djibril Sow sein erstes Bundesligator nach schönem Zusammenspiel von Sebastian Rode und Goncalo Paciencia per Hacke erzielte.

Die Aufnahme der Tonspur sei im Anschluss aber relativ unspektakulär gewesen: „Ich habe es ein paar Mal als Sprachmemo mit dem Handy aufgenommen, damit ich mir am Ende die Version aussuchen konnte, die mir am besten gefallen hat. Die habe ich dann hochgeladen. Das war eine Sache von 15 oder 20 Minuten.“

Kommentare bei Youtube lassen hoffen

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der eineinhalbminütige Clip kommt gut an. Die Resonanz in den Kommentaren ist durchweg positiv. Von allen fünf Videos, die es auf Youtube in die Endrunde geschafft haben, hat das von Scharlau mit Abstand die meisten Aufrufe.

Ob er deshalb auch in der Abstimmung, bei der die Fans mehrfach für ihren Favoriten voten können, die Nase vorn haben wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. „Es ist ein bisschen schade, dass man nicht weiß, wo man steht und wie viel Prozent der Stimmen man bekommen hat“, meint der Niederrodenbacher.

Scharlaus Chancen stehen wohl nicht schlecht

Bis Sonntagabend, 18 Uhr, läuft das Voting noch. Danach wird Scharlau wissen, ob er gewonnen hat und als Co-Kommentator im Netradio bei einem Heimspiel der Eintracht dabei sein darf. Nimmt man die Aufrufzahlen auf Youtube und die Kommentare als Anhaltspunkte, dürften die Chancen nicht so schlecht stehen – auch weil Scharlau schnell reagiert hat: „Als ich von der Eintracht die Benachrichtigung bekommen habe, dass ich in der Endrunde bin, habe ich in sämtlichen WhatsApp-Gruppen Freunden und Verwandten den Link zur Abstimmung geschickt.“

Geht der Traum in Erfüllung?

Einmal ein Heimspiel der Eintracht kommentieren zu dürfen, wäre für ihn „ein Traum“, der in Erfüllung gehen würde. Ob daraus sogar mehr werden könnte? „So weit habe ich noch gar nicht gedacht. Wenn es aber in irgendeiner Form dazu kommen würde, wäre ich der Erste, der das probieren würde“, sagt Scharlau, der zunächst eine Ausbildung zum Medienkaufmann absolviert hat und aktuell im vierten Semester Online-Kommunikation studiert.

Eine gewisse „Medien-Affinität“ sei somit definitiv vorhanden, sagt der 21-Jährige, der nebenbei noch als Social-Media-Redakteur bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ arbeitet. Der einstige Wunsch aus Kindertagen könnte möglicherweise zur Realität werden. Dass durchaus Talent vorhanden ist, hat Scharlau mit seinem Ausschnitt bewiesen – gut vorstellbar, dass seine Stimme bald noch öfter zu hören sein wird.

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